Pessachim — Blatt 114a
1R. Jiçḥaq b. Aḥa in der Halakha und R. Jiçḥaq b.Pinḥas in der Agada sind identisch. Als Merkzeichen diene dir [der Spruch] : Höret Brüder und Freunde!
2Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans im Namen des R. Jehuda b. Ilea͑j: Iß eine Zwiebelund sitze im Schatten, aber iß nicht Gänse und Hühner mit beunruhigtem Herzen. Spare von deinem Essen und deinem Trinken und wende es auf deine Wohnung.
3Als U͑la kam, sagte er: Im Westen haben sie folgenden Spruch: Wer Fettschwanzißt, verkriecht sich im Söller, wer Grünkrautißt, sitzt in der Stadtversammlung.
4SCHENKT MAN IHM DEN ERSTEN BECHER EIN, SO SPRECHE ER, WIE DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, ZUERST DEN SEGEN [ZUR WEIHE DES] TAGES UND NACHHER DEN SEGEN ÜBER DEN WEIN, UND WIE DIE SCHULE HILLELS SAGT, ZUERST DEN SEGEN ÜBER DEN WEIN UND NACHHER DEN [ZUR WEIHE] DES TAGES.
5GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Folgende Differenzen bestehen zwischen der Schule Šammajs und der Schule Hillels inbetreff der Mahlzeit. Die Schule Šammajs sagt, man spreche zuerst den Segen [zur Weihe] des Tages, nachher spreche man den Segen über den Wein, denn der Tag veranlaßt ja, daß der Wein kommt, auch ist die Heiligkeit des Tages bereits eingetreten, als der Wein noch nicht da war;
6die Schule Hillels sagt, man spreche zuerst den Segen über den Wein, nachher spreche man den Segen [zur Weihe] des Tages, denn der Wein veranlaßt ja, daß der Weihsegen gesprochen wird. Eine andere Begründung: Der Segen über den Wein ist häufig und der Segen [zur Weihe] des Tages ist nicht häufig, und von Häufigem und Nichthäufigem geht das Häufige vor. Die Halakha ist wie die Schule Hillels. –
7Wozu die andere Begründung? – Man könnte sagen, jene hat zwei [Begründungen], diese nur eine, so hat auch diese zwei: von Häufigem und Nichthäufigem geht das Häufige vor. –
8Daß die Halakha wie die Schule Hillels ist, ist ja selbst-verständlich, eine Hallstimme hat es ja entschieden!? – Wenn du willst sage ich: vor der Hallstimme [wurde dies gelehrt];
9und wenn du willst sage ich: tatsächlich nach der Hallstimme, jedoch nach R. Jehošuá, welcher sagt, man beachte die Hallstimme nicht.
10MAN SETZE IHM KRÄUTER UND LATTICH VOR, UND ER TUNKEDEN LATTICH EIN. SODANN GELANGT ER ZUR VORSPEISE DES BROTES, UND MAN SETZE IHM UNGESÄUERTES, LATTICH, FRUCHTBREI UND ZWEI GEKOCHTE SPEISEN VOR, WIEWOHL DER FRUCHTBREINICHT GEBOT IST; R. ELEA͑ZAR B. ÇADOQ SAGT, [AUCH DIESER] SEI GEBOT. [ZUR ZEIT DES] TEMPELS SETZTE MAN IHM DAS PESAḤLAMM SELBST VOR.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.