Pessachim — Blatt 114b
1GEMARA. Reš Laqiš sagte: Dies besagt, daß die [Ausübung der] Gebote der Beabsichtigung bedarf. Man muß ihnein zweites Mal als Bitterkraut eintunken, weil man ihn als Bitterkraut essen muß und man [das erste Mal], da man den Segen ‘Der die Bodenfrucht erschafft’ spricht, dies nicht beabsichtigt. Wozu aber braucht man ihn zweimal einzutunken, wenn du sagen wolltest, die [Ausübung der] Gebote bedarf nicht der Beabsichtigung, man hat ihn ja bereits einmal eingetunkt!? –
2Wieso denn, vielleicht bedarf [die Ausübung] der Gebote nicht der Beabsichtigung, nur muß man ihn deshalb zweimal eintunken, damit dies den Kindernauffalle.
3Wenn du aber einwendest, demnach sollte er es von anderen Kräutern gelehrt haben, [so ist zu erwidern:] hätte er es von anderen Kräutern gelehrt, so könnte man glauben, nur wenn es verschiedene Kräuter sind, müsse man zweimal eintunken, wenn aber nur Lattich, brauche man nicht zweimal einzutunken, so lehrt er uns, daß man auch Lattich allein zweimal eintunken müsse, damit es den Kindern auffalle.
4Ferner wird ausdrücklich gelehrt: Hat man [das Bitterkraut] von Demaj gegessen, so hat man seiner Pflicht genügt; hat man es ohne Beabsichtigung gegessen, so hat man seiner Pflicht genügt, hat man es geteiltgegessen, so hat man seiner Pflicht genügt,
5nur darf man von einem Essen bis zum anderen Essen nicht länger säumen, als man ein Peras essen kann!? –
6Hierüber streiten Tannaím, denn es wird gelehrt: R. Jose sagte : Obgleich er bereits Lattich eingetunkt hat, so ist es dennoch Gebot, ihm wiederum Lattich, Fruchtbrei und zwei gekochte Speisen vor-zusetzen. –
7Wieso, vielleicht ist R. Jose der Ansicht, die [Ausübung der] Gebote bedarf nicht der Beabsichtigung, nur muß man deshalb zweimal eintunken, damit dies den Kindern auffalle!? –Wieso ist dies demnach Gebot!?
8Welche gelten als zwei gekochte Speisen? R. Hona erwiderte: Mangoldund Reis. Raba pflegte sich um Mangold und Reis zu bemühen, weil dies aus dem Munde R. Honas kam.
9R. Aši sagte: Aus [den Worten] R. Honas ist zu entnehmen, daß [die Lehre] des R. Joḥanan b. Nuri nicht zu berücksichtigen sei. Es wird nämlich gelehrt: R. Joḥanan b.Nuri sagte: Reis ist eine Getreideart; man macht sich, wenn man ihn [am Pesaḥfeste] gesäuert [ißt], der Ausrottung schuldig, und man genügt damit seiner Pflicht am Pesaḥfeste.
10Ḥizqija sagte: Sogar ein Fisch mit dem Eidaran. R. Joseph sagte: Es müssen zwei Fleischspeisen sein, die eine zur Erinnerung an das Pesaḥopfer und die andere zur Erinnerung an das Festopfer. Rabina sagte: Sogar das Beinfleisch mit der Brühe.
11Selbstverständlich ist es, daß, wenn man auch andere Kräuter hat, man zuerst über die anderen Kräuter den Segen ‘Der die Bodenfrucht erschafft’ spreche und sie esse, und nachher über [das Bitterkraut] den Segen ‘Bitterkraut zu essen’ spreche und es esse;
12wie ist es aber, wenn man nur Lattich hat? R. Hona erwiderte: Man spreche über das Bitterkraut zuerst den Segen ‘Der die Bodenfrucht erschafft’ und esse es, nachher spreche man den Segen ‘Bitterkraut zu essen’ und esse es.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.