Pessachim — Blatt 117a
1R. Ḥisda sagte im Namen R. Joḥanans: Halelujah, Kesjah, und Jedidjahsind jedes ein Wort. Rabh sagte: Kesjah und Merḥabjahsind jedes ein Wort. Raba sagte: Nur Merḥabjah.
2Sie fragten: Wie ist es mit Merḥabjah nach R. Ḥisda? – Dies bleibt unentschieden.
3Sie fragten: Wie ist es mit Jedidjah nach Rabh? – Komm und höre: Rabh sagte, Jedidjah könne geteilt werden, daher sei Jedid profan und jah heilig.
4Sie fragten: Wie ist es mit Halelujah nach Rabh? – Komm und höre: Rabh erzählte, er habe ein Psalmenbuch der Schule seines Oheimsgesehen, in dem Halelu auf der einen Seite und jah auf der anderen Seitestand.
5Er streitet somit gegen R. Jehošua͑ b. Levi, denn R. Jehošua͑ b. Levi sagte, Halelujah heiße: preiset ihn mit vielenPreisungen.
6Dieser befindet sich in einem Widerspruche mit sich selbst, denn R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Zehn Ausdrücke der Preisungbefinden sich im Buche der Psalmen: Musiklied, Saitenlied, Lehrgedicht, Psalm, Gesang, Heil, Loblied, Gebet, Danklied und Halelujah; der bedeutendste unter ihnen ist Halelujah, das den Gottesnamen und eine Lobpreisung in einem [Worte] enthält.
7R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Das Lied in der Toradichteten Moše und Jisraél, als sie aus dem Meere stiegen. Wer dichtete das Loblied? – Die Propheten unter ihnen ordneten für Jisraél an, es bei jeder Festgelegenheit und bei jedem nichteintreffenden Unglücksfalle herzusagen. Und wenn sie [dereinst] erlöst werden, werden sie es über ihre Erlösung hersagen.
8Es wird gelehrt: R. Meír sagte: Sämtliche Loblieder, die im Buche der Psalmen enthalten sind, dichtete David, denn es heißt : zuende [kallu] sind die Gebete Davids, des Sohns Jišajs, und man lese nicht kallu, sondern kol-elu [all diese].
9Wer dichtete dieses Loblied? R. Jose sagte: Mein Sohn Elea͑zar sagt, Moše und Jisraél dichteten es, als sie aus dem Meere stiegen, die Genossen aber streiten gegen ihn und sagen, David habe es gedichtet. Seine Worte sind jedoch einleuchtender als ihre Worte, sollte es denn möglich sein, daß die Jisraéliten ihre Pesaḥopfer geschlachtet oder ihre Feststräuße [in die Hand] genommen, ohne ein Lied angestimmt zu haben!?
10Eine andere Begründung: Ist es denn möglich, daß, während das Götzenbild des Mikha in Freudendastand, Jisraél das Loblied angestimmt haben soll!?
11Die Rabbanan lehrten: Sämtliche Lieder und Lobgesänge im Buche der Psalmen dichtete David, wie R. Elie͑zer sagt, über sich selbst, und wie R. Jehošuá sagt, über die Gemeinschaft; die Weisen sagen, manche von ihnen über die Gemeinschaft und manche von ihnen über sich selbst: die in der Einzahl abgefaßt sind, über sich selbst, die in der Mehrzahl abgefaßt sind, über die Gemeinschaft.
12Musiklieder und Saitenlieder beziehen sich auf die Zukunft; Lehrgedichte durch einen Vortragenden. [Heißt es:] Davids ein Psalm, so ruhte die Göttlichkeit auf ihm, und nachher dichtete er das Lied; [heißt es:] ein Psalm Davids, so dichtete er das Lied, und nachher ruhte die Göttlichkeit auf ihm.
13Dies lehrt dich, daß die Göttlichkeit auf einem nicht bei Trägheit, nicht bei Traurigkeit, nicht bei Scherz, nicht bei Leichtfertigkeit und nicht bei müßigem Geplauder ruhe, sondern nur bei freudiger Stimmung einer gottgefälligen Handlung, denn es heißt: jetzt aber holt mir einen Saitenspieler, Jedesmal, wenn der Saitenspieler spielte, kam über ihn der Geist Gottes.
14R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Dies gilt auch von der Halakha. R. Naḥman sagte: Dies gilt auch von einem guten Traume. –
15Dem ist ja aber nicht so, R. Gidel sagte ja im Namen Rabhs, daß, wenn ein Schüler vor seinem Lehrer sitzt und seine Lippen nicht [vor Ehrfurcht] Bitternis triefen, sie verbrüht werden mögen!? Es heißt nämlich:seine Lippen wie die Lilien, fließende Myrrhe träufelnd, und man lese nicht šošanim [Lilien], sondern šešonim [die studieren], auch lese man nicht mor o͑ber [fließende Myrrhe], sondern mar o͑ber [fließende Bitternis]. –
16Das ist kein Widerspruch; das eine für den Lehrer, das andere für den Schüler.
17Wenn du aber willst, sage ich: das eine wie das andere für den Lehrer, dennoch ist dies kein Widerspruch; das eine, bevor er begonnen hat, das andere, nachdem er begonnen hat. So pflegte auch Rabba, bevor er vor den Schülern [den Vortrag] begann, etwas Scherzhaftes zu sagen, und die Schüler wurden heiter, dann saß er ehrfürchtig und begann mit der Lehre.
18Die Rabbanan lehrten: Wer dichtete dieses Loblied? R. Elie͑zer sagt, Moše und Jisraél dichteten es, als sie am Meere standen. Sie sprachen: Nicht uns, Herr, nicht uns. Darauf erwiderte der heilige Geist und sprach zu ihnen:Um meinetwillen, um meinetwillen tu ich es. R. Jehuda sagt, Jehošuá und Jisraél dichteten es, als die kenaa͑nitischen Könige wider sie aufstanden. Sie sprachen: Nicht uns, und [der heilige Geist] erwiderte &c.
19R. Elea͑zar aus Modai͑m sagt. Debora und Baraq dichteten es, als Sisra wider sie aufstand. Sie sprachen: Nicht uns, und der heilige Geist erwiderte und sprach: Um meinetwillen, um meinetwillen tu ich es. R. Elea͑zar b. A͑zarja sagt, Ḥizqija und sein Kollegium dichteten es, als Sanḥerib wider sie aufstand. Sie sprachen: Nicht uns, und der [heilige Geist] erwiderte &c. R. A͑qiba sagt, Ḥananja, Mišaél und A͑zarja dichteten es, als der ruchlose Nebukhadneçar wider sie aufstand. Sie sprachen: Nicht uns, und [der heilige Geist] erwiderte &c. R. Jose der Galiläer sagt, Mordekhaj und Ester dichteten es, als der ruchlose Haman wider sie aufstand. Sie sprachen: Nicht uns, und [der heilige Geist] erwiderte &c.
20Die Weisen sagen, die Propheten unter ihnen ordneten für Jisraél an, es bei jeder Festgelegenheit und bei jedem nicht eintreffendenUnglücksfalle herzusagen. Und wenn sie [dereinst] erlöst werden, werden sie es über ihre Erlösung hersagen.
21R. Ḥisda sagte, Halelujahgehöre zum Schlusse des [vorangehenden] Abschnittes, Rabba b. R. Hona sagte, Halelujah gehöre zum Beginn des [folgenden] Abschnittes. R. Ḥisda sprach: Ich sah ein Psalmenbuch der Schule des R. Ḥanin b.Rab[a], in dem das Halelujah sich in der Mitte des Abschnittesbefand ; demnach war es ihm zweifelhaft.
22R. Ḥanin b. Raba sagte: Alle stimmen überein, daß hinter [dem Verse] : Vom Ruhme des Herrn soll mein Mund reden, und alles Fleisch preise seinen heiligen Namen immer und ewig, das Halelujah zum Beginn des [folgenden] Abschnittes gehöre. Ferner auch, daß hinter [dem Verse]: Der Gottlose wird es sehen und sich ärgern, wird mit den Zähnen knirschen und vergehen; die Hoffnung der Gottlosen wird zunichte werden, das Halelujah zum Beginn des [folgenden] Abschnittes gehöre. Ferner auch, daß hinter [dem Verse] :Die ihr im Tempel des Herrn steht, das Halelujah zum Beginn des [folgenden] Abschnittes gehöre.
23Die Bibelkundigenfügen noch folgende hinzu: Hinter [dem Verse] :Aus dem Bache am Wege trinkt er, darum erhebt er das Haupt, gehört das Halelujah zum Beginn des [folgenden] Abschnittes. Und hinter [dem Verse] : Der Weisheit Anfang ist die Furcht des Herrn; gute Einsicht wird allen, die sie üben, gehört das Haleluj ah zum Beginn des [folgenden] Abschnittes. –
24Es ist anzunehmen, daß hierüber auch Tannaím streiten : Wie weit lese man? Die Schule Šammajs sagt, bis:Die Mutter der Kinder frohlockt, die Schule Hillels sagt, bis:Den Kiesel in einen Wasserquell. Und ein Anderes lehrt: Wie weit lese man? Die Schule Šammajs sagt, bis:Als Jisraél aus Miçrajim zog, die Schule Hillels sagt, bis : Nicht uns, Herr, nicht uns.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.