Pessachim — Blatt 117b

1Ihr Streit besteht wahrscheinlich in folgendem: derjenige, der bis Die Mutter der Kinder frohlockt sagt, ist der Ansicht, das Halelujah gehöre zum Beginndes [folgenden] Abschnittes, und derjenige, der bis Als Jisraél aus Miçrajim zog sagt, ist der Ansicht, das Halelujah gehöre zum Schlusse des [vorangehenden] Abschnittes. –

2R. Ḥisda erklärt [beide Lehren] nach seiner Ansicht. Alle stimmen überein, das Halelujah gehöre zum Schlusse des [vorangehenden] Abschnittes; nach demjenigen, der bis Als Jisraél zog sagt, stimmt dies ja, und derjenige, der bis Die Mutter der Kinder frohlockt sagt, meint es ‘bis’ (und bis) einschließlich. –

3Sollte er doch sagen: bis Halelujah!? Wolltest du erwidern, man würde nicht wissen, welches Halelujah, so sollte er sagen: bis Halelujah des [Verses] Die Mutter der Kinder frohlockt!? – Dies ist ein Einwand.

4Auch Rabba b. R. Hona erklärt [beide Lehren] nach seiner Ansicht. Alle stimmen überein, das Halelujah gehöre zum Beginn des [folgenden] Abschnittes; nach demjenigen, der bis Die Mutter der Kinder frohlockt sagt, stimmt dies ja, und derjenige, der bis Als Jisraél zog sagt, meint es ‘bis’ (und bis) ausschließlich. –

5Sollte er doch sagen: bis Halelujah!? Wolltest du erwidern, man würde nicht wissen, welches Halelujah, so sollte er sagen: bis Halelujah des [Verses] Als Jisraél zog!? – Dies ist ein Einwand.

6MAN SCHLIESSE MIT DER ERLÖSUNGSFORMEL. Raba sagte: Die [Erlösungsformel] des Šema͑ und des Lobliedes lautet ‘der Jisraél erlöst hat’, die des Gebetes lautet ‘der Jisraél erlöst’, weil dies ein Gebetist.

7R. Zera sagte: Im Weihsegen sage man ‘der uns durch seine Gebote geheiligt und befohlen hat’, im Gebete sage man ‘heilige uns durch deine Gebote’, weil dies ein Gebet ist.

8R. Aḥa b.Ja͑qob sagte: Im Segen zur Weihe des Tages muß man des Auszuges aus Miçrajim erwähnen, denn hierbei heißt es: damit du denkest, und dortheißt es : denke daran, den Šabbath heilig zu halten.

9Rabba b. Šila sagte: Im Gebete sage man ‘er läßt das Horn der Hilfe hervorsprießen’, im [Segen der] Haphṭara [sage man] ‘der Schild Davids’.

10Und ich will dir einen großen Namen schaffen gleich den Namen der Größten, das ist, wie R. Joseph lehrte, die Formel ‘der Schild Davids’.

11R. Šimo͑n b. Laqiš sagte:Ich will dich zu einem großen Volke machen, das ist die Formel ‘der Gott Abrahams’; ich will dich segnen, das ist die Formel ‘der Gott Jiçḥaqs’; ich will deinen Namen groß machen, das ist die Formel ‘der Gott Ja͑qobs’.

12Man könnte glauben, sie seien alle in der Schlußformel zu nennen, so heißt es: du sollst ein Segen sein, nur mit dir wird man [den Segensspruch] schließen und nicht mit allen.

13Raba erzählte: Einst traf ich die Greisevon Pumbeditha, und diese saßen und sagten am Šabbath sowohl im Gebete als auch im Weihsegen ‘der den Šabbath heiligt’, und am Feste sowohl im Gebete als auch im Weihsegen ‘der Jisraél und die Zeiten heiligt’. Da sprach ich zu ihnen: Im Gegenteil, im Gebete sage man sowohl am Šabbath als auch am Feste ‘der Jisraél heiligt’ und im Weihsegen sage man am Šabbath ‘der den Šabbath heiligt’ und am Feste ‘der Jisraél und die Zeiten heiligt’.

14Ich will sowohl meine Ansicht als auch euere Ansicht begründen. Euer Grund ist: der Šabbath ist feststehend, daher sage man sowohl im Gebete als auch im Weihsegen ‘der den Šabbath heiligt’, das Fest wird von den Jisraéliten bestimmt, die die Monde interkalieren und das Jahr festsetzen, daher sage man ‘der Jisraél und die Zeiten heiligt’.

15Mein Grund ist: das Gebet wird in Gemeinschaft verrichtet, daher sage man ‘der Jisraél heiligt’, der Weihsegen wird von einzelnen gesprochen, daher sage man am Šabbath ‘der den Šabbath heiligt’ und am Feste ‘der Jisraél und die Zeiten heiligt’.

16Dies ist aber nichts; verrichtet man etwa das Gebet nicht auch einzeln, oder spricht man etwa den Weihsegen nicht auch in Gemeinschaft!? Raba aber ist der Ansicht, man richte sich danach, wie es üblich ist.

17U͑la b. Rabh trateinst in Gegenwart Rabas [vor das Betpult] und sprach [die Formeln] nach der Ansicht der Greise von Pumbeditha, und dieser sagte ihm nichts. Demnach ist Raba von seiner Ansicht abgekommen. R. Nathan, der Vater des R. Hona, der Sohn Nathans, trat einst [vor das Betpult] in Gegenwart R. Papas und sprach [die Formeln] nach Ansicht der Greise von Pumbeditha, und R. Papa lobte ihn.

18Rabina erzählte: Als ich einst in Sura bei Meremar eingekehrt war, trat der Gemeindevorbeter in seiner Gegenwart [vor das Betpult] und sprach [die Formeln] nach der Ansicht der Greise von Pumbeditha, und die Leute wollten ihn zum Schweigen bringen. Da sprach dieser: Lasset ihn, die Halakha ist wie die Greise von Pumbeditha. Hierauf unterließen sie es.

19MAN SCHENKE IHM DEN DRITTEN BECHER EIN, UND ER SPRICHT DEN SEGEN ÜBER DAS MAHL, ALSDANN DEN VIERTEN, UND ER LIEST DAS LOBLIED ZUENDE UND SPRICHT DEN SEGEN ÜBER DAS LIED. ZWISCHEN JENEN BECHERN DARF MAN, WENN MAN WILL, [NOCH AUSSERDEM] TRINKEN, NICHT ABER ZWISCHEN DEM DRITTEN UND DEM VIERTEN.

20GEMARA. R. Ḥanan sprach zu Raba: Hieraus ist zu entnehmen, daß zum Tischsegen ein Becher [Wein] erforderlich sei. Dieser erwiderte: Die Rabbanan haben [das Trinken] von vier Bechern als Zeichen der Freiheit angeordnet, und bei jedem besonders ist ein Gebot auszuüben.

21ALSDANN DEN VIERTEN, UND ER LIEST DAS LOBLIED ZUENDE UND SPRICHT DEN SEGEN ÜBER DAS LIED.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.