Pessachim — Blatt 118b

1und außen sengen, und so ein Wunder in einem Wunder vollbringen. Hierauf sprach der Heilige, gepriesen sei er, zu ihm: Steige hinab. Alsdann begann Gabriél und sprach: Die Treue des Herrn währt ewig.

2R. Nathan sagte: Die Treue des Herrn währt ewig, dies sagten die Fische des Meeres. Dies nach R. Hona, denn R. Hona sagte: Die Jisraéliten jenes Zeitalters waren kleingläubig, und zwar nach einem Vortrage des Rabba b. Mari. Es heißt :sie widersetzten sich am Schilfmeere, dies lehrt, daß sich die Jisraéliten damals widersetzten und sprachen : Wie wir aus dieser Seite heraufkommen, ebenso können ja die Miçrijim aus einer anderen Seite heraufkommen.

3Darauf sprach der Heilige, gepriesen sei er, zum Meeresfürsten: Speie sie aufs Festland aus. Da sprach dieser: Herr der Welt, ist es denn üblich, daß, wenn ein Herr seinem Diener ein Geschenk macht, er es ihm wieder abnimmt!? Er erwiderte: Ich will dir anderthalbmal soviel geben.

4Jener entgegnete: Herr der Welt, ist es denn üblich, daß ein Diener seinen Herrn mahnt!? Er erwiderte: Der Bach Qišon soll mein Bürge sein. Hierauf spie er sie auf das Festland, und die Jisraéliten kamen und sahen sie, wie es heißt:und Jisraél sah die Miçrijim tot am Meeresufer liegen. –

5Wieso anderthalbmal soviel? – Beim Pharao͑ heißt es:sechshundert eiserne Streitwagen, bei Sisra aber heißt es:neunhundert eiserne Streitwagen.

6Als Sisra kam, fiel er über sie mit eisernen Spießen her; da ließ der Heilige, gepriesen sei er, gegen sie die Sterne aus ihren Bahnen vortreten, wie es heißt : da kämpften die Sterne vom Himmel. Als die Sterne des Himmels auf sie niedergingen, erglühten die eisernen Spieße, und sie stiegen in den Bach Qišon hinab, um sich abzukühlen.

7Da sprach der Heilige, gepriesen sei er, zum Bache Qišon: Geh und komme deiner Bürgschaft nach. Hierauf raffte sie der Bach Qišon zusammen und warf sie ins Meer, wie es heißt : der Bach Qišon raffte sie zusammen, der Bach der Vorzeit. Was heißt ‘der Bach der Vorzeit’? Der Bach, der in der Vorzeit Bürge war. Alsdann begannen die Fische des Meeres und sprachen: Die Treue des Herrn währt ewig.

8R. Šimo͑n b. Laqiš sagte: Es heißt : der die Unfruchtbare [a͑qereth] des Hauses wohnen läßt; die Gemeinschaft Jisraél sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er : Herr der Welt, deine Kinder behandeln mich wie das Wiesel, das sich im Untergrund [i͑qre] der Häuser aufhält.

9Raba trug vor: Es heißt :es ist mir lieb, daß der Herr erhört; die Gemeinschaft Jisraél sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er : Herr der Welt, lieb bin ich dir dann, wenn du die Stimme meines Flehens erhörest. Ich bin arm, so hilf mir; die Gemeinschaft Jisraél sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er : Herr der Welt, bin ich auch arm an verdienstlichen Handlungen, so gehöre ich doch dir, und es geziemt, mir zu helfen.

10R. Kahana sagte: Als R. Jišma͑él b. R. Jose erkrankte, ließ Rabbi ihn bitten: Sage uns doch zwei oder drei von den Dingen, die du uns im Namen deines Vaters gesagt hast.

11Dieser ließ ihm erwidern : Folgendes sagte mein Vater. Es heißt:lobet den Herrn, alle Völker; wie kommen die weltlichen Völker dazu? Er meint es wie folgt: die weltlichen Völker sollen den Herrn loben, wegen der Großtaten und Wunder, die er ihnen erwiesen hat, und um so mehr wir, wo doch mächtig ist seine Huld über uns.

12Und noch etwas [sagte er] : Dereinst wird Miçrajim dem Messias ein Geschenk darbringen, er aber wird die Annahme verweigern wollen. Alsdann wird der Heilige, gepriesen sei er, zum Messias sprechen : Nimm es von ihnen an, denn sie haben meinen Kindern in Miçrajim Gastfreundschaft gewährt. Alsbald: Es kommen Vornehme aus Miçrajim,

13Dann wird Kuš [einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere auf sich selbst beziehen: wenn dies von Miçrajim gilt, das sie geknechtet hat, um wieviel mehr von mir, der ich sie nicht geknechtet habe. Hierauf wird der Heilige, gepriesen sei er, zu ihm sprechen: Nimm es [auch] von ihnen an. Alsbald : Κuš läßt seine Hände zu Gott eilen.

14Nun wird die ruchlose Regierung [ einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere auf sich selbst beziehen: wenn dies von diesen gilt, die nicht ihre Brüder sind, um wieviel mehr von uns, die wir ihre Brüder sind. Darauf wird der Heilige, gepriesen sei er, zu Gabriél sprechen : Bedrohe das Tier im Rohre [qane], bedrohe das Tier und eigne [qene] dir die Gemeinde.

15Eine andere Erklärung: Bedrohe das Tier im Rohre, das im Rohre wohnt, denn es heißt :es benagt ihn das Schwein aus dem Walde, und was sich auf dem Felde regt, weidet ihn ab.

16R. Ḥija b. Abba erklärte im Namen R. Joḥanans: Bedrohe das Tier, dessen sämtliche Handlungen mit einem Rohregeschrieben werden. Die Schar der Tapferen samt den Völkerkälbern; die die Tapferen wie herrenlose Kälber hinschlachteten.

17Sich niederwerfend mit Silberbarren [raçe], die die Hand nach Geld ausstrecken, ohne jedoch den Wunsch [reçon] des Gebers zu erfüllen. Er zerstreut die Völker, die Kriege lieben; was verursachte, daß Jisraél unter die Völker zerstreut wurde? Die Kriege, nach welchen sie verlangten.

18Und noch etwas ließ er ihm sagen: Dreihundertfünfundsechzig Straßen hat die große Stadt Rom, jede hat dreihundertfünfundsechzig Burgen, und jede Burg hat dreihundertfünfundsechzig Aufgänge und in jedem Aufgang ist soviel vorhanden, um die ganze Welt ernähren zu können.

19R. Jišmaél sprach zu Rabbi und, wie manche sagen, zu R. Jišmaél b. R. Jose: Für wen [ist dies alles bestimmt]? – Für dich und deine Genossen und deine ganze Gesellschaft, denn es heißt : sein Gewinn und sein Buhlerlohn soll eine heilige Gabe an den Herrn sein; man wird ihn nicht aufspeichern noch ansammeln, sondern er wird denen gehören, die vor dem Herrn sitzen &c. –

20Was heißt: nicht aufspeichern? R. Joseph lehrte : nicht aufspeichern, in einem Speicher, nicht ansammeln, in einer Schatzkammer. – Wer [gehört zu denen], die vor dem Herrn sitzen? R. Elea͑zar erwiderte:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.