Pessachim — Blatt 119b

1[diese Verse]zu wiederholen, wiederhole man sie, sie einmal zu lesen, lese man sie einmal, nachher den Segen zu sprechen, spreche man ihn. Alles nach dem Landesbrauche. Abajje sagte: Dies lehrten sie nur vom [Segen] nachher, vorher aber ist es Gebot, den Segen zu sprechen. R. Jehuda sagte nämlich im Namen Šemuéls: Über alle Gebote spreche man den Segen vor [o͑ber] ihrer Ausübung. –

2Wieso ist es erwiesen, daß o͑ber die Bedeutung ‘vor’ hat? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Es heißtda lief Aḥimaa͑ç durch die Aue und kam dem Mohren vor [vajaa͑bor]. Abajje erwiderte: Hieraus: er ging vor [a͑bar] ihnen. Manche sagen: Hieraus :vor ihnen schreitet [vajaa͑bor] ihr König, und ihr Herr an ihrer Spitze.

3Es wird gelehrt: Rabbi wiederholte manche [Verse]. R. Elea͑zar b. Proṭo fügte da manches hinzu. – Was fügte er hinzu? Abajje erwiderte: Er fügte hinzu die Wiederholung der Verse von ‘Ich danke’ab.

4R. A͑vira trug vor, zuweilen im Namen Rabhs und zuweilen im Namen R. Asis: Es heißt : das Kind wuchs heran und wurde entwöhnt. Dereinst wird der Heilige, gepriesen sei er, am Tage, an dem seine Liebe zu den Kindern Jiçḥaqs herangewachsen sein wird, den Frommen ein Festmahl bereiten. Nachdem sie gegessen und getrunken haben werden, wird man unserem Vater Abraham den Becher des Tischsegens reichen, damit er den Segen spreche.

5Er aber wird erwidern: Ich spreche nicht den Segen, denn mir entstammt Jišma͑él. Darauf wird man zu Jiçḥaq sprechen: Nimm du ihn und sprich den Segen. Er aber wird erwidern: Ich spreche nicht den Segen, denn mir entstammt E͑sav. Darauf wird man zu Ja͑qob sprechen: Nimm du ihn und sprich den Segen. Er aber wird erwidern: Ich spreche nicht den Segen, denn ich habe zwei Schwestern bei ihren Lebzeiten geheiratet, was die Tora später verboten hat.

6Darauf wird man zu Moše sprechen : Nimm du ihn und sprich den Segen. Er aber wird erwidern: Ich spreche den Segen nicht, denn mir war es weder bei Lebzeiten noch nach meinem Tode beschieden, in das Jisraélland zu kommen. Darauf wird man zu Jehošua͑ sprechen: Nimm du ihn und sprich den Segen. Er aber wird erwidern: Ich spreche nicht den Segen, denn mir war kein Sohn beschieden. (Denn es heißt: Jehošua͑, der Sohn Nuns. Sein Sohn Nun, sein Sohn Jehošua͑.)

7Darauf wird man zu David sprechen: Nimm du ihn und sprich den Segen. Er aber wird erwidern: Ich spreche den Segen und mir geziemt es, den Segen zu sprechen. Wie es heißt : ich will den Becher des Heils erheben und den Namen des Herrn anrufen.

8MAN DARF SICH NACH DEM PESAḤOPFER NICHT ZU EINEM NACHTISCH BEGEBEN.

9GEMARA. Was heißt Nachtisch? Rabh erklärte: Man darf nicht von einer Tischgesellschaft zu einer anderen gehen.

10Šemuél erklärte: Zum Beispiel Pilze für mich und junge Tauben für Abba. R. Ḥanina b.Šila und R. Joḥanan erklärten: Zum Beispiel Datteln, Rostähren und Nüsse. Übereinstimmend mit R. Joḥanan wird gelehrt: Man darf sich nach dem Pesaḥopfer nicht zum [Nachtisch] begeben, zum Beispiel Datteln, Rostähren und Nüsse.

11R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Man darf sich nach dem Ungesäuertennicht zu einem Nachtisch begeben. Wir haben gelernt: Man darf sich nach dem Pesaḥopfer nicht zum Nachtisch begeben, nach dem Pesaḥopfer nicht, wohl aber nach dem Ungesäuerten!? –

12Dies ist selbstverständlich: selbstverständlich [nicht] nach dem Ungesäuerten, das keinen intensiven Geschmack hat, man könnte aber glauben, nach dem Pesaḥopfer sei nichts dabei, da es einen intensiven Geschmack hat und sich nicht verliert, so lehrt er uns. –

13Ihm wäre eine Stütze zu erbringen. Man darf den Bauch mit Schwammkuchen, Honigkuchen und Rostkuchen füllen, nur muß man nachher ein olivengroßes Stück Ungesäuertes essen. Nur nachher

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.