Pessachim — Blatt 12b

1zwischen Tag und Nacht. Ferner sollte man ihnen eigentlich nachher mehr Spielraum geben, nur ist die Sonne in der fünften [Stunde] im Osten und in der siebenten im Westen. –

2Wir haben gelernt: R. Meír sagt, man esse [Gesäuertes] die ganze fünfte Stunde und verbrenne es bei Beginn der sechsten; R. Jehuda sagt, man esse es die ganze vierte, die fünfte befinde sich in der Schwebe, und man verbrenne es bei Beginn der sechsten.

3Sollte man doch nach der Erklärung Abajjes, nach der nach R. Meír ein Mensch sich überhaupt nicht zu irren brauche, die ganze sechste [Stunde], und nach der anderen Lesart, nach der ein Mensch sich um etwas irren könne, bis zum Schlusse der sechsten [Stunde Gesäuertes] essen dürfen!?

4Ferner sollte man nach der Erklärung Abajjes, nach der nach R. Jehuda ein Mensch sich um eine halbe Stunde irren könne, es bis zur Hälfte der sechsten [Stunde], und nach der anderen Lesart, nach der ein Mensch sich um eine Stunde und etwas irren könne, bis zum Schlusse der fünften [Stunde] essen dürfen!? –

5Abajje kann direrwidern: Die Zeugenaussage ist nur Vorsichtigen überlassen, während das Gesetz vom Gesäuerten jedem überlassen ist. –

6Sollte man doch nach der Erklärung Rabas, nach der nach R. Meír ein Mensch sich um etwas weniger als zwei Stunden irren könne, schon vom Beginn der fünften [Stunde] kein [Gesäuertes] essen dürfen!? – In der fünften [Stunde] ist die Sonne im Osten, und in der siebenten ist die Sonne im Westen. –

7Demnach sollte man es auch in der sechsten essen dürfen!? R. Ada b.Ahaba erwiderte: In der sechsten befindet sich die Sonne am Zenith. –

8Sollte man doch nach der Erklärung Rabas, nach der nach R. Jehuda ein Mensch sich um etwas weniger als drei Stunden irren könne, schon vom Beginn der vierten [Stunde] ab kein [Gesäuertes] essen dürfen!? – Wenn die Sonne in der fünften im Osten und in der siebenten im Westen ist, um wieviel wenigerin der vierten. – Demnach sollte man es auch in der fünften essen dürfen!? –

9Abajje erklärte es nach Raba: Die Zeugenaussage ist nur Vorsichtigen überlassen, während das Gesetz vom Gesäuerten jedem überlassen ist.

10Raba erklärte: Diesist überhaupt nicht der Grund R. Jehudas, er vertritt hierbei vielmehr seine Ansicht, daß die Fortschaffung des Gesäuerten nur durch Verbrennung erfolgen müsse, und die Rabbanan haben eine Stunde für das Zusammenlesen des Holzes bestimmt.

11Rabina wandte gegen Raba ein: R. Jehuda sagte: Dies nur dann, wenn die [Pflicht der] Fortschaffung noch nicht in Kraft getreten ist, ist sie aber bereits in Kraft getreten, so vernichte man es auf jede Weise!?

12Vielmehr, erklärte Raba, mit Rücksieht auf einen wolkigen Tag. – Demnach sollte man es auch in der vierten Stunde nicht essen dürfen!? R. Papa erwiderte: Die vierte ist Tischzeit für jedermann.

13Die Rabbanan lehrten: In der ersten Stunde speisen Ludim, in der zweiten speisen Räuber, in der dritten speisen Erbschafter, in der vierten speisen Arbeiter, in der fünften speisen Schriftgelehrte und in der sechsten speisen gewöhnliche Leute. –

14R. Papa sagte ja aber, in der vierten speise jedermann!? Wende es vielmehr um: in der vierten speisen gewöhnliche Leute, in der fünften speisen Arbeiter und in der sechsten speisen Schriftgelehrte. –

15[Speist man] später, so ist es ebenso, als wenn man einen Stein in einen Schlauch wirft. Abajje sagte: Dies nur, wenn man morgens nichts gekostet hat, hat man aber morgens etwas gekostet, so ist nichts dabei.

16R. Aši sagte: Wie sie über das Zeugnis streiten, so streiten sie auch über das Gesäuerte. – Selbstverständlich, das sagten wir ja eben!? – Er lehrt uns, daß unsere Erwiderungzutreffend sei und man nicht sage, daß hierüber Tannaím streiten.

17R. Šimi b. Aši sagte: Sie lehrten dies nur von dem Falle, wenn [ihre Aussagen] in der Stundenangabe abweichen, wenn aber einer sagt, vor Sonnenaufgang, und einer sagt, nach Sonnenaufgang, so ist ihr Zeugnis ungültig. – Selbstverständlich!? –

18Vielmehr, wenn einer sagt, vor Sonnenaufgang, und einer sagt, während des Sonnenaufgangs, so ist ihr Zeugnis ungültig. – Auch dies ist ja selbstverständlich!? – Man könnte glauben, ihre Aussagen stimmen überein, denn derjenige, der

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.