Pessachim — Blatt 14a
1Zwei Kühe pflügten dann auf dem Ölberge; solange beide pflügten, aß das ganze Volk [Gesäuertes]; wurde eine entfernt, befand es sich in der Schwebe; weder aßen sie es, noch verbrannten sie es; wurden beide entfernt, begann das ganze Volk, es zu verbrennen.
2R. ḤANINA DER PRIESTERPRÄSES SAGTE: NIE IN IHREM LEBEN HABEN ES DIE PRIESTER VERMIEDEN, FLEISCH, DAS AN EINER ERSTGRADIGEN UNREINHEIT UNREIN WURDE, ZUSAMMEN MIT FLEISCH, DAS AN EINER URUNREINHEIT UNREIN WURDE, ZU VERBRENNEN, OBGLEICH DADURCH DIE UNREINHEIT [DES ERSTEN] ERHÖHT WIRD.
3R. ÁQIBA FÜGTE HINZU UND SAGTE: NIE IN IHREM LEBEN HABEN ES DIE PRIESTER VERMIEDEN, ÖL, DAS [DURCH BERÜHRUNG] MIT EINEM, DER AM SELBEN TAGE UNTERGETAUCHTIST, UNTAUGLICHT WURDE, IN EINER LEUCHTE ZU BRENNEN, DIE [DURCH BERÜHRUNG] MIT EINEM LEICHENUNREINEN UNREIN WURDE, OBGLEICH DADURCH DIE UNREINHEIT [DES ERSTEN] ERHÖHT WIRD.
4R. MEÍR SAGTE: AUS IHREN WORTEN LERNEN WIR, DASS MAN AM PESAḤFESTE REINE HEBE ZUSAMMEN MIT UNREINER VERBRENNEN DÜRFE. R. JOSE ENTGEGNETE: DIES IST KEINE RICHTIGE SCHLUSSFOLGERUNG;
5R. ELIE͑ZER UND R. JEHOŠUA͑ STIMMEN ÜBEREIN, DASS MAN DIESE BESONDERS UND JENE BESONDERS VERBRENNE, UND SIE STREITEN NUR ÜBER DIE ZWEIFELHAFTE MIT DER UNREINEN: R. ELIE͑ZER SAGT, MAN VERBRENNE DIESE BESONDERS UND JENE BESONDERS, UND R. JEHOŠUA͑ SAGT, BEIDE ZUSAMMEN.
6GEMARA. Merke, Fleisch, das an einer erstgradigen Unreinheit unrein wurde, ist ja zweitgradig [unrein], und wenn man es zusammen mit Fleisch, das an einer Urunreinheit unrein wurde, verbrennt, ist es ja ebenfalls zweitgradig;
7es war zweitgradig und bleibt zweitgradig, wieso wird die Unreinheit erhöht!?
8R. Jehuda erwiderte: Hier handelt es sich um das erste des ersten; [das Fleisch] ist drittgradig, und er ist der Ansicht, man dürfe Drittgradiges zweitgradig machen. –
9Eine Speise kann ja aber keine Speise unrein machen!? Es wird nämlich gelehrt: Man könnte glauben, eine Speise könne eine Speise unrein machen, so heißt es: wenn Wasser auf Saaten kommt, und es fällt dann eines ihrer Aase darauf, so sind sie unrein; sie selbst sind unrein, nicht aber machen sie anderes ihresgleichen.
10Richtig ist es allerdings nach Abajje, welcher sagt, dies gelte nur von Profanem, Hebe und Geheiligtes aber machen sie ihresgleichen,
11ebenso auch nach R. Ada b. Ahaba, der im Namen Rabas sagte, dies gelte nur von Profanem und Hebe, Geheiligtes aber machen sie ihresgleichen,
12wie ist es aber nach Rabina zu erklären, der im Namen Rabas sagte, die Schrift spreche summarisch, ob Profanes, ob Hebe, ob Geheiligtes machen sie nicht ihresgleichen!? –
13Hier handelt es sich um den Fall, wenn am Fleische Flüssigkeit haftet, sodaß es durch die Flüssigkeit unrein wird. –
14Wieso heißt es demnach: mit Fleisch, das an einer Urunreinheit unrein wurde, es müßte ja heißen: mit Fleisch und Flüssigkeit!? – Vielmehr, zugegeben, daß nach der Tora eine Speise keine Speise unrein mache, rabbanitisch aber macht sie wohl unrein.
15R. A͑QIBA FÜGTE HINZU UND SAGTE: NIE IN IHREM LEBEN HABEN ES DIE PRIESTER VERMIEDEN &C. ZU BRENNEN. MERKE, Öl, das [durch Berührung] mit einem, der am selben Tage untergetaucht ist, untauglich wurde, ist ja drittgradig [unrein], und wenn man es in einer Leuchte, die an einem Leichenunreinen unrein wurde, brennt, wird es zweitgradig,
16somit lehrt er uns, daß man Drittgradiges zweitgradig machen dürfe, und dies ist ja dasselbe!? R. Jehuda erwiderte:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.