Pessachim — Blatt 17a

1Hierzu sagte Rabh, die Priester hätten sich geirrt!? – Dieser Einwand gilt ja nur nach Rabh, und Rabh liest ‘Flüssigkeiten des Schlachthauses’, während Flüssigkeiten des Altarsverunreinigungsfähig sind.

2Der Text. Rabh sagte, die Priester hätten sich geirrt, Šemuél sagte, die Priester hätten sich nicht geirrt.

3Rabh sagte, die Priester hätten sich geirrt, denn er fragte sie inbetreff der viertgradigen [Unreinheit] beim Geheiligten, und sie erwiderten, es sei rein.

4Šemuél sagte, die Priester hätten sich nicht geirrt, denn er fragte sie inbetreff der fünftgradigenbeim Geheiligten, und sie erwiderten, es sei rein. –

5Einleuchtend ist die Ansicht Rabhs, denn es werden auch vier [Gegenstände] aufgezählt, Brot, Gekochtes, Wein und Öl, wieso aber kommt Šemuél auf fünf!? –

6Es heißt ja nicht: sein Zipfel [samt dem Kriechtiere] berührt, sondern: und berührt mit seinem Zipfel, mit dem Zipfel, der [das Kriechtier] berührt hat. –

7Komm und höre: Da hob Ḥaggaj an und sprach: Wenn jemand, der durch eine Leiche unrein geworden ist, eines von diesen Dingen berührt, wird es dadurch unrein? Da erwiderten die Priester: Es wird unrein. Einleuchtend ist die Ansicht Šemuéls, denn wenn sie sich hierbei nicht geirrt haben, so haben sie sich auch da nicht geirrt; wieso aber haben sie sich nach Rabh da geirrt und hierbei nicht geirrt!?

8R. Naḥman erwiderte im Namen des Rabba b. Abuha: Sie waren kundig in der Unreinheit des Leichnams, sie waren aber nicht kundig in der Unreinheit des Kriechtieres.

9Rabina erwiderte: Da handelt es sich um die viertgradige [Unreinheit], hierbei aber um die drittgradige. –

10Komm und höre: Da hob Ḥaggaj an und sprach: So verhält es sich mit diesem Volke und mit dieser Nation vor mir, Spruch des Herrn, so auch mit allem Tun ihrer Hände: was sie mir dort als Opfer darbringen, ist unrein. Erklärlich ist es nach Rabh, daß es unreinheißt, wieso aber war es nach Šemuél unrein!? –

11Er sagte es nur in Frageform. – Es heißt ja aber: so auch mit allem Tun ihrer Hände!? Mar Zuṭra, nach anderen, R. Aši, erwiderte: Da ihre Handlungen [später] ausarteten, rechnete es ihnen die Schrift an, als hätten sie [Opfer] in Unreinheit dargebracht.

12Der Text. Rabh liest‘Flüssigkeiten des Schlachthauses’, Levi liest ‘Flüssigkeiten des Altars’.

13Allerdings kann diesnach Levi vorkommen, falls er der Ansicht Šemuéls ist, welcher sagt, sie seien rein, indem sie anderes nicht unrein machen, sie selbst aber seien verunreinigungsfähig, wenn sienämlich sämtlich mit der ersten Unreinheit in Berührung gekommen sind;

14wieso aber kann dies vorkommen, falls er der Ansicht Rabhs ist, welcher sagt, sie seien auch an sich rein!? – Er muß also durchaus der Ansicht Šemuéls sein. –

15Einleuchtend ist es, wenn Šemuél der Ansicht Rabhs ist, der ‘Flüssigkeiten des Schlachthauses’ liest, während Flüssigkeiten des Altars anderes unrein machen, demnach kann Viertgradiges nicht Fünftgradiges machen, wohl aber kann Drittgradiges Viertgradiges machen,

16weshalb aber begründet er, falls er der Ansicht Levis ist, der ‘Flüssigkeiten des Altars’ liest, weil Viertgradiges nicht Fünftgradiges machen könne, auch Zweitgradiges kann ja nicht Drittgradiges machen!? – Er muß also durchaus der Ansicht Rabhs sein.

17Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit Rabh, und es gibt eine Lehre übereinstimmend mit Levi. Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit Levi: Wenn Blut, Wein, Öl, Wasser oder Flüssigkeiten des Altars innerhalb [des Tempelhofes] unrein und hinausgebracht worden sind, so sind sie rein; wenn sie außerhalb unrein und hineingebracht worden sind, so sind sie verunreinigend. –

18Dem ist ja aber nicht so, R. Jehošua͑ b. Levi sagte ja, sie sagten von Flüssigkeiten des Altars, daß sie rein seien, nur an ihrem Orte; dies schließt wohl [den Fall] aus, wenn sie innerhalb unrein und hinausgebracht worden sind!? – Nein, [den Fall,] wenn sie außerhalb unrein und hineingebracht worden sind. –

19Es heißt ja aber: nur an ihrem Orte!? – Er meint es wie folgt: sie sagten, daß sie rein seien, nur wenn sie an ihrem Orte unrein geworden sind.

20Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit Rabh: Wenn Blut, Wasser oder Flüssigkeiten des Schlachthauses unrein geworden sind, ob in Gefäßen oder auf dem Boden, so sind sie rein;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.