Pessachim — Blatt 17b
1R. Šimo͑n sagt, in Gefäßen seien sie unrein, auf dem Boden seien sie rein.
2R. Papa sagte: Selbst nach demjenigen, welcher sagt, die Verunreinigungsfähigkeit der Flüssigkeiten sei aus der Tora, ist esvon den Flüssigkeiten des Schlachthauses eine überlieferte Lehre. R. Hona, Sohn des R. Nathan, sprach zu R. Papa: R. Elea͑zar sagte, für die Unreinheit von Flüssigkeiten gebe es [in der Tora] keinen Anhalt, und dies sei zu beweisen aus dem, was Joseph b. Joe͑zer aus Çereda bekundet hat, daß nämlich Flüssigkeiten des Schlachthauses rein seien.
3Wieso ist es hieraus zu beweisen, wenn es sogar inbetreff dieser eine überlieferte Lehre ist!?
4Rabina sprach zu R. Aši: R. Šimo͑n ist ja der Ansicht, die Verunreinigungsfähigkeit von Flüssigkeiten sei aus der Tora, denn es wird gelehrt, R. Jose und R. Šimo͑n sagen, sie seien für Geräte rein und für Speisen unrein,
5und hier sagt R. Šimo͑n, sie seien in Gefäßen unrein und auf dem Boden rein. Welchen Unterschied gibt es denn, wenn dies eine [überlieferte] Lehre ist, ob in einem Gefäße oder auf dem Boden!? – Dies ist ein Einwand.
6R. Papa sagte: Das, was du sagst, auf dem Boden seien sie rein, lehrten sie nur vom Wasser, vom Blute aber nicht.
7Und auch vom Wasser gilt es nur dann, wenn es ein Viertellog ist, sodaß es zum Untertauchen von Näh- und Stricknadeln verwendbar ist, weniger als ein Viertellog aber ist es verunreinigungsfähig.
8Der Meister sagte: R. Jehuda sagt, sie seien in jeder Hinsicht unrein. R. Jehuda ist somit der Ansicht, die Verunreinigungsfähigkeit von Flüssigkeiten, die Unreinheit auf Geräte zu übertragen, sei aus der Tora.
9Es wird ja aber gelehrt: Wenn an Geräten, die eine Außenseite und eine Innenseitehaben, wie Kissen, Polster, Säcke und Ledersäcke, die Innenseite unrein wird, so ist auch die Außenseite unrein, wenn die Außenseite, so ist die Innenseite nicht unrein.
10R. Jehuda sagte: Diese Worte gelten nur, wenn sie durch Flüssigkeiten unrein wurden, wenn sie aber durch ein Kriechtier unrein wurden, so ist, wenn die Innenseite unrein wird, auch die Außenseite unrein, und wenn die Außenseite unrein wird, auch die Innenseite unrein.
11Welchen Unterschied gibt es denn, wenn du sagst, die Verunreinigungsfähigkeit von Flüssigkeiten, die Unreinheit auf Geräte zu übertragen, sei aus der Tora, zwischen der Verunreinigung durch eine Flüssigkeit und der Verunreinigung durch ein Kriechtier!? R. Jehuda erwiderte im Namen Šemuéls: R. Jehuda ist davonabgekommen.
12Rabina erwiderte: Tatsächlich ist er davon nicht abgekommen, vielmehr gilt das eine von Flüssigkeiten, die durch die Hände unrein wurden, und das eine von Flüssigkeiten, die durch ein Kriechtier unrein wurden. –
13Wozu lehrt er demnach, diese Worte gelten nur, wenn sie durch Flüssigkeiten unrein wurden, er sollte ja den Unterschied bei den [Flüssigkeiten] selbst machen: dies nur, wenn die [verunreinigenden] Flüssigkeiten durch die Hände unrein wurden, wenn sie aber durch ein Kriechtier unrein wurden, so ist, wenn die Innenseite unrein wird, auch die Außenseite unrein, und wenn die Außenseite unrein wird, auch die Innenseite unrein!? – Am richtigsten ist es vielmehr, wie wir zuerst erwidert haben, R. Jehuda sei davon abgekommen.
14Sie fragten: Ist er davon abgekommen nur bei Geräten, bei Speisen aber ist er der Ansicht R. Josesund R. Šimo͑ns, oder ist er davon vollständig abgekommen, nach der AnsichtR. Meírs?
15R. Naḥman b. Jiçḥaq er widerte: Komm und höre: Wenn eine Kuh vom Entsündigungswasser getrunken hat, so ist ihr Fleischunrein; R. Jehuda sagt,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.