Pessachim — Blatt 18a
1es verliere sich in ihren Därmen. Wieso verliert es sich vollständig in ihren Därmen, wenn du sagst, er sei davon abgekommen nur bei Geräten, bei Speisen aber sei er der Ansicht R. Joses und R. Šimo͑ns,
2es sollte ja, wenn auch keine schwere Unreinheit, immerhin eine leichte Unreinheit übertragen!? –
3Unter ‘es verliere sich in ihren Därmen’ ist auch zu verstehen, es übertrage keine schwere Unreinheit, wohl aber eine leichte Unreinheit. – Demnach wäre der erste Tanna der Ansicht, es übertrage eine schwere Unreinheit, während er ja sagt, [nur] ihr Fleisch sei unrein!? –
4Die ganze Lehre vertritt die Ansicht R. Jehudas, nur ist sie lückenhaft und muß wie folgt lauten: Wenn eine Kuh vom Entsündigungswasser getrunken hat, so ist ihr Fleisch unrein; aber nur eine leichte Unreinheit und keine schwere Unreinheit, denn R. Jehuda ist der Ansicht, es verliere sich in ihren Därmen.
5R. Aši erwiderte: Tatsächlich verliert es sich vollständig in den Därmen, denn es isteine stinkige Flüssigkeit.
6«R. Jose und R. Šimo͑n sagen, sie seien für Speisen unrein und für Geräte rein.» Rabba b.Bar Ḥana sagte im Namen des Reš Laqiš: R. Jose sagte dies nach der Ansicht seines Lehrers R. A͑qiba, der das Wort unrein auslegt.
7Wir haben nämlich gelernt: An jenem Tagetrug R. A͑qiba vor: Jedes irdene Gefäß, [in dessen Inneres] etwas von ihnen hineinfällt &c.; es heißt nicht ist unrein, sondern seiunrein, daß es nämlich anderes unrein mache; dies lehrt, daß bei Profanem ein zweitgradig unreines Brot drittgradig mache.
8Hierbei legt [R. Jose] es wie folgt aus: Jedes Getränk, das in irgend einem Gefäße getrunken wird, sei unrein; unrein, um Speisen unrein zu machen. – Du sagst, um Speisen unrein zu machen, vielleicht ist dem nicht so, sondern um Flüssigkeiten unrein zu machen!? – Ich will dir sagen, so verhält es sich nicht. –
9Was heißt: so verhält es sich nicht? R. Papa erwiderte: Wir finden nicht, daß Unreines seinesgleichen mache.
10Rabina erklärte: Auch aus dem Schriftverse selbst [geht hervor], daß sich die Unreinheit nicht auf Flüssigkeiten beziehen könne. Wollte man sagen, das zweite unrein beziehe sich auf Flüssigkeiten, so sollte, da das erste unrein sich ebenfalls auf Flüssigkeiten bezieht, [der Schriftvers] summarisch folgenderweise lauten: Jede Art Speise, die gegessen wird, an die Wasser kommt, und jedes Getränk, das in irgend einem Gefäße getrunken wird, sei unrein;
11wenn aber zweimal unrein steht, so bezieht sich das erste unrein auf die Verunreinigung von Flüssigkeiten und das zweite unrein auf die Verunreinigung von Speisen. –
12Vielleicht aber auf die Verunreinigung von Geräten!? – Hinsichtlich dieser ist es [durch einen Schluß] vom Schwereren auf das Leichtere zu folgern: wenn das Gerät, das Flüssigkeiten unrein macht, keine Geräte unrein macht, um wieviel weniger machen Flüssigkeiten, die es erst durch das Gerät werden, Geräte unrein. –
13Vielleicht machen nur Flüssigkeiten, die durch das Gefäß [unrein] wurden, keine [Geräte] unrein, wohl aber machen Flüssigkeiten, die durch ein Kriechtier unrein wurden, sie unrein!? – Spricht denn die Schrift von Flüssigkeiten, die durch ein Kriechtier unrein wurden!?
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.