Pessachim — Blatt 18b

1Hinsichtlich dieses wird es vielmehr [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere gefolgert: wenn Flüssigkeiten, die erst durch das Gefäß unrein werden, verunreinigend sind, um wieviel mehr Flüssigkeiten, die durch das Kriechtier selbst unrein werden,

2und es genügt daher, wenn das durch einen Schluß Gefolgerte dem gleicht, wovon gefolgert wird. –

3Wie erklärt [R. A͑qiba] das erste unrein? – Jede Art Speise, die gegessen wird, an die Wasser gekommen ist, sei unrein; unrein, um Flüssigkeiten unrein zu machen. – Du sagst, um Flüssigkeiten unrein zu machen, vielleicht ist dem nicht so, sondern um Geräte unrein zu machen!? –

4Ich will dir sagen, hinsichtlich dieser ist es [durch einen Schluß] vom Schwereren auf das Leichtere zu folgern: wenn Flüssigkeiten, die Speisen unrein machen, keine Geräte unrein machen, um wieviel weniger macht eine Speise, die keine Speise unrein macht, Geräte unrein. Wieso aber halte ich [das Wort] unrein aufrecht? Daß sie Flüssigkeiten unrein machen, die Unreinheit anzunehmen veranlagt sind. –

5Wozu deshalb, weil sie Unreinheit anzunehmen veranlagt sind, es genügt ja schon der Umstand, daß es sonst nichts anderesgibt!? –

6Er meint es wie folgt: wolltest du erwidern, [die Unreinheit] von Speisen sei schwerer, da sie Flüssigkeiten unrein machen, somit machen sie auch Geräte unrein, so ist dieseine Erschwerung der Flüssigkeiten, weil sie Unreinheit anzunehmen veranlagt sind. –

7Worin besteht ihre Veranlagung? – Sie nehmen Unreinheit an, ohne dafür besonders empfänglich gewordenzu sein. –

8Braucht denn hieraus entnommen zu werden, daß nichts seinesgleichen [unrein] mache, dies wird ja aus folgendem entnommen: Wenn Wasser auf Saaten kommt und eines ihrer Aase darauf fällt, so sind sei unrein; sie selbst sind unrein, machen aber nicht anderes ihresgleichen!? – Eines bezieht sich auf Flüssigkeiten, die durch ein Kriechtier [unrein] wurden, und eines auf Flüssigkeiten, die es durch ein Gerät wurden.

9Und beides ist nötig. Würde er es nur von Flüssigkeiten gelehrt haben, die durch ein Gerät [unrein] wurden, [so könnte man glauben,] weil [ihre Unreinheit] keine schwere ist, Flüssigkeiten aber, die durch ein Kriechtier [unrein] wurden, [deren Unreinheit] schwerer ist, machen anderes ihresgleichen. –

10Sollte er es nur von Flüssigkeiten lehren, die durch ein Kriechtier [unrein] wurden, und umsomehr Flüssigkeiten, die durch ein Gerät [unrein] wurden!? – Die Schrift bemüht sich auch das zu schreiben, was [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern wäre.

11Rabina sprach zu R. Aši: Raba sagte ja aber, daß weder R. Jose der Ansicht R. A͑qibas,

12noch R. A͑qiba der Ansicht R. Joses ist!?

13Dieser erwiderte: R. Jose sagte es nur nach der Ansicht seines Lehrers R. A͑qiba, er ist aber nicht dieser Ansicht.

14R. Aši sprach zu R. Kahana: Allerdings ist R. Jose nicht der Ansicht R. A͑qibas, denn es wird gelehrt:R. Jose sagte: Woher, daß bei Geheiligtem das Viertgradige untauglich ist?

15Dies ist durch einen Schluß zu folgern: wenn der der SühneErmangelnde, dem die Hebe erlaubt ist, für das Geheiligte untauglich ist, um wieviel mehr macht das Drittgradige, das bei der Hebe untauglich ist, beim Geheiligten viertgradig.

16Wir wissen dies bezüglich des Geheiligten vom Drittgradigen aus der Tora und vom Viertgradigen aus [einem Schlusse] vom Leichteren auf das Schwerere.

17Vom Drittgradigen aus der Tora, denn es heißt: das Fleisch, das etwas Unreines berührt, darf nicht gegessen werden,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.