Pessachim — Blatt 26a
1aber auch Raba kann dir erwidern: nur erschwerend sagt R. Jehuda, unbeabsichtigt sei es ebenso wie beabsichtigt, nicht aber erleichternd.
2Abajje sagte: Dies entnehme ich aus folgender Lehre: Man erzählt von R. Joḥanan b. Zakkaj, daß er den ganzen Tag im Schatten des Tempelssaß und vortrug. Hierbei war [die Abwehr] nicht möglich, und er hatte es beabsichtigt, und es war erlaubt. –
3Und Raba!? – Er kann dir erwidern: anders ist es beim Tempel, der nur wegen des Innenraumes errichtet ist.
4Raba sagte: Dies entnehme ich aus folgender Lehre: Der Söller des Allerheiligsten hatte Luken, durch die man die Arbeiter in Kästen hinunterließ, damit sich ihre Augen nicht [am Glanze] des Allerheiligsten weiden. Hierbei war ja [die Abwehr] nicht möglich, und da es beabsichtigt war, war es verboten. –
5Glaubst du? R. Šimo͑n b. Pazi sagte ja im Namen des R. Jeḥošua͑ b.Levi im Namen Bar Qapparas, bei Getön, Gesicht und Geruch gebe es keine Veruntreuung!? Vielmehr ist dies nichts weiter, als eine Superiorität, die sie dem Allerheiligsten angedeihen ließen.
6Manche lesen: Raba sagte: Dies entnehme ich aus folgender Lehre: R. Šimo͑n b.Pazi sagte im Namen des R. Jehošua͑ b.Levi im Namen Bar Qapparas: Bei Getön, Gesicht und Geruch gibt es keine Veruntreuung. Nur eine Veruntreuung gibt es dabei nicht, wohl aber ist [der Genuß derselben] verboten.
7Doch wohl für diejenigen, die sich innerhalb befinden, sodaß [die Abwehr] nicht möglich ist, und es ist, da man es beabsichtigt, verboten. – Nein, für diejenigen, die sich außerhalb befinden.
8Der Text. R. Šimo͑n b. Pazi sagte im Namen des R. Jehošua͑ b. Levi im Namen Bar Qapparas: Bei Getön, Gesicht und Geruch gibt es keine Veruntreuung. – Gibt es denn beim Geruche keine Veruntreuung, es wird ja gelehrt: Wer das Räucherwerkzubereitet, um es zu lernen, oder um es der Gemeinde zu überlassen, ist frei, wenn aber, um daran zu riechen, so ist er schuldig; wer daran riecht, ist frei, nur hat er eine Veruntreuung begangen!?
9Vielmehr, sagte R. Papa, bei Getön und Gesicht gibt es keine Veruntreuung, weil an diesen nichts Wesenhaftes ist; beim Geruche gibt es, nachdem der Brodem aufgestiegen ist, keine Veruntreuung, da damit das Gebot bereits ausgeübt worden ist. –
10Demnach gibt es bei Dingen, mit denen das Gebot bereits ausgeübt worden ist, keine Veruntreuung; aber bei der Abhebung der Asche, wobei das Gebot bereits ausgeübt worden ist, gibt es ja eine Veruntreuung, denn es heißt:er lege sie neben den Altar, er darf sie weder fortstreuen noch benutzen!? –
11Vom Abheben der Asche und von den Priestergewändern lehren zwei Schriftverse dasselbe, und wenn zwei Schriftverse dasselbe lehren, so ist von diesen nichts zu entnehmen.
12Vom Abheben der Asche, wie wir eben gesagt haben, und von den priesterlichen Gewändern heißt es:er lege sie da nieder, und dies lehrt, daß sie verwahrt werdenmüssen. –
13Allerdings nach den Rabbanan, welche sagen, dies lehre, daß sie verwahrt werden müssen, wie ist es aber nach R. Dosa zu erklären, der gegen sie streitet und sagt, sie seien für einen gemeinen Priester verwendbar, und [die Worte] er lege sie da nieder, besagen, daß er sie nicht an einem folgenden Versöhnungstage benutzen dürfe!? –
14Vielmehr, vom Abheben der Asche und vom genickbrochenen Kalbelehren zwei Schriftverse dasselbe, und wenn zwei Schriftverse dasselbe lehren, so ist von diesen nichts zu entnehmen. –
15Allerdings nach demjenigen, welcher sagt, es sei nicht zu entnehmen, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, es sei wohl zu entnehmen!? – Bei diesen sind zwei Ausschließungen vorhanden; hierbei heißt es: er lege sie, und dortheißt es: dem das Genick gebrochen wurde. –
16Komm und höre: Wenn man esin das Gespann gebrachtund es mitgedroschen hat, so ist es tauglich; wenn aber, damit es saugen und auch dreschen soll, so ist es untauglich.
17Hierbei ist ja [die Abwehr] nicht möglich, und es erfolgt absichtlich, und er lehrt, es sei untauglich!? – Anders ist es hierbei, wo es heißt:mit dem noch nicht gearbeitet worden ist, in keiner Weise. –
18Demnach sollte dies auch vom Anfangssatze gelten!? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.