Pessachim — Blatt 38b
1ihr sollt das Ungesäuerte hüten, nur das, was als Ungesäuertes zu hüten ist, ausgenommen diese, die nicht als Ungesäuertes, sondern als Opfer zu hüten sind.
2R. Joseph erklärte: Die Schrift sagt: sieben Tage sollt ihr Ungesäuertes essen, nur Ungesäuertes, das sieben Tage zu essen ist, ausgenommen diese, die nicht sieben Tage, sondern nur einen Tag und eine Nacht zu essensind.
3Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit Rabba, und es gibt eine Lehre übereinstimmend mit R. Joseph. Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit Rabba: Man könnte glauben, man genüge seiner Pflicht mit den Broten des Dankopfers und den Fladen des Naziräers, so heißt es: ihr sollt das Ungesäuerte hüten, nur das, was als Ungesäuertes zu hüten ist, ausgenommen diese, die nicht als Ungesäuertes, sondern als Opfer zu hüten sind.
4Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit R. Joseph: Man könnte glauben, man genüge seiner Pflicht mit den Broten des Dankopfers und den Fladen des Naziräers, so heißt es: sieben Tage sollt ihr Ungesäuertes essen, nur Ungesäuertes, das sieben Tage zu essen ist, ausgenommen diese, die nicht sieben Tage, sondern nur einen Tag und eine Nacht zu essen sind. –
5Dies ist ja aus [den Worten] Brot des Elends zu entnehmen, das in Trauer gegessen werden darf, ausgenommen diese, die in Trauer nicht gegessen werden dürfen, sondern nur in Freude!? –
6Er ist der Ansicht R. A͑qibas, welcher sagt, die Lesart o͑ni[sei zu berücksichtigen]. –
7Es sollte doch schon aus dem Grunde [verboten] sein, weil es ‘reichesUngesäuertes’ ist!?
8[R. ] Šemuél b. R. Jiçḥaq erwiderte: Zu diesen wird nur ein Viertellog [Öl] verwendet, das auf so und so viele Brote verteilt wird. –
9Es sollte doch schon aus dem Grande [verboten] sein, weil sie nicht in allen Wohnorten gegessen werden dürfen!?
10Reš Laqiš erwiderte: Dies besagt eben, daß die Brote des Dankopfers und die Fladen des Naziräers auch in Nob und Gibo͑ngegessen werden durften.
11Es wird gelehrt: R. Ile͑aj erzählte: Ich fragte R. Eliezer, ob man seiner Pflicht mit den Broten des Dankopfers und den Fladen des Naziräers genüge, und er erwiderte mir, er habe darüber nichts gehört. Darauf kam ich zu R. Jehošua͑ und fragte es ihn, und er erwiderte mir: Sie sagten, mit den Broten des Dankopfers und den Fladen des Naziräers, die man für sich gemacht hat, genüge man seiner Pflicht nicht, und mit denen, die man für den Marktverkauf gemacht hat, genüge man seiner Pflicht.
12Als ich zu R. Elie͑zer kam und ihm diese Worte unterbreitete, sprach er zu mir: Beim Bündnis, es sind die Worte, die Moše am Sinaj gesagt worden sind. Manche lesen : Beim Bündnis, sind es denn Worte, die Moše am Sinaj gesagt worden sind, die keiner Begründung benötigen!? –
13Was ist der Grund? Raba erwiderte: Wenn man sie für den Marktverkauf macht, so rechnet man damit, indem man sich sagt: verkaufe ich sie, so sind sie verkauft, verkaufe ich sie nicht, so genüge ich mit ihnen meiner Pflicht.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.