Pessachim — Blatt 39a

1MIT FOLGENDEN KHÄUTERN GENÜGT MAN SEINER PFLICHT AM PESAḤFESTE: MIT LATTICH, MEERRETTICH, MIMOSE, ENDIVIEN UND BITTERKRAUT. MIT DIESEN GENÜGT MAN SEINER PFLICHT, EINERLEI, OB FRISCH ODER GETROCKNET, NICHT ABER EINGELEGT, GEDÜNSTET ODER GEKOCHT.

2SIE WERDEN ZUSAMMEN ZUM OLIVENQUANTUM VEREINIGT. MAN GENÜGT SEINER PFLICHT AUCH MIT DEM STRUNKE; FERNER AUCH MIT DEMAJ, ERSTEM ZEHNTEN, VON DEM DIE HEBE ABGESONDERT WURDE, UND ZWEITEM ZEHNTEN UND HEILIGENGUT, DIE AUSGELÖST WURDEN.

3GEMARA. Lattich: Ḥasa, Endivien: Hindabi. Meerrettich. Rabba b. Bar Ḥana sagte, es heiße Tamkhata. Mimose. R. Šimo͑n b. Laqiš sagte: Palmengeschlinge. Bitterkraut: Bitterblätter.

4Bar Qappara lehrte: Mit folgenden Kräutern genügt man seiner Pflicht am Pesaḥfeste: mit Endivien, Meerrettich, Ḥarḥalin, Mimose und Lattich; R. Jehuda sagt, auch mit Feldendivien, Gartenendivien und Lattich. –

5Gartenendivien und Lattich werden ja schon im Anfangssatze genannt!? – Er meint es wie folgt: auch mit Feldendivien, wie mit Gartenendivien und Lattich. R. Meír sagt, auch mit Savas, Ṭura und MarJula. R. Jose sprach zu ihm: Savas und Ṭura ist eins und dasselbe, und Mar ist Jula.

6In der Schule Šemuéls wurde gelehrt: Mit folgenden Kräutern genügt man seiner Pflicht am Pesaḥfeste: mit Lattich, Endivien, Meerrettich, Mimose, Origanon und Oleanderkraut; R. Jehuda sagt, ebenso mit Lattich und Feldlattich.

7R. Ilea͑ sagte im Namen R. Elie͑zers: Auch mit Skorpionkraut. Ich suchte jedoch unter all seinen Schülern einen Genossen fand aber keinen; als ich aber vor R. Elie͑zer b. Ja͑qob kam, stimmte er mir bei.

8R. Jehuda sagte: Alles, was einen [Milch]saft hat. R. Joḥanan b.Beroqa sagte: Alles, was ein blasses Aussehen hat. Andere sagen, jedes Bitterkraut müsse einen [Milch]saft und ein blasses Aussehen haben. R. Joḥanan sagte: Aus den Worten von all diesen [Tannaím] ist zu entnehmen, daß das Bitterkraut einen [Milch]saft und ein blasses Aussehen habe. R. Hona sagte: Die Halakha ist wie die Anderen.

9Rabina traf R. Aḥa, den Sohn Rabas, nach Bitterkraut suchen; da sprach er zu ihm: Wohl deshalb, weil dieses bitterer ist, aber unsere Mišna nennt ja Lattich [zuerst]. Ebenso wurde in der Schule Šemuéls Lattich [zuerst] genannt. Ferner sagte R. Oša͑ja, Lattich sei bevorzugter. Ferner sagte Raba: Lattich sei Ḥasa,

10und Ḥasa deshalb, weil der Allbarmherzige uns schont [ḥas]. Ferner sagte R. Šemuél b.Naḥmani im Namen R. Jonathans: Die Miçrijim werden deshalb mit Lattich und Bitterkraut verglichen, um dir zu sagen: wie Lattich zuerst milde und nachher herb ist, ebenso waren die Miçrijim zuerst milde und nachher herb. Dieser erwiderte: Ich trete zurück.

11R. Riḥumi sprach zu Abajje: Woher, daß als Bitterspeise ein Kraut erforderlich ist, vielleicht die Galle eines Kuphja!? – Gleich dem Ungesäuerten: wie das Ungesäuerte ein Bodenerzeugnis ist, ebenso muß auch das Bittere ein Bodenerzeugnis sein. – Vielleicht der Oleander? – Es muß dem Ungesäuerten gleichen: wie das Ungesäuerte zu den Saaten gehört, ebenso muß das Bittere zu den Saaten gehören. –

12Vielleicht Harzipho? – Es muß dem Ungesäuerten gleichen: wie das Ungesäuerte für Geld vom [zweiten] Zehnten gekauft werden darf, ebenso muß das Bittere für Geld vom [zweiten] Zehnten gekauft werden dürfen.

13Rabba b. R. Ḥanin sprach zu Abajje: Vielleicht ist nur eine Art dieser Bitterkräuter zulässig!? – Es heißt: Bitterkräuter. – Vielleicht nur zwei Arten Bitterkräuter!? – Gleich dem Ungesäuerten: wie das Ungesäuerte aus verschiedenen Arten, ebenso auch das Bitterkraut aus verschiedenen Arten.

14Rabba b. R. Hona sagte im Namen Rabhs: Die Kräuter, von denen die Weisen gesagt haben, man genüge mit ihnen seiner Pflicht am Pesaḥfeste, dürfen sämtlich auf einem Beete gesäet werden. – Demnach hat bei diesen das Gesetz von der Mischfrucht keine Geltung,

15dagegen wandte Raba ein: Lattich mit wildem Lattich, Endivien mit wilden Endivien, Lauch mit wildem Lauch, Koriander mit wildem Koriander, Senf mit ägyptischem Senf, und der ägyptische Kürbis mit dem bitteren Kürbis sind miteinander keine Mischfrucht. Nur Lattich mit wildem Lattich, nicht aber Lattich mit Endivien!?

16Wolltest du sagen, er meine alle zusammen, so sagte ja Rabh, er lehre sie paarweise!? –

17Unter säen, von dem Rabh spricht, ist zu verstehen, man dürfe sie nur nach Vorschrift säen. – Dies haben wir ja gelernt:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.