Pessachim — Blatt 3b

1wegen der Kinder der nötig. –

2Es heißt ja aber:sie ritt auf einem Esel!? – Da geschah es wegen ihrer Angst vor der Nacht. Wenn du willst, sage ich: da war es nicht die Angst vor der Nacht, sondern die Angst vor David. Wenn du aber willst, sage ich: auch nicht die Angst vor David, sondern die Angst vor dem Berge. –

3Kommt denn in der Tora nicht [das Wort] ‘unrein’ vor!? – Vielmehr, wenn sieeinander gleichen, wird ein euphemistischer Ausdruck gebraucht, wenn aber viele Worte erforderlich sind, wird [auch] der kürzere gebraucht. So sagte R. Hona im Namen Rabhs, und wie manche sagen, R. Hona im Namen Rabhs im Namen R. Meírs, daß man seinen Schüler stets in kürzester Fassung lehre. –

4Wieso wählt er einen euphemistischen Ausdruck, wenn sie einander gleichen, auch ‘reiten’ und ‘sitzen’ gleichen ja einander, dennoch wird ‘reiten’ gebraucht!? – Es heißt r i t t.

5Einst saßen zwei Jünger vor Rabh, und der eine sprach: Du machtest uns diese Lehre wie ein gespicktesSchwein. Da sprach der andere: Du machtest uns diese Lehre wie ein gespicktes Böckchen. Darauf sprach Rabh nicht mehr mit jenem.

6Einst saßen zwei Jünger vor Hillel, von denen einer R. Joḥanan b. Zakkaj war, und manche sagen, vor Rabbi, von denen einer R. Joḥanan war. Da trug einer vor: Weshalb muß das Winzern in Reinheiterfolgen und braucht das Olivenpflücken nicht in Reinheitzu erfolgen? Hierauf trug der andere vor: Weshalb muß das Winzern in Reinheit erfolgen und darf das Olivenpflücken auch in Unreinheit erfolgen? Da sprach jener: Ich bin dessen sicher, daß dieser Rechtsentscheidungen in Jisraél treffen wird. Kaum waren wenige Tage verstrichen, als er Rechtsentscheidungen in Jisraél traf.

7Einst trafen drei Priester zusammen, da sagte der eine: Ich bekam [vom Schaubrote] soviel, wie eine Bohne. Der andere sagte: Ich bekam davon soviel, wie eine Olive. Der dritte sagte: Ich bekam davon soviel, wie ein Eidechsenschwanz. Als man hierauf über ihn Untersuchungen anstellte, fand man an ihm den Makel der Illegitimität. –

8Wir haben ja aber gelernt, man untersuche nicht über den Altarhinaus!? –

9Sage nicht: Makel der Illegitimität, sondern: Makel der Frivolität. Wenn du willst, sage ich: anders war es bei diesem, da er selbst es verschuldet hatte.

10Einst sprach ein Nichtjude, der nach Jerušalem zu gehen und da vom Pesaḥopfer zu essen pflegte, es heißt:kein Fremdling darf davon essen, ferner: kein Unbeschnittener darf davon essen, und ich esse vom Allerschönsten.

11Da sprach R. Jehuda b.Bethera zu ihm: Geben sie dir auch vom Fettschwanze!? Dieser erwiderte: Nein. – Wenn du hingehst, sage ihnen, daß sie dir vom Fettschwanze geben. Als er da hinkam und von ihnen vom Fettschwanze verlangte, erwiderten sie ihm: Der Fettschwanz wird dem Höchsten geopfert.

12Hierauf fragten sie ihn, wer ihm davon gesagt habe, und er erwiderte ihnen: R. Jehuda b.Bethera. Da sprachen sie: Welches Bewenden hat es damit? Hierauf stellten sie über ihn eine Untersuchung an, und als sich herausstellte, daß er Nichtjude war, töteten sie ihn. Alsdann ließen sie R. Jehuda b. Bethera sagen: Friede mit dir, R. Jehuda b.Bethera; du weilst in Nezibis und in Jerušalem ist dein Netz ausgebreitet.

13Als R. Kahana erkrankte, sandten die Rabbanan R. Jehošua͑, den Sohn des R. Idi, indem sie zu ihm sprachen: Geh und untersuche, wie es mit ihm steht. Als er zu ihm kam, war seine Seele zur Ruhe eingekehrt. Da zerriß er sein Gewand, wandte den Riß nach hinten und kehrte weinend zurück. Da fragten sie ihn: Ist seine Seele zur Ruhe eingekehrt? Dieser erwiderte: Ich habe nichts gesagt.Wer üble Rede verbreitet, ist ein Tor.

14Joḥanan aus Ḥiqoq ging einst auf die Dörfer hinaus, und als er zurückkam, fragten sie ihn, ob der Weizen gut geraten sei. Dieser erwiderte: Die Gerste ist gut geraten. Da sprachen sie zu ihm: Geh, verkünde dies den Pferden und den Eseln, denn es heißt:die Gerste und das Stroh für die Pferde und die Rennpferde. – Was sollte er ihnen erwiderthaben? – Im Vorjahre war der Weizen besser. Oder: Linsen sind gut geraten.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.