Pessachim — Blatt 42b
1aus Semmelmehl; fettes Fleisch, von einer Ziege, die noch nicht geworfen hat; alter Wein, sehr alt.
2Alles, was für dieses zuträglich, ist für jenes abträglich, und was für dieses abträglich, ist für jenes zuträglich; ausgenommen feuchter Ingwer, langer Pfeffer, feines Brot, fettes Fleisch und alter Wein, die für den ganzen Körper zuträglich sind.
3MEDISCHER MET. Weil diesem Gerstensaft beigegeben wird.
4EDOMITISCIIER ESSIG. Weil darin Gerste hineingetan wird.
5R. Naḥman b.Jiçḥaq sagte: Früher, als noch [Wein für] Gußopfer von Judäa geholt wurde, wurde der judäische Wein nicht eher sauer, als bis man Gerste hineintat; diesen nannte man schlechthin Essig.
6Jetzt aber wird der edomitische Wein nicht eher sauer, als bis man Gerste hineintut; diesen nennt man edomitischen Essig. Zur Bestätigung dessen, was [in der Schrift] gesagt wird:ich werde voll, sie verödet; ist diese voll, so verödet jene, ist jene voll, so verödet diese. R. Naḥman b. Jiçḥaq entnimmt dies aus folgendem : Ein Stamm wird dem anderen überlegen sein.
7Es wird gelehrt: R. Jehuda sagte: Früher brauchte man, wenn man Essig von einem Manne aus dem gemeinen Volke kaufte, ihn nicht zu verzehnten, weil er sicher nur aus Lauerwein hergestellt wurde; jetzt aber muß man, wenn man Essig von einem Manne aus dem gemeinen Volke kauft, ihn verzehnten, weil er sicher nur aus Wein hergestellt wird. —
8R. Jehuda ist demnach der Ansicht, der Lauerwein sei nicht zu verzehnten, und [dem widersprechend] wird gelehrt, daß, wenn jemand Lauerwein bereitet, er, wenn er das Wasser nach Maß hineingetan und dasselbe Maß gefunden hat, [zehnt]frei und nach R. Jehuda [zehnt] pflichtig sei!? –
9Er meint es wie folgt: Leute aus dem gemeinen Volke sind hinsichtlich des Lauerweines nicht verdächtig. Wenn du aber willst, sage ich, sie seien wohl verdächtig, dennoch ist dies kein Widerspruch; eines gilt von [Lauerwein] aus Weinhefe, und eines gilt von solchem aus Traubenkernen.
10ÄGYPTISCHES BIER &C. Woraus besteht das ägyptische Bier?
11R. Joseph lehrte, ein Drittel Gerste, ein Drittel Safflor und ein Drittel Salz.
12R. Papa läßt Gerste fort und nennt Weizen. Als Merkzeichen diene dir [das Wort] Sisani.
13Dies wird eingeweicht, geröstet und gemahlen. Man trinkt es vom Pesaḥfeste bis zum Wochenfeste. Wer an Verstopfung leidet, bei dem wirkt es lösend, und wer an Durchfall leidet, bei dem wirkt es verhärtend; für einen Kranken und eine schwangere Frau ist es schädlich.
14FÄRBERBRÜHE &C. Hier erklärten sie: Kleienwasser, womit man Lack färbt.
15TEIG DER KÖCHE &C. Ein Teig aus Getreide, das ein Drittel [der Reife] nicht erlangt hat, den man über den Topf legt, damit er den Schaum aufsauge.
16SCHREIBERKLEISTER &C. Hier erklärten sie, Schusterleim;
17R. Šimi aus Maḥoza erklärte, eine Paste, die die Töchter der Reichen für die der Armenzurücklassen. –
18Dem ist ja aber nicht so, R. Ḥija lehrte ja, daß vierallgemeine [Genuß]mittel und drei [Gebrauchs]mittel für Handwerker seien; wieso ist dies ein [Gebrauchs]mittel für Handwerker, wenn du erklärst, eine Paste der Töchter der Reichen!? –
19Wenn etwa Schusterleim, so sollte es ja Schusterkleister und nicht Schreiberkleister heißen!? R. Oša͑ja erwiderte: Tatsächlich Schusterleim, nur nennt er es deshalb Schreiberkleister, weil auch Schreiber damit das Papier zusammenkleben.
20R. ELIE͑ZER SAGT, AUCH DIE KOSMETICA DER FRAUEN. Wieso die Kosmeticader Frauen!? – Sage vielmehr, die Pasten der Frauen. R. Jehuda sagte nämlich im Namen Rabhs: Wenn die jisraélitischen Töchter
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.