Pessachim — Blatt 43b

1da es heißt :du darfst dazu nichts Gesäuertes essen, sieben Tage sollst du dazu Ungesäuertes essen, so könnte man glauben, nur derjenige dürfe kein Gesäuertes essen, der Ungesäuertes zu essen verpflichtet ist, Frauen aber, die Ungesäuertes zu essen nicht verpflichtet sind, da dies ein von einer bestimmten Zeit abhängiges Gebotist, dürfen auch Gesäuertes essen, so lehrt er uns. –

2Jetzt nun, wo [Frauen] hinsichtlich des Nichtessens von Gesäuertem einbegriffen sind, sind sie auch hinsichtlich des Essens von Ungesäuertem einbegriffen. Dies nach einer Lehre R. Elea͑zars, denn R. Elea͑zar sagte: Frauen sind nach der Tora Ungesäuertes zu essen verpflichtet, denn es heißt: du darfst nichts Gesäuertes dazu essen &c.; wer kein Gesäuertes essen darf, muß auch Ungesäuertes essen, und da Frauen kein Gesäuertes essen dürfen, so sind sie auch Ungesäuertes zu essen verpflichtet. —

3Was veranlaßt dich, durch [das Wort] nichts Frauen einzuschließen und Beigemischtes auszuschließen, vielleicht schließt dies Beigemischtes ein!? —

4Es ist einleuchtend, daß [die Schrift], wenn sie von Essenden spricht, Essende einschließt, wieso aber sollte sie, wenn sie von Essenden spricht, Eßbares einschließen!?

5R. Nathan, der Vater des R. Hona b.R. Nathan, wandte ein: Schließt sie denn, wenn sie von Essenden spricht, nicht Eßbares ein, es wird ja gelehrt :Denn jeder, der Talg von irgend einem Tiere ißt, [das dargebracht wird]; ich weiß dies nur vom Talg fehlerfreier [Tiere], die zur Darbringung geeignet sind, woher dies vom Talg fehlerbehafteter Tiere? Es heißt: von einem Tiere. Woher dies vom Talg profaner [Tiere]? Es heißt: denn jeder. Hier spricht sie also vom Essenden und schließt Eßbares ein!? –

6Da, wo Essende [einzuschließen] nicht nötigist, schließt sie Eßbares ein, hierbei aber, wo Essende [einzuschließen] nötigist, wird sie nicht [die Einschließung] der Essenden unterlassen und Eßbares einschließen. —

7Woher wissen die Rabbanan, nach denen man wegen des Beigemischten nichts übertritt, die also [das Wort] jeder nicht auslegen, dies von den Frauen!? —

8Jeder legen sie nicht aus, denn jeder legen sie aus. —

9Nach R. Elie͑zer könnte man ja auslegen: jeder schließe Frauen ein, denn jeder schließe das Beigemischte ein!?

10Wolltest du erwidern, R. Elie͑zer lege auch [die Worte] denn jeder nicht aus, so wird ja gelehrt: Sauerteig sollt ihr nicht aufräuchern; ich weiß dies vom Ganzen, woher dies von einem Teile? Es heißt: allen. Woher dies vom Beigemischten? Es heißt denn allen. Derjenige, der [das Wort] nichts auslegt, ist ja R. Elie͑zer, und er legt auch denn allen aus!? —

11Ein Einwand.

12R. Abahu sagte im Namen R. Joḥanans: Bei allen in der Tora verbotenen Dingenwird das Erlaubte nicht mit dem Verbotenen vereinigt, ausgenommen die dem Naziräer verbotenen Dinge, denn die Tora sagt: Aufgeweichtes.

13Zee͑ri sagte, auch beim Verbote, Sauerteig aufzuräuchern. —

14Wohl nach R. Elie͑zer, der [das Wort] allen auslegt,

15demnach sollte dies

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.