Pessachim — Blatt 44a

1auch beim Gesäuerten am Pesaḥfeste gelten!? —

2Freilich, dem ist auch so, nur schließt dies die Lehre Abajjes aus; dieser sagt, es gebe eine Aufräucherung bei einem Quantum unter einer Olive, so lehrt er uns, daß es keine Aufräucherung bei einem Quantum unter einer Olive gebe.

3R. Dimi saß und trug diese Lehre vor, da sprach Abajje zu ihm: Wird denn bei allen anderen in der Tora verbotenen Gegenständen nicht das Erlaubte mit dem Verbotenen vereinigt,

4wir haben ja gelernt: Wenn der Brei von Hebe und der Knoblauch und das Öl profan sind, und einer, der am selben Tage untergetauchtist, einen Teil berührt, so hat er alles untauglich gemacht; wenn aber der Brei profan und der Knoblauch und das Öl von Hebe sind, und einer, der am selben Tage untergetaucht ist, einen Teil berührt, so hat er nur die berührte Stelle untauglich gemacht.

5Und auf unseren Einwand, weshalb denn die berührte Stelle untauglich sei, die Zutaten sollten sich ja in der Masse verlieren, erwiderte Rabba b. Bar Ḥana, aus dem Grunde, weil ein Gemeiner wegen [des Quantums] einer Olive Geißelhiebe erhält. Doch wohl deshalb, weil das Erlaubte mit dem Verbotenen vereinigtwird!? —

6Nein, unter Olive ist zu verstehen, wenn in einem Peras, das er ißt, eine Oliverenthalten ist.–

7Ist denn [die Norm] von der Olive während der Dauer des Essens eines Peras aus der Tora!? Dieser erwiderte: Freilich. —

8Wieso streiten demnach die Rabbanan gegen R. Elie͑zer über den babylonischen Quarkbrei!? —

9Wieso streiten, auch wenn aus dem Grunde, weil das Erlaubte mit dem Verbotenen vereinigt wird, die Rabbanan gegen R. Elie͑zer über den babylonischen Quarkbrei!? Laß vielmehr den babylonischen Quarkbrei, von dem man während der Dauer des Essens eines Peras keine Olive ißt. Wenn man ihn allein schlürft, so ist ja dies gegenüber dem Brauche aller anderen Menschen bedeutungslos, und wenn man ihn [auf Brot] streicht, so ißt man davon, während der Dauer des Essens eines Peras keine Olive.

10Er wandte ferner gegen ihn ein: Wenn vor zwei Töpfen, einer Profanes und einer Hebe enthaltend, zwei Gewürzmörser sich befinden, einer Profanes und einer Hebe enthaltend, und [Gewürze] aus diesen in jene gekommen sind, so sind sie erlaubt, denn man nehme an, die Hebe sei in die Hebe und das Profane in das Profane gekommen.

11Wieso nehme man an, die Hebe sei &c., wenn du sagst, [die Norm von] einer Olive während der Dauer des Essens eines Peras sei aus der Tora!? Dieser erwiderte: Laß die Hebe vom Gewürze, die nur rabbanitisch [zu entrichten] ist.

12Er wandte ferner gegen ihn ein: Wenn vor zwei Körben, einer Profanes und einer Hebe enthaltend, zwei Seá sich befinden, eine Profanes und eine Hebe enthaltend, und [Früchte] aus diesen in jene gekommen sind, so sind sie erlaubt, denn man nehme an, das Profane sei in das Profane und die Hebe in die Hebe gekommen. Wieso nehme man dies an, wenn du sagst, [die Norm von] einer Olive während der Dauer des Essens eines Peras sei aus der Tora!?

13Dieser erwiderte: Laß die Hebe in der Jetztzeit, die nur rabbanitisch [zu entrichten] ist.

14Ist denn [das Wort] Aufgeweichtes hierfür zu verwenden, es ist ja für folgende Lehre nötig!? Aufgeweichtes,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.