Pessachim — Blatt 45b

1keine Trennung, auch übertritt man dessentwegen nicht das Verbot; wenn aber an einer Stelle, wo er nicht zur Dichtung dient, so bildet er eine Trennung, auch übertritt man dessentwegen das Verbot. Dies nur, wenn weniger als Olivengröße, wenn aber in Olivengröße, so bildet er auch an einer Stelle, wo er zur Dichtung dient, eine Trennung, auch übertritt man dessentwegen das Verbot. –

2[Die Lehren] widersprechen ja einander!? R. Hona erwiderte: Streiche die erleichternde wegen der erschwerenden.

3R. Joseph erwiderte: Willst du etwa [streitende] Tannaím aus der Welt schaffen!? Hierüber streiten Tannaím, denn es wird gelehrt: Schimmliges Brot muß man fortschaffen, weil es noch zum Zerreiben und damit viele andere Teige zu säuern verwendbar ist.

4R. Šimo͑n b.Elea͑zar sagte: Dies nur, wenn es zum Essen bestimmt ist, wenn es aber ein zum Sitzen bestimmter Teigklumpen ist, so verliert er seine Eigenheit. Wenn nun R,.Šimo͑n b. Elea͑zar sagt, er verliere seine Eigenheit, so ist demnach der erste Tanna der Ansicht, daß er seine Eigenheit nicht verliere. Ein olivengroßes Quantum verliert somit nicht seine Eigenheit, auch wenn man es aufgibt.

5Abajje sprach zu ihm: Du hast es allerdings hinsichtlich des olivengroßen Quantums erklärt, hast du es etwa hinsichtlich eines Quantums weniger als eine Olive erklärt!? Vielmehr, vertreten beide Lehren die Ansicht des R. Šimo͑n b. Elea͑zar, dennoch besteht hier kein Widerspruch, denn eines gilt von einer beim Kneten benutzten Stelle, und eines gilt von einer beim Kneten nicht benutzten Stelle.

6R. Aši sprach: Man sage nicht, nur die Rückseite der Mulde heiße eine Stelle, die beim Kneten nicht benutzt wird, sondern auch der Rand derselben. –

7Selbstverständlich!? – Man könnte dies glauben, weil [der Teig] zuweilen bis dahin hochsteigt, so lehrt er uns.

8R. Naḥman sagte im Namen Rabhs: Die Halakha ist wie R. Šimo͑n b. Elea͑zar. –

9Dem ist ja aber nicht so, R. Jiçḥaq b.Aši sagte im Namen Rabhs, daß, wenn man [den Teigklumpen] mit Lehm bestreicht, er seine Eigenheit verliere; nur wenn man ihn bestreicht, sonst aber nicht!? –

10Wer das eine lehrte, lehrte das andere nicht.

11Manche lesen: R. Naḥman sagte im Namen Rabhs: Die Halakha ist nicht wie R. Šimo͑n b.Elea͑zar, denn R. Jiçḥaq b. Aši sagte im Namen Rabhs, daß, wenn man [den Teigklumpen] mit Lehm bestreicht, er seine Eigenheit verliere &c.

12R. Naḥman sagte im Namen Šemuéls: Wenn zwei Stücke in der Größe von je einer halben Olive durch einen Teigfaden [verbunden] sind, so richte man sich danach: würden sie beim Aufnehmen des Teigfadens an diesem hängen bleiben, so muß man sie fortschaffen, wenn aber nicht, so braucht man sie nicht fortzuschaffen.

13U͑la sagte: Dies nur, wenn in einer Mulde, wenn in der Wohnung, so muß man sie fortschaffen. –

14Weshalb? – Wenn man fegt, können sie aneinander kommen.

15U͑la sagte: Im Westen fragten sie, wie es denn sei, wenn sie sich in Stube und Söller, in Stube und Vorhalle oder in zwei Stuben, eine hinter der anderen, befinden?

16Dies bleibt unentschieden.

17Die Rabbanan lehrten: Wenn Brot schimmlig und für Menschen ungenießbar geworden ist, ein Hund aber es essen kann, so ist es in Eigröße als Speise verunreinigungsfähig, auch darf es am Pesaḥfeste [als Hebe zusammen] mit unreiner verbrannt werden. Im Namen R. Nathans sagten sie, es sei nicht verunreinigungsfähig.

18Unsere Lehre, daß sie nämlich beim Reinheitsgesetze eine Regel gesagt haben, was als Speise für Menschen bestimmt ist, sei so lange verunreinigungsfähig, bis auch ein Hund es nicht mehr ißt, vertritt also nicht die Ansicht R. Nathans.

19Die Rabbanan lehrten: Das Mehl in einem Gerbertrog muß man, wenn man es innerhalb drei Tagen hineingetan hat, fortschaffen, wenn vor drei Tagen, so braucht man es nicht fortzuschaffen. R. Nathan sagte: Dies nur, wenn man darin noch keine Häute eingeweicht hat, hat man aber darin bereits Häute eingeweicht, so braucht man es nicht fortzuschaffen, auch wenn innerhalb drei Tagen.

20Raba sagte: Die Halakha ist wie R. Nathan: auch wenn innerhalb eines Tages oder auch nur einer Stunde.

21DASSELBE GILT AUCH HINSICHTLICH DER UNREINHEIT &C.

22Ist es denn gleich: da hängt es von der Größe ab, hierbei hängt es von der Anstoßnahme ab!?

23R. Jehuda erwiderte: Lies: anders verhält es sich bei der Unreinheit.

24Abajje sprach zu ihm: Es heißt ja aber: dasselbe gilt auch hinsichtlich der Unreinheit!? Vielmehr, erklärte Abajje, meint er es wie folgt: dies gilt auch

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.