Pessachim — Blatt 47a

1wird am neunten, am zehnten und am elften [Tage]gegessen, weder früher noch später. Und zwar: gewöhnlich am neunten, denn es wird am Vorabend des Šabbaths gebacken und am Šabbath gegessen, also am neunten; fällt ein Fest auf den Vorabend des Šabbaths, so wird es am Šabbath, also am zehnten gegessen; wenn aber die zwei Tage des Neujahrsfestes [vorangehen], so wird es ebenfalls am Šabbath, also am elften gegessen; [das Backen] desselben verdrängt nämlich weder den Šabbath noch das Fest. Weshalb verdrängt es nicht das Fest, wenn du sagst, die Bedürfnisse des Šabbaths dürfen am Feste verrichtet werden!?

2Dieser erwiderte: Wegen eines naheliegenden Falles haben sie dies erlaubt, und wegen eines weitliegenden Falleshaben sie dies nicht erlaubt. –

3Wie ist es aber nach R. Šimo͑n b. Gamliél zu erklären, der im Namen R. Šimo͑ns, des Sohnes des Priesterpräses, sagte, es verdränge das Fest, nur nicht den Fasttag!? –

4Darin streiten sie eben: einer ist der Ansicht, wegen eines naheliegenden Falles haben sie dies erlaubt, und wegen eines weitliegenden Falles haben sie dies nicht erlaubt, und einer ist der Ansicht, sie haben dies auch wegen eines weitliegenden Falles erlaubt.

5R. Mari wandte ein: Die zwei Brotewerden weder früher als am zweiten noch später als am dritten [Tage] gegessen. Und zwar: werden sie am Vorabend des Festes gebacken, so werden sie am Feste, also am zweiten gegessen; fällt das Fest auf einen Sonntag, so werden sie am Feste, also am dritten gegessen; [das Backen] derselben verdrängt nämlich weder den Šabbath noch das Fest. Wenn du sagst, die Bedürfnisse des Šabbaths dürfen am Feste verrichtet werden, so sollte doch, wenn die des Šabbaths am Feste erlaubt sind, um so mehr die des Festes am Feste erlaubt sein!? –

6Anders ist es da; die Schrift sagt für euch, nur für euch, nicht aber für Gott. –

7Wie ist es nach R. Šimo͑n b. Gamliél zu erklären, der im Namen R. Šimo͑ns, des Sohnes des Priesterpräses, sagte, es verdränge das Fest, nur nicht den Fasttag!? – Er ist der Ansicht Abba Šaúls, der erklärte: für euch, nur für euch, nicht aber für Nichtjuden.

8R. Ḥisda sandte durch R. Aḥab. R. Hona an Rabba [folgenden Einwand] : Berücksichtigen wir denn die Eventualität, wir haben ja gelernt: Mancher pflügt ein Beet und ist dieserhalb wegen Übertretung von acht Verboten schuldig:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.