Pessachim — Blatt 47b
1wenn ein priesterlicher Naziräer im Siebentjahre am Feste auf einem unreinen Platze Mischsaat (im Weinberge) säend mit Ochs und Esel des Heiligtumspflügt. Wenn du sagst, man berücksichtige die Eventualität, so sollte er doch wegen des Pflügens [am Feste] nicht schuldig sein, da er [die Erde] zum Zudecken des Blutes von geschlachtetem Geflügel verwenden kann!?
2R. Papa b. Šemuél erwiderte: Dies gilt von weichen Steinen. –
3Solche kann man ja zerstoßen!? – Ist denn das Zerstoßen am Feste erlaubt!? – Man kann sie ja wie unbeabsichtigtzerstoßen!? – Wenn es ein harter Felsen ist. –
4Ist denn ein harter Felsen zum Säen geeignet!? – Wenn der Boden oben felsig und unten locker ist. – So sollte es wegen der lockeren Erde [erlaubt] sein!? –
5Vielmehr, erklärte Mar b. R. Aši, dies gilt von einem Lehmboden. – Ist denn ein Lehmboden zum Säen geeignet!? – Wenn er schlammig ist.
6Abajje wandte gegen ihn ein: Wer am Feste die Spannader mit Milch kocht und sie ißt, erhält fünffach Geißelhiebe: Geißelhiebe wegen des Kochens der Spannader[am Feste], Geißelhiebe wegen des Essens der Spannader, Geißelhiebe wegen des Kochens von Fleisch mit Milch, Geißelhiebe wegen des Essens von Fleisch mit Milch und Geißelhiebe wegen des Feueranzündens. Wenn du sagst, man berücksichtige die Eventualität, so sollte er doch wegen des Feueranzündens nicht schuldig sein, da er es anderweitig gebrauchen kann!?
7Dieser erwiderte: Man lasse das Feueranzünden fort und zähle statt dessen [den Genuß] der Spannader eines Aases mit. –
8R. Ḥija lehrte ja aber, daß er zweifache Geißelhiebe wegen des Essens und dreifache wegen des Kochens erhalte, und nach [dieser Erklärung] müßte er ja die dreifachen wegen des Essens erhalten!? –
9Vielmehr, man lasse das Feueranzünden fort und zähle statt dessen [die Benutzung] von abgesondertemHolze mit. –
10Ist denn das Verbot des Abgesonderten aus der Tora!? Dieser erwiderte: Freilich; es heißt:am sechsten Tage sollen sie zubereiten, was sie heimbringen, und das Verbot ist hieraus zu entnehmen: du sollst keinerlei Arbeit verrichten.
11Jener entgegnete: Du selbst sagtest ja, du habest R. Ḥisda gefragt, manche lesen: R. Hona gefragt, wie es denn sei, wenn man am Feste ein Schaf vom Angerholt und es als beständiges Opfer schlachtet,
12und er habe erwidert: Lamm, kein Erstgeborenes;
13eines, kein verzehntetes;
14vom Schafe, kein halberwachsenes;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.