Pessachim — Blatt 48b
1etwas mehr als fünf Viertellog sei zur Teighebe pflichtig!? – Er meint es wie folgt, der maglonische Kab habe ebenfalls dieses Quantum.
2R. Joseph sagte: Unsere Frauen pflegen am Pesaḥfeste kapizweisezu backen. Abajje sprach zu ihm: Du glaubst also, dies sei erschwerend, diese Erschwerung hat aber eine Erleichterung zur Folge, denn dadurch entzieht man [den Teig] der Pflicht der Teighebe.
3Jener erwiderte: Sie verfahren nach R. Elie͑zer, denn es wird gelehrt, R. Elie͑zer sagt, wenn man Brote aus dem Ofen nimmt und sie in den Korb legt, vereinige sie der Korb zur Pflicht der Teighebe, und hierzu sagte R. Jehuda im Namen Šemuéls, die Halakha sei wie R. Elie͑zer.
4Dieser entgegnete: Hierzu wurde ja gelehrt: R. Jehošua͑ b. Levi sagte, dies lehrten sie nur von den babylonischen Broten, die aneinander kleben, nicht aber von Knusperchen!? – Hierzu wurde aber gelehrt, R. Ḥanina sagte, dies gelte auch von Knusperchen.
5R. Jirmeja fragte: Wie ist es, wenn man sie auf eine Platte ohne Rand legt: istdas Innere des Gefäßes erforderlich, das diese nicht hat, oder ist der Luftraum des Gefäßes erforderlich, den auch diese hat? – Dies bleibt unentschieden.
6Es wird gelehrt: R. Elie͑zer sagt, der Korb vereinige sie; R. Jehošua͑ sagt, der Ofen vereinige sie; R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, die babylonischen Brote, die aneinander kleben, werden vereinigt.
7R.GAMLIÉL SAGT, DREI FRAUEN DÜRFEN GLEICHZEITIG KNETEN UND HINTEREINANDER IN EINEM OFEN BACKEN.
8DIE WEISEN SAGEN, DREI FRAUEN DÜRFEN SICH ZUSAMMEN MIT EINEM TEIG BEFASSEN: EINE KNETE, EINE RICHTE [DIE BROTE] HER UND EINE BACKE.
9R. A͑QIBA SAGT, NICHT ALLE FRAUEN, NICHT ALLE HOLZARTEN UND NICHT ALLE ÖFEN GLEICHEN EINANDER; DIE REGEL IST: GÄRT [DER TEIG], SO KLATSCHE SIE IHN MIT KALTEM.
10GEMARA. Die Rabbanan lehrten : Während die [erste] Knetende [das Ungesäuerte] formt, knete die andere; während die [erste] Formende bäckt, forme die andere und knete die dritte; während die [erste] Backende knetet, backe die andere und forme die dritte, und so gehe es um die Reihe. So lange sie sich mit dem Teig befassen, kommt er nicht zum Säuern.
11R. A͑QIBA SAGT, NICHT ALLE FRAUEN &C. Es wird gelehrt: R. A͑qiba sagte: Ich unterbreitete R. Gamliél folgendes: Möge uns der Meister lehren, ob er hurtige oder nicht hurtige Frauen, feuchtes oder trockenes Holz, einen warmen oder einen kalten Ofen meine? Er erwiderte mir: Du hast dich nur an das zu halten, was die Weisen lehren: Die Regel ist: gärt [der Teig], so klatsche sie ihn mit Kaltem.
12GÄRENDER TEIG IST ZU VERBRENNEN, UND WER IHN ISST, IST FREI; RISSIGER IST ZU VERBRENNEN, UND WER IHN ISST, MACHT SICH DER AUSROTTUNGSSTRAFE SCHULDIG.
13WELCHER HEISST GÄRENDER? WENN [DIE RISSE] DEN FÜHLHÖRNERN DER HEUSCHRECKEN ÄHNLICHSIND ; WELCHER HEISST RISSIG? WENN DIE RISSE SCHON INEINANDERLAUFEN – so R. JEHUDA. DIE WEISEN SAGEN, WEGEN DES EINEN UND DES ANDEREN MACHE SICH, WER IHN ISST, DER AUSROTTUNGSSTRAFE SCHULDIG; GÄRENDER IST VIELMEHR [DER TEIG], DESSEN AUSSEHEN BLASS IST, WIE DAS EINES MENSCHEN, DESSEN HAARE SICH VOR SCHRECK STRÄUBEN.
14GEMARA. Die Rabbanan lehrten : Welcher heißt gärender Teig? Dessen Aussehen blaß ist, wie das eines Menschen, dessen Haare sich [vor Schreck] sträuben. Rissig? Den Fühlhörnern der Heuschrecken ähnlich – so R. Meír. Die Weisen sagen, gärender heiße er, wenn [die Risse] den Fühlhörnern der Heuschrecken ähnlich sind, rissig heiße er, wenn die Risse ineinanderlaufen; wegen des einen und des anderen mache sich, wer ihn ißt, der Ausrottungsstrafe schuldig. –
15Wir haben ja aber gelernt, gärender Teig sei zu verbrennen, und wer ihn ißt, sei frei – so R. Jehuda!? – Sage vielmehr: nach R. Meír mache sich wegen des einenund des anderen, wer ihn ißt, der Ausrottungsstrafe schuldig.
16Raba sagte: Was ist der Grund R. Meírs? Du hast keinen Riß oben, der nicht mehrere Risse unten hätte.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.