Pessachim — Blatt 54a
1aber ein verständiger Mann weiß es heraufzuschöpfen. Wie tiefe Wasser ist das Vorhaben in eines Menschen Herzen, das ist U͑la; ein verständiger Mann weiß es heraufzuschöpfen, das ist Rabba b. Bar Ḥana. – Worauf stützen siesich? – Auf das, was R. Benjamin b.Jepheth im Namen R. Joḥanans sagte, daß man nämlich sowohl am Ausgang des Šabbaths als auch am Ausgang des Versöhnungstages den Segen über das Licht spreche. Und so pflegt auch das Volk zu verfahren.
2Man wandte ein: Man spreche den Segen über das Licht nur am Ausgang des Šabbaths, weil dann seine Erschaffung begonnen hatte. Man spreche sobald man es sieht; R. Jehuda sagt, man spreche sieder Reihe nach über den Becher. Hierzu sagte R. Joḥanan, die Halakha sei wie R. Jehuda!? –
3Das ist kein Einwand; das eine gilt von einem Feuer, das am Šabbath. gebrannt hat, und das andere gilt von einem Feuer, das aus Holz und aus Steinen erst hervorkommt. –
4Das Eine lehrt, daß man über ein Feuer, das aus Holz und aus Steinen hervorkommt, den Segen spreche, und ein Anderes lehrt, daß man darüber den Segen nicht spreche!? – Das ist kein Einwand; das eine gilt vom Ausgang des Šabbaths, und das andere gilt vom Ausgang des Versöhnungstages.
5Rabbi pflegte siezerstreut zu sprechen; R. Ḥija pflegte sie hintereinander zu sprechen. R. Jiçḥaq b.Evdämi sagte: Obgleich Rabbi sie bereits zerstreut gesprochen hatte, sprach er sie dennoch wiederum der Reihe nach über den Becher, um seine Kinder und die Angehörigen seines Hauses ihrer Pflicht zu entledigen.
6Ist denn das Feuer am Ausgang des Šabbaths erschaffen worden, es wird ja gelehrt: Zehn Dinge wurden am Vorabend des Šabbaths bei Dämmerung erschaffen, und zwar: der Brunnen, das Manna, der Regenbogen, die Schrift, die Inschrift, die Bundestafeln, das Grab Mošes, die Höhle, in der Moše und Elijahu gestandenhaben, das Maul der Eselinund der Schlund der Erde, um die Frevlerzu verschlingen.
7R. Neḥemja sagt im Namen seines Vaters, auch das Feuer und das Maultier. R. Jošija sagt im Namen seines Vaters, auch der Widderund der Šamir. R. Jehuda sagt, auch die [erste] Zange. Er sagte nämlich: Eine Zange kann nur mit [Hilfe] einer anderen Zange gefertigt werden; wer aber fertigte die erste Zange? Sie war also eine Schöpfung des Himmels. Sie entgegneten ihm: man kann sie in einer [Guß] form herstellen und zusammensetzen; sie war also eine menschliche Schöpfung!? –
8Das ist kein Widerspruch; eines gilt von unserem Feuer, und eines gilt vom Feuer des Fegefeuers. Unser Feuer wurde am Ausgang des Šabbaths erschaffen, das Feuer des Fegefeuers wurde am Vorabend des Šabbaths erschaffen. – Wurde denn das Feuer des Fegefeuers am Vorabend des Šabbaths erschaffen, es wird ja gelehrt: Sieben Dinge wurden vor der Weltschöpfung erschaffen, und zwar: die Tora, die Buße, der E͑dengarten das Fegefeuer, der Thron der Herrlichkeit, der Tempel und der Name des Messias.
9Die Tora, denn es heißt:der Herr schuf mich als Erstling seines Weges. Die Buße, denn es heißt:ehe die Berge geboren wurden, und darauf folgt:du bringst den Sterblichen zur Zerknirschung und sprichst: Kehret zurück, Menschenkinder.
10Der E͑dengarten, denn es heißt:der Herr, Gott, hatte einen Garten in E͑den gepflanzt von früherher. Das Fegefeuer, denn es heißt:denn gerüstet seit gestern ist eine Brandstätte.
11Der Thron der Herrlichkeit und der Tempel, denn es heißt:ein Thron der Herrlichkeit, eine Höhe von Anbeginn, Stätte unseres Heiligtums. Der Name des Messias, denn es heißt:sein Name wird ewig währen, vor der Sonne sproßt sein Name!? –
12Ich will dir sagen, sein Raum wurde vor der Weltschöpfung erschaffen, sein Feuer aber erst am Vorabend des Šabbaths. –
13Ist denn sein Feuer am Vorabend des Šabbaths erschaffen worden, es wird ja gelehrt: R. Jose sagte: Für das Feuer, das der Heilige, gepriesen sei er, am zweiten Schöpfungstage erschaffen hat, gibt es ewig kein Erlöschen, denn es heißt:und sie werden hinausgehen und die Leichname der Männer ansehen, die von mir abtrünnig geworden sind; denn ihr Wurm wird nicht sterben und ihr Feuer nicht erlöschen. Ferner sagte R. Banaá, Sohn des R. U͑la: Weshalb heißt es nicht gutbeim zweiten Schöpfungstage? Weil an diesem das Feuer des Fegefeuers erschaffen wurde. Hierzu sagte R. Elea͑zar: Obgleich es beim zweiten Schöpfungstage nicht gut heißt, so wird er dennoch beim sechsten mit einbegriffen, denn es heißt:und Gott sah, daß alles, was er gemacht, sehr gut sei!? –
14Vielmehr, sein Raum wurde vor der Weltschöpfung und sein Feuer am zweiten Schöpfungstage erschaffen; unser Feuer aber gedachte er am Vorabend des Šabbaths zu erschaffen, jedoch wurde es erst am Ausgang des Šabbaths erschaffen. Es wird nämlich gelehrt: An zwei Dinge dachte der Heilige, gepriesen sei er, am Vorabend des Šabbaths, sie zu erschaffen, jedoch wurden sie erst am Ausgang des Šabbaths erschaffen. Am Ausgang des Šabbaths gab der Heilige, gepriesen sei er, Adam dem Urmenschen Verstand ein, etwas von dem des himmlischen; er holte zwei Steine und rieb sie aneinander, wodurch das Feuer hervorkam; und ferner holte er zwei Tiere und kreuzte sie miteinander, woraus das Maultier hervorging. R. Šimo͑n b.Gamliél sagte: Das Maultier ist zur Zeit des A͑na entstanden, denn es heißt:das ist derselbe A͑na, der die Maultiere in der Steppe hervorbrachte.
15Die Schrifterklärersagten: A͑na war selbst Bastard, darum brachte er einen Bastard auf die Welt. Es heißt nämlich: diese sind die Söhne Sei͑rs, des Ḥoriters, und es heißt:diese sind die Söhne Çibo͑ns &c. und Ajja und Ana; dies lehrt also, daß Çibo͑n seiner Mutter beiwohnte und A͑na zeugte. –
16Vielleicht waren es zwei [Leute Namens] A͑na!? Raba erwiderte: Ich will etwas sagen, wie solches nicht einmal König Sapor, das ist Šemuél, gesagt hat. Manche lesen: R. Papa erwiderte: Ich will etwas sagen, wie solches nicht einmal König Sapor, das ist Raba, gesagt hat: Die Schrift sagt: das ist derselbe Ana, derselbe A͑na von vorher.
17Die Rabbanan lehrten: Zehn Dinge wurden am Vorabend des Šabbaths bei Dämmerung erschaffen, und zwar: Der Brunnen, das Manna, der Regenbogen, die Schrift, die Inschrift, die Bundestafeln, das Grab Moses, die Höhle, in der Moše und Elijahu gestanden haben, das Maul der Eselin und der Schlund der Erde, um die Frevler zu verschlingen. Manche sagen, auch der Stab Ahrons mit seinen Mandeln und Blüten. Manche sagen, auch die Dämonen. Manche sagen,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.