Pessachim — Blatt 58b

1Sollte man es, wenn dies nicht befürchtet wird, nach sechseinhalb [Stunden] darbringen!? – Er ist der Ansicht, das Zusatzopfer werde vor den Schalen [Weihrauch] dargebracht, somit wird das Zusatzopfer nach sechs, die Schalen [Weihrauch] nach sieben und das beständige Opfer nach siebeneinhalb [Stunden] dargebracht.

2Rabba b.U͑la wandte ein: Lehrt er denn, R. Jišma͑él sage, gleich der Reihenfolge am Wochentage sei auch die Reihenfolge am Šabbath, der Vorabend des Pesaḥfestes ist, er lehrt ja schlechthin: ist auch die Reihenfolge am Šabbath!?

3Vielmehr, erklärte Rabba b.U͑la, meint er es wie folgt: gleich der Reihenfolge an einem gewöhnlichen Wochentage ist auch die Reihenfolge an einem gewöhnlichen Šabbath – so R. Jišma͑él;

4R. A͑qiba sagt, gleich der Reihenfolge an einem gewöhnlichen Vorabend des Pesaḥfestes sei auch die Reihenfolge an einem gewöhnlichen Šabbath. Unsere Mišna, welche lehrt, ob am Wochentage oder am Šabbath, gilt nach aller Ansicht. –

5Worin besteht ihr Streit? – Sie streiten, ob man freiwillige Opfer und Gelübde berücksichtige. R. Jišma͑él ist der Ansicht, man berücksichtige sie auch am Šabbath wegen des Wochentages, und R. A͑qiba ist der Ansicht, man berücksichtige sie nicht. –

6Sollte man es, wenn sie nicht berücksichtigt werden, nach sechseinhalb [Stunden] darbringen!? – Er ist der Ansicht, das Zusatzopfer werde vor den Schalen [Weihrauch] dargebracht, somit wird das Zusatzopfer nach sechs, die Schalen [Weihrauch] nach sieben und das beständige Opfer nach siebeneinhalb [Stunden] dargebracht.

7Man wandte ein: Das beständige Opfer wird während des ganzen Jahres nach Vorschrift dargebracht: es wird nach achteinhalb [Stunden] geschlachtet und nach neuneinhalb [Stunden] dargebracht; am Vorabend des Pesaḥfestes wird es nach siebeneinhalb [Stunden] geschlachtet und nach achteinhalb [Stunden] dargebracht; fällt er auf einen Šabbath, so ist es ebenso, als würde er auf einen Montag fallen – so R. Jišma͑él; R. A͑qiba sagt, gleich der Reihenfolge am Vorabend des Pesaḥfestes.

8Einleuchtend ist dies nach Abajje, gegen Raba ist dies ja aber ein Einwand!? – Raba kann dir erwidern, man lese nicht: als würde er auf einen Montag fallen, sondern: wie an einem gewöhnlichen Montag.

9Man wandte ein: Fällt er auf einen Šabbath, so ist die Reihenfolge ebenso wie im ganzen Jahre – so R. Jišma͑él; R. A͑qiba sagt, wie die Reihenfolge an einem gewöhnlichen Vorabend des Pesaḥfestes. Einleuchtend ist dies nun nach Raba, gegen Abajje ist dies ja aber ein Einwand!? –

10Abajje kann dir erwidern, man lese nicht: so ist die Reihenfolge ebenso wie im ganzen Jahre, sondern: wie die Reihenfolge in jedem anderen Jahre – so R. Jišma͑él; R. A͑qiba sagt, wie die Reihenfolge an einem Vorabend des Pesaḥfestes, der auf einen Vorabend des Šabbaths fällt.

11Die Rabbanan lehrten: Woher, daß dem beständigen Morgenopfer nichts vorangehen dürfe? Es heißt:er schichte darauf das Brandopfer. Wieso geht dies daraus hervor? Raba erwiderte: Das Brandopfer, das erste Brandopfer.

12Und woher, daß nichts nach dem beständigen Abendopfer dargebracht werden dürfe? Es heißt:er soll darauf die Fettstücke des Heilsopfers in Rauch aufgehen lassen. Wieso geht dies daraus hervor? Abajje erwiderte: Nach diesemdürfen Heilsopfer dargebracht werden, nicht aber nach jenem.

13Raba wandte ein: Vielleicht dürfen nur keine Heilsopfer dargebracht werden, wohl aber Brandopfer!? Vielmehr, erklärte Raba, es heißt: Heilsopfer, mit diesem sind alle Opfer beendet.

14Die Rabbanan lehrten: Das beständige Opfer geht dem Pesaḥopfer voran, das Pesaḥopfer geht dem Räucherwerke voran, und das Räucherwerk geht dem [Anzünden] der Lichter voran.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.