Pessachim — Blatt 59b

1der Priester soll das Brandopfer dargebrachthaben, das er bereits dargebracht hat.

2R. Šamen b. Abba sprach zu R. Papa: Wieso darf man nach deiner Erklärung, man richte es her und lasse es auf dem Altar übernachten, etwas tun, wodurch die Priester zu einem Verstoße kommen könnten, denn im Glauben, es seien [Opferteile] dieses Tages, könnten sie sie aufräuchern!? Dieser erwiderte: Priester sind vorsichtig.

3R. Aši sprach zu R. Kahana, und wie manche sagen, R. Hona, Sohn des R. Nathan, zu R. Papa: Solange die Opferteile nicht auf geräuchert sind, dürfen ja die Priester vom Fleische nicht essen!? Es wird nämlich gelehrt: Man könnte glauben, die Priester dürfen Brust und Schenkel vor der Aufräucherung der Opferteile [essen], so heißt es:der Priester soll das Fett auf dem Altar aufräuchern, und nachher erst:die Brust soll Ahron und seinen Söhnen gehören.

4Und solange die Priester vom Fleische nicht gegessen haben, erlangen ja die Eigentümer keine Sühne, denn es wird gelehrt:Sie sollen diese essen, womit Sühne bewirkt werde, dies lehrt, daß es die Priester essen und der Eigentümer Sühne erlange!?

5Dieser erwiderte: Da es nicht anders möglich ist, so ist es ebenso, als würden [die Opferteile] unrein geworden oder abhanden gekommen sein. Es wird nämlich gelehrt: Man könnte glauben, daß, wenn [die Opferteile] unrein geworden oder abhanden gekommen sind, die Priester kein Anrecht auf Brust und Schenkel haben, so heißt es: die Brust soll Ahron und seinen Söhnen gehören, in jedem Falle.

6R. Kahana wies auf einen Widerspruch hin: Es heißt: das Fett meines Festopfers soll nicht bis zum Morgen übernachten; bis zum Morgen darf es nicht übernachten, wohl aber darf es die ganze Nacht liegen bleiben, dagegen heißt es:er soll darauf die Fettstücke des Heilsopfers aufräuchern, damit sind alle Opfer zu beenden!?

7Er wies auf diesen Widerspruch hin, und er selbst erklärte es auch: wenn [Opferteile]zurückbleiben.

8R. Saphra wies Rabh auf einen Widerspruch hin: Es heißt:das Opferfleisch des Pesaḥfestes soll nicht bis zum Morgen übernachten, bis zum Morgen darf es nicht übernachten, wohl aber darf es die ganze Nacht liegen bleiben, dagegen heißt es:ein Brandopfer von Šabbath zu Šabbath, nicht aber ein Brandopfer des Wochentages am Šabbath, noch ein Brandopfer des Wochentages am Feste!?

9Dieser erwiderte: R. Abba b.Ḥija wies bereits R. Abahu auf diesen Widerspruch hin, und er erwiderte ihm, in dem Falle, wenn der vierzehnte [Nisan] auf einen Šabbath fällt, und die Fettstücke des Šabbaths dürfen am Feste dargebracht werden.

10Jener entgegnete: Sollten wir denn, weil die Fettstücke des Šabbaths am Feste dargebracht werden dürfen, den Schriftvers auf den Fall beziehen, wenn der vierzehnte auf einen Šabbath fällt!? Dieser erwiderte: Laß diesen Schriftvers; er ist schwierig und muß sich selber erklären.

11WENN MAN DAS PESAḤOPFER AUF EINEN ANDEREN NAMENGESCHLACHTET, AUF EINEN ANDEREN NAMEN [DAS BLUT] AUFGENOMMEN, ES [ZUM ALTAR] GEBRACHT ODER GESPRENGT HAT, ODER AUF SEINEN NAMEN UND AUF EINEN ANDEREN NAMEN, ODER AUF EINEN ANDEREN NAMEN UND AUF SEINEN NAMEN, SO IST ES UNTAUGLICH.

12WAS HEISST: AUF SEINEN NAMEN UND AUF EINEN ANDEREN NAMEN? ALS PESAḤOPFER UND ALS HEILSOPFER. AUF EINEN ANDEREN NAMEN UND AUF SEINEN NAMEN? ALS HEILSOPFER UND ALS PESAḤOPFER.

13GEMARA. R. Papa fragte: Wird hiervon einer Dienstverrichtung gelehrt, oder von zwei Dienstverrichtungen?

14Wird hier von einer Dienstverrichtung gelehrt, nach R. Jose, welcher sagt, man halte sich auch an den Schluß der Worte eines Menschen,

15denn R. Meír ist ja der Ansicht, man richte sich nach der ersten Fassung,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.