Pessachim — Blatt 5a

1denn die Fortschaffung des Sauerteigs gleicht dem Essen von Gesäuertem, und das Essen von Gesäuertem gleicht dem Essen des Ungesäuerten.

2Die Fortschaffung des Sauerteigs dem Essen von Gesäuertem, denn es heißt:sieben Tage hindurch darf kein Sauerteig in eueren Wohnungen zu finden sein, denn wer Gesäuertes ißt, soll weggetilgt werden;

3das Essen von Gesäuertem dem Essen des Ungesäuerten, denn es heißt:nichts Gesäuertes dürft ihr essen; überall, wo ihr auch wohnt, sollt ihr Ungesäuertes essen &c., und vom Ungesäuerten heißt es:am Abend sollt ihr Ungesäuertes essen. –

4Vielleicht schließt dies die Nacht zum vierzehnten hinsichtlich der Fortschaffung ein!? – Es heißt: am Tage. –

5Vielleicht vom Morgen an!? – Das nur ist teilend.

6In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Wir finden, daß der vierzehnte ‘erster’ genannt wird, denn es heißt:am ersten, am vierzehnten des Monats. R. Naḥman b. Jiçḥaq erklärte: Unter ‘ersten’ ist der vorangehende [Tag] zu verstehen, denn so heißt es auch:du bist der erste, vor dem Menschen geboren. –

7Es heißt ja aber:ihr sollt am ersten Tage nehmen, ist etwa auch hierbei der vorangehende Tag zu verstehen!? –

8Da ist es anders; es heißt:ihr sollt sieben Tage vor dem Herrn, euerem Gott, fröhlich sein; wie ‘sieben’ der siebente [Tag] des Festes, ebenso ‘erster’ der erste [Tag] des Festes. –

9Aber auch hierbei heißt es ja:nur sollt ihr am ersten Tage fortschaffen &c., sieben Tage sollt ihr Ungesäuertes essen!? – Es könnte ja erster heißen, wenn es aber dererste heißt, so ist hieraus das zu entnehmen, was wir gesagt haben. –

10Weshalb heißt es demnach dortder erste!? Ferner: es heißt: der erste Tag ist ein Ruhetag, und der achte Tag ist ein Ruhetag; vielleicht auch hier der vorangehende Tag!? – Da ist es anders; die Schrift sagt: und der achte Tag ist ein Ruhetag, wie ‘achter’ der achte Tag des Festes, ebenso ‘erster’ der erste Tag des Festes. –

11Wozu heißt es der erste!? – Dies schließt das Halbfest aus. – Hinsichtlich des Halbfestes geht es ja aus [der Angabe] erster und achter hervor!? –

12Dies ist nötig; man könnte glauben, da der Allbarmherzige geschrieben hat: und der achte Tag, so verbinde dieses und mit dem vorangehenden, daß dies auch vom Halbfeste gelte, so lehrt er uns. –

13Sollte doch der Allbarmherzige weder das und noch das der schreiben!? Ferner: da heißt es:am ersten Tage ist Festversammlung; ist etwa auch da der vorangehende Tag gemeint!? –

14Vielmehr, diese drei ‘ersten’sind wegen einer Lehre der Schule R. Jišma͑éls nötig, denn in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Als Belohnung für die drei ‘ersten’ wurden ihnen drei ‘erste’ beschieden: die Ausrottung der Kinder E͑savs, die Erbauung des Tempels und der Name des Messias.

15Die Ausrottung der Kinder E͑savs, denn es heißt:da kam der erste heraus, rötlich, ganz und gar, wie ein haariger Mantel. Die Erbauung des Tempels, denn es heißt:o Thron der Herrlichkeit, erhaben vom Ersten [vom Anfang] an, Stätte unseres Heiligtums. Der Name des Messias, denn es heißt:als erster zu Çijon: siehe, da sind sie.

16Raba entnimmt dies aus folgendem:Du sollst das Blut meiner Opfer nicht zu Ungesäuertem schlachten: du sollst das Pesaḥopfer nicht schlachten, solange noch Ungesäuertes vorhanden ist. –

17Vielleicht jeder vor seinem Schlachten!? – Der Allbarmherzige spricht von der Zeit des Schlachtens.

18Desgleichen wird gelehrt: Nur sollt ihr am ersten Tage allen Sauerteig aus eueren Wohnungen fortschaffen; schon am Vorabend des Festes. – Vielleicht ist dem nicht so, sondern erst am Feste selbst!? – Es heißt: du sollst das Blut meiner Opfer nicht zu Ungesäuertem schlachten; du sollst das Pesaḥopfer nicht schlachten, solange noch Ungesäuertes vorhanden ist – so R. Jišma͑él.

19R. A͑qiba sagte: Dies ist nicht nötig; es heißt: nur sollt ihr am ersten Tage allen Sauerteig aus eueren Wohnungen fortschaffen, ferner heißt es:keinerlei Arbeit darf an ihnen verrichtet werden, und wir finden, daß das Verbrenneneine Hauptarbeit ist,

20R. Jose sagte: Dies ist nicht nötig; es heißt: nur sollt ihr am ersten Tage allen Sauerteig fortschaffen; schon am Vorabend des Festes. – Vielleicht ist dem nicht so, sondern erst am Feste!? – Es heißt nur, teilend, und am Feste selbst ist es ja nicht erlaubt, denn die Fortschaffung des Sauerteigs gleicht dem Essen von Gesäuertem, und das Essen von Gesäuertem gleicht dem Essen des Ungesäuerten. Raba sagte:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.