Pessachim — Blatt 5b
1Aus den Worten R. A͑qibas ist dreierlei zu entnehmen: es ist zu entnehmen, daß die Fortschaffung des Gesäuerten nur durch Verbrennen erfolgen müsse; es ist zu entnehmen, daß das Feueranzünden zur Sonderung [der Arbeiten] hervorgehoben wurde; und es ist zu entnehmen, daß wir nicht sagen, da das Feueranzünden erlaubt ist, wo dies nötig ist, sei es auch unnötig erlaubt.
2Die Rabbanan lehrten:Sieben Tage hindurch darf kein Sauerteig in eueren Wohnungen zu finden sein; wozu ist dies nötig, wo es schon heißt:es darf kein Sauerteig und kein Gesäuertes bei dir zu sehen sein in deinem ganzen Bereiche?
3Aus den Worten: es darf kein Sauerteig und kein Gesäuertes bei dir zu sehen sein, könnte man folgern, du darfst nur deines nicht sehen, wohl aber darfst du das sehen, was einem Fremdenoder Gott gehört, somit könnte man glauben, man dürfe es verstecken oder von einem Nichtjuden in Verwahrung nehmen, so heißt es: nicht zu finden.
4Ich weiß dies nur von einem Nichtjuden, den du dir nicht unterworfen hast, und der nicht mit dir in einem Hofe weilt, woher dies von einem Nichtjuden, den du dir unterworfen hast, und der mit dir in einem Hofe weilt? Es heißt: kein &c. in eueren Wohnungen zu finden.
5Ich weiß dies nur von Wohnungen, woher dies von Gruben, Gräben und Höhlen? Es heißt: in deinem ganzen Bereiche.
6Aber immerhin könnte ich noch sagen, wenn in seinem Hause, übertrete man das Verbot ‘nicht zu sehen und nicht zu finden’, es nicht zu verstecken und es nicht von einem Nichtjuden in Verwahrung zu nehmen, in seinem Bereiche aber dürfe man nur eigenes nicht sehen, wohl aber dürfe man sehen, was Fremden oder Gott gehört; woher nun, daß das, was von diesem gesagt wird, auch auf jenes, und was von jenem gesagt wird, auch auf dieses zu beziehen ist?
7[Das Wort] Sauerteig dient als Wortanalogie. Hinsichtlich der Wohnungen heißt es Sauerteig: kein Sauerteig darf in eueren Wohnungen zu finden sein, und hinsichtlich des Bereiches heißt es ebenfalls Sauerteig: es darf kein Sauerteig bei dir zu sehen sein; wie man nun bei Wohnungen, wobei es Sauerteig heißt, das Verbot ‘nicht zu sehen und nicht zu finden’, es nicht zu verstecken und es nicht von einem Nichtjuden in Verwahrung zu nehmen, übertritt, ebenso gilt beim Bereiche, wobei es Sauerteig heißt, das Verbot, ‘nicht zu sehen und nicht zu finden’, es nicht zu verstecken und es nicht von einem Nichtjuden in Verwahrung zu nehmen.
8Und wie du ferner im Bereiche, wobei es Sauerteig heißt, nur deines nicht sehen darfst, wohl aber sehen darfst, was Fremden oder Gott gehört, ebenso darfst du in den Wohnungen, wobei es Sauerteig heißt, nur deines nicht sehen, wohl aber darfst du sehen, was Fremden oder Gott gehört.
9Der Meister sagte: Ich weiß dies nur von einem Nichtjuden, den du dir nicht unterworfen hast, und der nicht mit dir in einem Hofe weilt, woher dies von einem Nichtjuden, den du dir unterworfen hast, und der mit dir in einem Hofe weilt? Es heißt: nicht zu finden.
10Wohin damit!? Abajje erwiderte: Wende es um.
11Raba erwiderte: Du brauchst es nicht umzuwenden, denn dies bezieht sich auf den Anfangssatz: Deines darfst du nicht sehen, wohl aber darfst du sehen, was Fremden oder Gott gehört. Ich weiß dies also von einem Nichtjuden, den du dir nicht unterworfen hast, und der nicht mit dir in einem Hofe weilt, woher dies von einem Nichtjuden, den du dir unterworfen hast, und der mit dir in einem Hofe weilt? Es heißt: nicht zu finden. –
12Dieser Tanna will eine Erleichterung eruieren und beruft sich auf einen erschwerenden Schriftvers!? – Weil es in diesem zweimal dir heißt.
13Der Meister sagte: Man könnte glauben, man dürfe es verstecken oder von einem Nichtjuden in Verwahrung nehmen, so heißt es: nicht zu finden. Aber im Anfangssatze sagtest du ja: deines darfst du nicht sehen, wohl aber darfst du das sehen, was Fremden oder Gott gehört!? –
14Das ist kein Widerspruch; das eine, wenn man Bürgschaft übernommen hat, das andere, wenn man keine Bürgschaft übernommen hat.
15So sprach Raba einst zu den Leuten von Maḥoza: Schaffet das Gesäuerte der Kriegsleute aus eueren Wohnungen; da ihr ersatzpflichtig seid, wenn es in euerem Besitze gestohlen wird oder abhanden kommt, so gleicht es euerem und ist somit verboten. –
16Allerdings nach demjenigen, welcher sagt, was Geld vertritt, gleiche dem Gelde, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, es gleiche nicht dem Gelde!? –
17Anders ist es hierbei, wo es heißt: nicht zu finden.
18Manche lesen: Allerdings sind [die Worte] nicht zu finden nach demjenigen nötig, welcher sagt, was Geld vertritt, gleiche nicht dem Gelde, wozu aber heißt es nicht zu finden nach demjenigen, welcher sagt, es gleiche wohl dem Gelde!? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.