Pessachim — Blatt 64a

1Hier besteht ein Widerspruch sowohl hinsichtlich des Abkneifens als auch hinsichtlich des Aufräucherns!? –

2Auch nach deiner Auffassung widerspricht ja diese Lehre sich selbst: zuerst heißt es, dies gelte nur vom Pesaḥopfer, und darauf lehrt er, sowohl der Schlachtende als auch der Sprengende als auch der Abkneifende als auch der Besprengende [sei schuldig]!?

3Beide vielmehr nach R. Šimo͑n; hinsichtlich des Abkneifens besteht kein Widerspruch, denn die eine gilt vom vierzehnten und die andere vom Halbfeste, beide nach R. Šimo͑n,

4und hinsichtlich des Aufräucherns besteht ebenfalls kein Widerspruch, denn [darüber streiten] Tannaím: es gibt jemand, der das Aufräuchern mit dem Schlachten vergleicht, und es gibt jemand, der sie nicht miteinander vergleicht.

5R. JEHUDA SAGT, DIES GELTE AUCH VOM BESTÄNDIGEN OPFER &C. Was ist der Grund R. Jehudas? – Er kann dir erwidern:mein Opfer, das für mich bestimmte Opfer, das ist das beständige Opfer.

6R. ŠIMO͑N SAGTE: AM VIERZEHNTEN IST MAN WEGEN DES PESAḤOPFERS &C. Was ist der Grund R. Šimo͑ns? – Es heißt zweimal mein Opfer, und man lese [statt dessen]: Opfer, meine Opfer. –

7Weshalb hat sie demnach der Allbarmherzige geteilt und nicht meine Opfer geschrieben? – Dies besagt, daß man zur Zeit, wo dieses Opferdargebracht wird, wegen anderer nicht schuldig sei, und zur Zeit, wo dieses Opfer nicht dargebracht wird, wegen anderer schuldig sei.

8AM FESTE IST MAN, WENN AUF SEINEN NAMEN, FREI &C. Nur wenn auf einen anderen Namen, ohne Bestimmung aber ist man frei.

9Weshalb denn, das Pesaḥopfer ist ja an den übrigen Tagen des Jahres Heilsopfer!? Hieraus wäre demnach zu entnehmen, daß das Pesaḥopfer an den übrigen Tagen des Jahres einer Aufhebungbedarf?

10R. Ḥija b.Gamda erwiderte: Aus dem Munde des Kollegiums kam es hervor, und sie erklärten: Wenn der Eigentümer leichenunrein war und [die Darbringung] auf das zweite Pesaḥfestaufgeschoben wurde, sodaß es auch ohne Bestimmung als Pesaḥopfer gilt.

11DAS PESAḤOPFER WURDE IN DREI GRUPPEN GESCHLACHTET, DENN ES HEISST: die ganze Versammlung der Gemeinde Jisraéls soll es schlachten: VERSAMMLUNG, GEMEINDE UND JISRAÉL. DIE ERSTE GRUPPE TRAT EIN, DER TEMPELHOF FÜLLTE SICH, UND DIE TÜREN DES TEMPELHOFES WURDEN GESCHLOSSEN. DARAUF WURDE IN DIE POSAUNE GESTOSSEN, GETRILLERTUND WIEDERUM GESTOSSEN.

12DIE PRIESTER STANDEN IN REIHEN MIT SILBERNEN UND GOLDENEN SCHALEN IN DER HAND; MANCHE REIHE GANZ SILBER UND MANCHE REIHE GANZ GOLD, ABER NICHT GEMISCHT. DIE SCHALEN HATTEN KEINE FLACHEN BÖDEN, DAMIT MAN SIE NICHT HINSTELLE UND DAS BLUT GERINNEN LASSE.

13DER JISRAÉLIT SCHLACHTETE, UND EIN PRIESTER NAHM [DAS BLUT] AUF, DAS ER SEINEM NÄCHSTEN REICHTE UND DER NÄCHSTE SEINEM NÄCHSTEN, SODASS JEDER DIE GEFÜLLTE [SCHALE] ABNAHM UND DIE LEERE ZURÜCKREICHTE, UND DER DEM ALTAR AM NÄCHSTEN STEHENDE PRIESTER SCHÜTTETE [DAS BLUT] MIT EINEM WURF GEGEN DEN ALTARGRUND.

14KAM DIE ERSTE GRUPPE HERAUS, SO TRAT DIE ZWEITE EIN, KAM DIE ZWEITE HERAUS, SO TRAT DIE DRITTE EIN; WIE DIE ERSTE, SO VERFUHREN AUCH DIE ZWEITE UND DIE DRITTE. SIE LASEN DANN DAS LOBLIED, UND HATTEN SIE ESBEENDET, SO WIEDERHOLTEN SIE ES, UND HATTEN SIE ES WIEDERHOLT, SO LASEN SIE ES ZUM DRITTEN MALE; DOCH HATTEN SIE ES LEBTAGS NOCH NIE DREIMALGELESEN. R. JEHUDA SAGTE: NOCH NIE IM LEBEN GELANGTE DIE DRITTE GRUPPE ZUM ABSCHNITTE ‘ESIST MIR LIEB, DASS DER HERR ERHÖRT’, WEIL IHRE MENGE GERING WAR.

15WIE AM WOCHENTAGE, SO AUCH AM ŠABBATH, NUR DASS DANN DIE PRIESTER GEGEN DEN WILLEN DER WEISEN DEN TEMPELHOF SPÜLTEN. R. JEHUDA SAGTE: MAN FÜLLTE EINEN BECHER VOM VERMISCHTEN BLUTEUND SCHÜTTETE IHN MIT EINEM WURF AUF DEN ALTAR. DIE WEISEN ABER PFLICHTETEN IHM NICHT BEI.

16WIE WURDEN [DIE OPFER] ANGEHÄNGT UND ABGEHÄUTET? AN DEN WÄNDEN UND AN SÄULEN WAREN EISERNE HAKEN, AN DENEN SIE ANGEHÄNGT UND ABGEHÄUTET WURDEN, UND FÜR DIE, DIE KEINEN PLATZ ZUM ANHÄNGEN UND ABHÄUTEN HATTEN, WAREN DA DÜNNE, GLATTE STÄBE, DIE SIE AUF DIE EIGENE SCHULTER UND AUF DIE IHRES NÄCHSTEN LEGTEN, UND AUF DIESE HÄNGTEN SIE [DIE OPFER] UND HÄUTETEN SIE AB. R. ELIE͑ZER SAGTE: FIEL DER VIERZEHNTE AUF EINEN

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.