Pessachim — Blatt 64b
1ŠABBATH, SO LEGTE EINER SEINE HAND AUF DIE SCHULTER SEINES NÄCHSTEN UND DIE HAND SEINES NÄCHSTEN AUF SEINE SCHULTER, UND SO HÄNGTE ER ES AN UND HÄUTETE ES AB. MAN SCHLITZTE [DAS OPFER] AUF, NAHM DIE OPFERTEILE HERAUS, LEGTE SIE IN EINE SCHÜSSEL UND RÄUCHERTE SIE AUF DEM ALTAR AUF.
2KAMDIE ERSTE GRUPPE HERAUS, SO LIESS SIE SICH AUF DEM TEMPELBERGE NIEDER, DIE ZWEITE IM ḤELUND DIE DRITTE BLIEB AUF IHREM PLATZE; BEI DUNKELHEIT GINGEN SIE FORT UND BRIETEN IHRE PESAḤOPFER.
3GEMARA. R. Jiçḥaq sagte: Das Pesaḥopfer ist nur in drei Gruppen von [mindestens] je dreißig Personen zu schlachten. – Aus welchem Grunde? – [Hierbei heißt es] Versammlung, Gemeinde und Jisraél, und da es uns zweifelhaft ist, ob zusammen oder hintereinander,
4so sind drei Gruppen von je dreißig Personen erforderlich, sodaß siesowohl zusammen als auch hintereinander vorhanden sind. Daher genügen auch fünfzig; wenn nämlich dreißig eintreten und zehnherauskommen, dann zehn andere eintreten und zehn herauskommen.
5DIE ERSTE GRUPPE TRAT EIN &C. ES wurde gelehrt: Abajje sagt, es heiße ‘wurden geschlossen’, und Raba sagt, es heiße ‘man schloß’. –
6Welcher Unterschied besteht zwischen ihnen? – Ein Unterschied besteht zwischen ihnen, ob man sich auf ein Wunder verlasse. Abajje sagte, es heiße ‘wurden geschlossen’, denn man ließ alleeintreten, indem man sich auf ein Wunder verließ; Raba sagte, es heiße ‘man schloß’, weil man sich nicht auf ein Wunder verließ.
7Wir haben gelernt: R. Jehuda sagte: Behüte und bewahre, daß A͑qabja b. Mahalalél in den Bann getan worden sei, denn unter allen Männern Jisraéls, hinter denen der Tempelhof geschlossen wurde, gab es keinen, der A͑qabja b. Mahalalél in Weisheit und Sündenscheu gliche. Dies erklärt Abajje nach seiner Ansicht und Raba nach seiner Ansicht. Abajje erklärt dies nach seiner Ansicht: es gab im Tempelhofe, wenn er hinter ganz Jisraél geschlossen wurde, keinen, der A͑qabja b. Mahalalél in Weisheit und Sündenscheu gliche. Raba erklärt dies nach seiner Ansicht: es gab im Tempelhofe, wenn man ihn hinter ganz Jisraél schloß, keinen, der A͑qabja b. Mahalalél in Weisheit und Sündenscheu gliche.
8Die Rabbanan lehrten: Nie wurde jemand im Tempelhofe zerquetscht, außer an einem Pesaḥfeste zur Zeit Hillels, an dem ein Greis zerquetscht ward; dieses nannte man ‘Pesaḥfest der Zerquetschten’.
9Die Rabbanan lehrten: Einst wollte der König Agrippa seine Augen auf die Scharen Jisraélsrichten. Da sprach er zum Hochpriester: Richte deine Augen auf die Pesaḥopfer. Da nahm er von jedem eine Niere, und es fanden sich da sechzig Myriaden Nierenpaare, doppelt soviel als die Auszügler aus Miçrajim, abzüglich der Unreinen und der auf einer weiten Heise Befindlichen; und du hast kein Pesaḥlamm, an dem nicht mehr als zehn Personen beteiligt wären. Dieses nannte man ‘das Pesaḥfest der dichtenMengen’. –
10Wieso nahm er eine Niere fort, diese muß ja aufgeräuchert werden!? – Nachher wurden sie auch aufgeräuchert. – Es heißt ja aber:er räuchere es auf, man darf die Fettstücke des einen [Opfers] nicht mit denen eines anderen vermischen!? –
11Er ließ sie nachher einzeln aufräuchern. – Es wird ja aber gelehrt:Er räuchere sie auf, alle [Opferteile] zusammen!? – Vielmehr, er hielt sie nur an, bis dafür ein [Zählzeichen] hingelegt wurde.
12DIE PRIESTER STANDEN IN REIHEN &C. Aus welchem Grunde: wollte man sagen, weil sie goldene [Schalen] nehmen und silberne zurückgeben könnten, so könnten sie ja ebenso eine im Werte von zweihundert [ ] nehmen und eine im Werte von hundert zurückgeben!? – Vielmehr, so war es schöner.
13DIE SCHALEN HATTEN KEINE FLACHEN BÖDEN &C. Die Rabbanan lehrten: Sämtliche Schalen im Tempel hatten keine flachen Böden, mit Ausnahme der Weihrauchschalen zu den Schaubroten, damit nicht beim Hinstellen die Brotezerbrechen.
14DER JISRAÉLIT SCHLACHTETE UND EIN PRIESTER NAHM [DAS BLUT] AUF &C. Kann es denn nicht ohne Jisraéliten gehen? – Dies lehrt er uns eben, daß ein Laie beim Schlachten zulässig sei. «Ein Priester nahm es auf.» Damit lehrt er uns, daß es von der [Blut]aufnahme ab durch die Priesterschaft erfolgen müsse.
15«Das er seinem Nächsten reichte.» Hieraus wäre also zu entnehmen, daß das Hinbringen ohne [Tätigkeit der] Füßeals Hinbringen gelte!? – Vielleicht bewegte er sich ein wenig. – Was lehrt er uns demnach!? – Folgendes lehrt er uns:in der Menge des Volkes ist des Königs Herrlichkeit.
16SODASS JEDER DIE GEFÜLLTE [SCHALE] NAHM UND DIE LEERE HINREICHTE &C. Umgekehrtaber nicht; dies wäre also eine Stütze für R. Šimo͑n b. Laqiš, denn R. Šimo͑n b. Laqiš sagte, man dürfe an gottgefälligen Handlungen nicht vorübergehen.
17DER DEM ALTAR AM NÄCHSTEN STEHENDE PRIESTER &C. Wer lehrte, [das Blut] des Pesaḥopfers müsse geschüttetwerden? R. Ḥisda erwiderte: Es ist R. Jose der Galiläer.
18Es wird nämlich gelehrt: R. Jose der Galiläer sagte:Ihr Blut sollst du an den Altar sprengenund ihr Fett aufräuchern; es heißt nicht sein Blut, sondern ihr Blut, und es heißt nicht sein Fett, sondern ihr Fett, dies lehrt, daß bei der Erstgeburt, beim Zehnten und beim Pesaḥopfer Blutsprengen und [Aufräuchern] der Opferteile auf dem Altar erforderlich sind. –
19Woher, daß es auf dem Altargrund erfolgen müsse? R. Elea͑zar erwiderte: Dies ist [durch das Wort] sprengen vom Brandopfer zu entnehmen. Hierbei heißt es: ihr Blut sollst du an den Altar sprengen, und dortheißt es: die Söhne Ahrons, die Priester, sollen das Blut ringsum an den Altar sprengen; wie es beim Brandopfer auf den Altargrund erfolgen muß, ebenso muß es beim Pesaḥopfer auf den Altargrund erfolgen. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.