Pessachim — Blatt 67a
1Vielmehr: du hast eine Zeit, in der Flußbehaftete und Aussätzige hinausgeschafft werden, nicht aber Leichenunreine, wenn nämlich das Pesaḥopfer in Unreinheit dargebracht wird.
2Abajje sprach: Demnach sollte es von Flußbehafteten und Leichen unrein en und nicht von Aussätzigen gesagt werden, denn ich würde gefolgert haben: wenn ein Flußbehafteter hinausgeschafft wird, um wieviel mehr ein Aussätziger, somit wäre zu eruieren: du hast eine Zeit, in der Aussätzige hinausgeschafft werden, nicht aber Flußbehaftete und Leichenunreine, wenn nämlich das Pesaḥopfer in Unreinheit dargebracht wird!?
3Wolltest du sagen, dem sei auch so, so haben wir ja gelernt, männliche oder weibliche Flußbehaftete, Menstruierende und Wöchnerinnen dürfen vom in Unreinheit dargebrachten Pesaḥopfer nicht essen, jedoch seien sie frei, wenn sie davon gegessen haben!?
4Vielmehr, erklärte Abajje, ist dies tatsächlich aus dem zuerst angeführten Schriftverse zu entnehmen. Der Allbarmherzige sollte ja geschrieben haben: wenn irgend einer unrein sein sollte, wozu heißt es, durch eine Leiche?
5Wolltest du erwidern, [die Worte] durch eine Leiche deuten darauf, daß nur der Leichenunreine zum zweiten Pesaḥfeste zurückgesetzt werde, nicht aber andere Unreine, so wird ja gelehrt: Man könnte glauben, daß nur Leichenunreine und auf einer weilen Reise Befindliche das zweite Pesaḥfest bereiten müssen, woher dies von Flußbehafteten. Aussätzigen und Menstruierenden Beiwohnenden? Es heißt: irgend einer. Wenn nun der Allbarmherzige noch schreibt: durch eine Leiche,
6so meint er es wie folgt: nur einer wird zum zweiten Pesaḥfeste zurückgesetzt, nicht aber wird eine Gemeinde zum zweiten Pesaḥfeste zurückgesetzt, sondern sie richte es in Unreinheit her; jedoch erstreckt sich dies nur auf Leichenunreine, andere Unreine dürfen es aber nicht.
7R. Ḥisda sagte: Wenn ein Aussätziger das Innere seiner Abgrenzung betritt, so ist erstraffrei, denn es heißt:abgesondert soll er wohnen, außerhalb des Lagers soll sein Aufenthalt sein.
8Abgesondert soll er wohnen, er muß allein wohnen; außerhalb des Lagers soll sein Aufenthalt sein, die Schrift hat es in ein Gebot umgewandelt.
9Man wandte ein: Wenn ein Aussätziger das Innere seiner Abgrenzung betritt, [so erhält er] die vierzig [Geißelhiebe]; wenn männliche oder weibliche Flußbehaftete das Innere ihrer Abgrenzungbetreten, [so erhalten sie] die vierzig [Geißelhiebe]. Ein Leichen unreiner darf sogar in das levitische Lager kommen,
10und sie sagten es nicht nur von einem Leichenunreinen, sondern sogar die Leiche selbst, denn es heißt:da nahm Mošedie Gebeine Josephs mit sich, mit sich in seine Abgrenzung!? –
11Hierüber streiten Tannaím, denn es wird gelehrt: Abgesondert soll er wohnen, er muß einsam wohnen; andere Unreine dürfen nicht mit ihm zusammenwohnen. Man könnte glauben, Flußbehaftete und Leichenunreine seien nach einem Lager zu schaffen, so heißt es:sie sollen ihreLager nicht verunreinigen, ein Lager für diese und ein Lager für jene – so R. Jehuda.
12R. Šimo͑n sagte: Dies ist nicht nötig. Es heißt:sie sollen jeden Aussätzigen, jeden Flußbehafteten und jeden Leichenunreinen aus dem Lager hinausschaffen. Sollte dies nur von einem Leichenunreinen gesagt werden und nicht vom Flußbehafteten, und ich würde gefolgert haben: wenn Leichenunreine hinausgeschafft werden, um wieviel mehrFlußbehaftete!? Wenn Flußbehaftete dennoch genannt werden, so deutet dies, daß für sie ein zweites Lager erforderlich sei.
13Ferner sollte dies nur von Flußbehafteten gesagt werden und nicht von Aussätzigen, und ich würde gefolgert haben: wenn Flußbehaftete hinausgeschafft werden, um wieviel mehr Aussätzige!? Wenn Aussätzige dennoch genannt werden, so deutet dies, daß für sie ein drittes Lager erforderlich sei. Und wenn es weiter heißt: abgesondert soll er wohnen, so hat die Schrift es in ein Gebot umgewandelt. –
14Womit ist die [Unreinheit] des Flußbehafteten schwerer als die des Leichenunreinen? – Die Unreinheit kommt aus seinem Körper. – Im Gegenteil, die des Leichenunreinen ist ja schwerer, denn er benötigt der Besprengung am dritten und am siebenten!? –
15Die Schrift sagt: Unreinen und jeden (Unreinen), dies schließt auch den Kriechtierunreinen ein, und die [Unreinheit] des Flußbehafteten ist schwerer als die des Kriechtierunreinen. –
16Womit ist sie schwerer? – Wie wir vorhin gesagt haben. – Im Gegenteil, die des Kriechtierunreinen ist ja schwerer, denn er ist auch unverschuldetunrein!? – Ich will dir sagen,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.