Pessachim — Blatt 68b
1DIE AUFRÄUCHERUNG DER FETTSTÜCKE &C. ES wird gelehrt: R. Šimo͑n sagte: Komm und sieh, wie beliebt ein Gebot zur bestimmten Zeit ist: die Aufräucherung der Fettstücke, der Opferteile und des Schmeeres ist ja die ganze Nacht zulässig, dennoch wartet man [am Šabbath] damit nicht, bis es finster ist.
2DAS HINTRAGEN UND DIE HERBEISCHAFFUNG &C. Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Man darf im Tempel eine Blatter ablösen, nicht aber in der Provinz; mit einem Geräte ist es da und dort verboten!? –
3R. Elea͑zar und R. Jose b. Ḥanina [erklärten es]. Einer erklärte, diese und jene Lehre spreche von der Ablösung mit der Hand, dennoch bestehe hier kein Widerspruch, denn diese spreche von einer feuchten und jene von einer trockenen [Blatter]. Und einer erklärte, beide sprechen von einer feuchten, dennoch bestehe hier kein Widerspruch, denn jene spreche von [der Ablösung] mit der Hand und diese [von der Ablösung] mit einem Geräte. –
4Weshalb erklärt derjenige, nach dem jene [von der Ablösung] mit der Hand und diese [von der Ablösung] mit einem Geräte spricht, nicht, daß beide [von der Ablösung] mit der Hand sprechen, nur spreche diese von einer feuchten und jene von einer trockenen [Blatter]? – Er kann dir erwidern: eine trockene bröckelt ja ab. –
5Weshalb erklärt derjenige, nach dem beide [von der Ablösung] mit der Hand sprechen, nur spreche diese von einer feuchten und jene von einer trockenen [Blatter], nicht, daß beide von einer feuchten sprechen, nur spreche jene [von der Ablösung] mit der Hand und diese [von der Ablösung] mit einem Geräte? – Er kann dir erwidern: von [der Ablösung] mit einem Geräte wird ja dort ausdrücklich gelehrt: mit einem Geräte ist es überall verboten. –
6Und jener!? – Er lehrt es hier deshalb [abermals], um uns den Streit zwischen R. Elie͑zer und R. Jehošua͑ zu lehren.
7R. ELIE͑ZER SPRACH: WENN DAS SCHLACHTEN &C. R. Jehošua͑ vertritt hierbei seine Ansicht, daß die Festfreude Gebot sei.
8Es wird nämlich gelehrt: R. Elie͑zer sagte, am Feste tue man nichts als nur essen und trinken, oder nur sitzen und lernen; R. Jehošua͑ sagte, man teile ihn: die Hälfte für das Essen und Trinken und die Hälfte für das Lehrhaus.
9R. Joḥanan sagte: Beide folgern sie es aus denselben Schriftversen; ein Schriftvers lautet: eine Festversammlung für den Herrn, deinen Gott, dagegen lautet ein anderer: eine Festversammlung für euch; R. Elie͑zer erklärt: entweder ausschließlich für den Herrn oder ausschließlich für euch; und R. Jehošua͑ erklärt: man teile ihn, die Hälfte für den Herrn und die Hälfte für euch.
10R. Elea͑zar sagte: Alle stimmen überein, daß man sich am Wochenfeste auch der eigenen Freude hingeben müsse, weil an diesem Tage die Tora verliehen wurde. Rabba sagte: Alle stimmen überein, daß man sich am Šabbath auch der eigenen Freude hingeben müsse, denn es heißt: du sollst den Šabbath eine Wonne nennen. R. Joseph sagte: Alle stimmen überein, daß man sich am Purimfeste auch der eigenen Freude hingeben müsse, denn es heißt von diesem:Tage der Gasterei und Freude.
11Mar, der Sohn Rabinas, pflegte das ganze Jahr in Fasten zu verweilen, nur nicht am Wochenfeste, am Purimfeste und am Vorabend des Versöhnungstages. Am Wochenfeste, weil an diesem Tage die Tora verliehen wurde; am Purimfeste, weil es von diesem heißt: Tage der Gasterei und der Freude; am Vorabend des Versöhnungstages, denn Ḥija b. Rabh aus Diphte lehrte: Ihr sollt am neunten des Monats euere Leiber kasteien; fastet man etwa am neunten, man fastet ja am zehnten!? Dies besagt dir vielmehr, daß die Schrift jedem, der am neunten ißt und trinkt, es anrechnet, als faste er am neunten und am zehnten.
12R. Joseph pflegte am Wochenfeste zu bestimmen, daß man ihm ein Drittlingskalbherrichte, denn er sagte: Wenn nicht das Ereignis dieses Tages, wie viele Joseph gibt es auf der Straße
13R. Šešeth wiederholte alle dreißig Tage sein Studium, lehnte sich dann an den Türriegel und sprach: Freue dich, meine Seele, freue dich, meine Seele, für dich habe ich die Schrift gelesen, für dich habe ich [die Mišna] gelernt. – Demist ja aber nicht so, R. Elea͑zar sagte ja, wenn nicht die Tora, würden Himmel und Erde nicht bestehen, denn es heißt: wenn nicht mein Bund bei Tage und bei Nacht, so würde ich die Gesetze des Himmels und der Erde nicht gemacht haben!? – Zunächst tut dies jeder für sich.
14R. Aši sagte: Auch nach R. Elie͑zer, welcher sagt, die Festfreude sei freigestellt, ist [seine Erwiderung] zu widerlegen: wenn am Feste, an dem die freigestellte Arbeit erlaubt ist, das, was des Feierns wegen [verboten] ist, nicht erlaubt ist, um wieviel weniger ist dies am Šabbath erlaubt, an dem nur eine Arbeit zur Ausübung eines Gebotes erlaubt ist. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.