Pessachim — Blatt 6b
1Moše lehrte während des ersten Pesaḥfestes über das zweitePesaḥfest, denn es heißt:es waren aber Männer vorhanden, die leichenunrein waren. –
2Und R. Šimo͑n b.Gamliél!? – Er kann dir erwidern: da er sich mit dem Pesaḥfeste befaßte, lehrte er auch alles, was damit zusammenhängt. –
3Was ist der Grund des R. Šimo͑n b.Gamliél? – Moše lehrte am Neumond über das Pesaḥfest, denn es heißt:dieser Monat soll für euch an der Spitze der Monate stehen, und darauf folgt: sprechet zu der ganzen Gemeinde Jisraél folgendermaßen: Am zehnten dieses Monats soll sich ein jeder ein Lamm verschaffen, für jede einzelne Familie &c. –
4Woher, daß es am Neumond war, vielleicht am vierten oder fünften des Monats!?
5Vielmehr, erklärte R. Šimi b.Aši im Namen Rabinas, aus folgendem:da sprach der Herr zu Moše in der Wüste Sinaj im zweiten Jahre, im ersten Monat, und darauf folgt:die Kinder Jisraél sollen das Pesaḥfest zur festgesetzten Zeit feiern. – Woher, daß dies am Neumond war, vielleicht erst am vierten oder am fünften des Monats!?
6R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Dies ist aus [dem Worte] Wüste zu entnehmen; hier heißt es: in der Wüste Sinaj, und dortheißt es: da sprach der Herr zu Moše in der Wüste Sinaj, im Offenbarungszelte, am ersten des zweiten Monats; wie dort am Neumond, ebenso hier am Neumond. –
7Sollte er doch zuerst [das Ereignis] des ersten Monats und nachher das des zweiten Monatsaufgezeichnet haben!? R. Menasja b. Taḥlipha erwiderte im Namen Rabhs: Dies besagt, daß es in der Tora kein Früher oder Später gebe.
8R. Papa sagte: Dies gilt nur von zwei verschiedenen Themen, bei einem Thema aber gilt das, was früher steht, als früher, und das, was später steht, als später. Wieso gilt es, wolltest du nicht so sagen, [als Regel,] daß, wenn auf eine Generalisierung eine Spezialisierung folgt, die Generalisierung nur das enthalte, was die Spezialisierung nennt, vielleicht hat die Generalisierung der Spezialisierung zu folgen!?
9Und wieso gilt es ferner [als Regel], daß, wenn auf eine Spezialisierung eine Generalisierung folgt, die Generalisierung eine Hinzufügung zur Spezialisierung sei, vielleicht hat die Spezialisierung der Generalisierung zu folgen!? –
10Demnach sollte dies auch bei zwei Themen gelten!? Allerdings stimmt dies nach demjenigen, welcher sagt, daß, wenn die Generalisierung und die Spezialisierung von einander entfernt sind, man [die Regel] von Generalisierung und Spezialisierung nicht anwende, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, man wende sie wohl an!? –
11Auch nach demjenigen, welcher sagt, man wende sie an, gilt dies nur von einem Thema, bei zwei Themen aber wende man sie nicht an.
12R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Der Durchsuchende muß [das Gesäuerte] aufgeben. – Aus welchem Grunde: wollte man sagen, wegen der Brocken, so sind sie ja wertlos,
13und wenn du entgegnest, sie haben dadurch einen Wert, weil sie in der Wohnung mitverwahrt werden, so wird ja gelehrt, daß, wenn auf einem wegen der Weintrauben bewachten Felde sich Reste von Feigenbefinden oder auf einem wegen der Gurken und Kürbisse bewachten Felde sich Reste von Weintraubenbefinden, sie,
14wenn der Eigentümer auf sie achtet, [Fremden] als Raub verboten und zehntpflichtig seien, und wenn der Eigentümer auf sie nicht achtet, nicht als Raub verboten und zehntfrei seien!?
15Raba erwiderte: Mit Rücksicht darauf, er könnte eine gute Semmel finden, auf die er noch achtet. – Er kann sie ja dann aufgeben, erst wenn er sie findet!? –
16Vielleicht findet er sie nach dem [Inkrafttreten des] Verbotes, wo sie nicht mehr in seinem Besitze ist und er sie nicht aufgeben kann. R. Elea͑zar sagte nämlich: Zwei Dinge sind nicht im Besitze des Menschen, und die Schrift machte [ihn verantwortlich], als wären sie in seinem Besitze, und zwar: eine Grube auf öffentlichem Gebieteund Gesäuertes von der sechsten Stunde ab. –
17Soll er es doch in der vierten oder fünften Stundeaufgeben!? – Da dann weder die Zeit des Verbotes noch die der Fortschaffung ist, so könnte er eine Fahrlässigkeit begehen und es nicht aufgeben. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.