Pessachim — Blatt 70b

1reichlich darzubringen ist, so kann ja [der Finder] dies nicht wissen!?

2Und wenn etwa, falls esin Unreinheit darzubringen ist, so kann er ja auch dies nicht wissen!? –

3Wenn der Fürst gestorbenist. – Wann soll der Fürst gestorben sein: wollte man sagen, wenn er am dreizehnten gestorben ist, so ist ja das Untertauchen nichtnötig, und ist er am vierzehnten gestorben, weshalb sollte er das Schlachtmesser untergetaucht haben und das Hackemesser nicht untergetaucht haben!? –

4In dem Falle, wenn der Fürst am dreizehnten in Agonie gelegen hat und am vierzehnten gestorben ist. Ein Schlachtmesser, hinsichtlich dessen ein Zweifel obwaltet, taucht man unter, ein Hackemesser, hinsichtlich dessen zwei Zweifelobwalten, taucht man nicht unter.

5Es wird gelehrt: Jehuda b. Durtaj zog sich mit seinem Sohne Durtaj zurück und ließ sich im Südennieder, indem er sprach: Welche Antwort könnten die Jisraéliten Elijahugeben, wenn er kommen und sie fragen würde, weshalb sie das Festopfer am Šabbath nicht dargebracht haben. Ich wundere mich über die zwei Großen des Zeitalters, Šema͑ja und Ptollion, die sehr weise und bedeutende Schriftausleger sind, daß sie Jisraél nicht gesagt haben, das Festopfer verdränge den Šabbath.

6Rabh sagte: Folgendes ist der Grund Ben Durtajs: es heißt: du sollst als Pesaḥopfer für den Herrn, deinen Gott, Schafe und Rinder schlachten, und da das Pesaḥopfer nur von Lämmern und Ziegen dargebracht wird, so ist vielmehr mit ‘Schafe’ das Pesaḥopfer und mit ‘Rinder’ das Festopfer gemeint, und der Allbarmherzige sagt, daß man es als Pesaḥopfer schlachte.

7R. Joseph sprach: Sollen wir denn [die Schriftverse] nach der Deutung der Abgesonderten auslegen!? Vielmehr deutet der Schriftvers auf eine Lehre R. Naḥmans, denn R. Naḥman sagte im Namen des Rabba b. Abuha: Woher, daß der Überschuß des Pesaḥopfersals Heilsopfer darzubringen ist?

8Es heißt: du sollst als Pesaḥopfer für den Herrn, deinen Gott, Schafe und Rinder schlachten. Wird denn das Pesaḥopfer von Rindern dargebracht, es wird ja von Lämmern und Ziegen dargebracht!? Vielmehr, der Überschuß des Pesaḥopfers ist für das zu verwenden, was von Schafen und Rindern dargebracht wird. –

9Weshalb verdrängt es nach den Rabbanan nicht den Šabbath, es ist jaein Gemeindeopfer!?

10R. Ilea͑ erwiderte im Namen des R. Jehuda b.Saphra: Die Schrift sagt: ihr sollt es als Fest des Herrn feiern, sieben Tage im Jahre, wieso sieben, es sind ja acht!? Vielmehr ist hieraus zu entnehmen, daß das Festopfer den Šabbath nicht verdrängt.

11Als Rabin kam, sagte er: Ich sprach vor meinen Lehrern: Zuweilen sind es nur sechs, wenn nämlich der erste Festtag auf einen Šabbathfällt!? Abajje erwiderte: Nur Abinder Kinderlosekann so etwas sagen; acht kommen überhaupt nicht vor, und sieben sind es in den meisten Jahren.

12U͑la sagte im Namen R. Elea͑zars: Wer am Vorabend des Festtages Heilsopfer schlachtet, genügt damit weder seiner Pflicht der Festfreude noch seiner Pflicht des Festopfers. Der der Festfreude nicht, denn es heißt: du sollst schächten, und du sollst fröhlich sein, das Schlachten muß

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.