Pessachim — Blatt 74a

1WIE BRÄT man das PESAḤOPFER? MAN NEHME EINEN BRATSPIESS AUS [HOLZ VOM] GRANATAPFELBAUM UND STECKE IHN IN DAS MAUL BIS DURCH DEN AFTER, UND DIE UNTERSCHENKEL UND DAS EINGEWEIDE LEGE MAN HINEIN — SO R. JOSE DER GALILÄER. R. A͑QIBA SAGTE: DIES IST JA EINE ART DES KOCHENS; VIELMEHR HÄNGE MAN SIE VON AUSSEN AN. MAN DARF DAS PESAḤOPFER WEDER AN EINEM [EISERNEN] SPIESSE NOCH AUF EINEM ROSTE BRATEN. R. ÇADOQ ERZÄHLTE: EINST SAGTE R. GAMLIÉL ZU SEINEM KNECHTE ṬABI: GEH UND BRATE UNS DAS PESAḤOPFER AUF DEM ROSTE.

2GEMARA. Sollte man doch einen aus Metall nehmen!? — Da ein solcher durch die Erhitzung eines Teiles ganz erhitzt wird, würde es durch den Spieß gebraten werden, und der Allbarmherzige sagt:am Feuer gebraten, nicht aber durch etwas anderes gebraten. — Sollte man doch einen aus Dattelpalmholz nehmen!? — Da ein solcher Zellen hat und Wasser ausschwitzt, würde es Gekochtem gleichen. — Sollte man doch einen aus [Holz von] Feigenbaum nehmen!? — Da ein solcher markig ist und Wasser ausschwitzt, würde es Gekochtem gleichen. —

3Sollte man doch einen aus Eichenholz, aus [Holz vom] Johannisbrotbaum oder aus Sykomorenholz nehmen!? — Da solche Knoten haben, schwitzen sie Wasser aus. —

4Einer aus [Holz vom] Granatapfelbaum hat ja ebenfalls Knoten!? — Dessen Knoten sind glatt. Wenn du aber willst, sage ich: [man verwende] einen einjährigen Trieb, der keine Knoten hat. — Er hat ja aber Schnittstellen!? — Die Schnittstellen ragen nach außen. —

5Unsere Mišna vertritt nicht die Ansicht R. Jehudas, denn es wird gelehrt: R. Jehuda sagte, wie ein Holzspieß nicht verbrannt wird, so werde auch ein Metallspieß nicht erhitzt. Man entgegnete ihm: Dieser wird, wenn ein Teil desselben erhitzt wird, vollständig erhitzt, jener aber wird, wenn ein Teil desselben erhitzt wird, nicht vollständig erhitzt.

6UND DIE UNTERSCHENKEL &C. LEGE MAN &C. Es wird gelehrt: R. Jišma͑él nannte es Tuch, Tuch’, R. Tryphon nannte es ‘rumpfgebratenes Böckchen’.

7Die Rabbanan lehrten: Welches heißt ein rumpfgebratenes Böckchen, das man in der Jetztzeit am Pesaḥabend nicht essen darf? Wenn man es im ganzen brät; ist ein Glied davon abgeschnitten worden, ist ein Glied davon geschmort worden, so heißt es nicht mehr rumpfgebraten. —

8Wenn es schon, falls ein Glied abgeschnitten worden ist, selbst damit gebraten, nicht mehr rumpfgebraten heißt, um wieviel weniger, wenn es geschmort worden ist!? R. Šešeth erwiderte: Wenn man es [am Rumpfe] haftend geschmort hat.

9Rabba sagte: Die Füllung ist erlaubt. Abajje sprach zu ihm: Sie saugt ja Blut auf!? Dieser erwiderte: Wie sie es aufsaugt, so stößt sie es aus.

10Ihm wäre eine Stütze zu erbringen: Die Unterschenkel und das Eingeweide lege man hinein. Doch wohl aus dem Grunde, weil wir sagen, wie sie [das Blut] aufsaugen, stoßen sie es aus. — Hierbei ist es anders: da es einen Schlachtschnitt hat,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.