Pessachim — Blatt 76b

1Brät man fettes Fleisch von Geschlachtetem zusammen mit magerem von Aas, so ist es verboten, weil sie voneinander den Duft einsaugen.

2Levi sagte, selbst wenn man mageres Fleisch von Geschlachtetem zusammen mit fettem von Aas brät, sei es erlaubt, weil es nichts weiter als ein Duft ist, und der Duft ist nichts. Levi traf beim Exilarchen eine Entscheidung bei einem Böckchen mit einem Schweine.

3Man wandte ein: Man darf nicht zwei Pesaḥopfer zusammen braten, wegen der Vermischung. Doch wohl wegen der Vermischung des Geschmackes; somit ist dies ein Einwand gegen Levi!? — Nein, sie könnten miteinander vertauscht werden.

4Dies ist auch einleuchtend, denn im Schlußsatze lehrt er: selbst ein Böckchen mit einem Lämmchen. Erklärlich ist es, daß er selbst ein Böckchen mit einem Lämmchen lehrt, wenn du sagst, weil diese selbst mit einander vertauscht werden könnten, welchen Unterschied gibt es aber zwischen einem Böckchen mit einem Lämmchen und einem Böckchen mit einem Böckchen, wenn du sagst, wegen der Vermischung des Geschmackes!? —

5Es ist also nur deshalb verboten, weil sie selbst miteinander vertauscht werden könnten, während die Vermischung des Geschmackes erlaubt ist, somit wäre dies ja eine Widerlegung Rabhs!? R. Jirmeja erwiderte: Hier wird vom Braten in zwei Töpfen gesprochen. —

6In zwei Töpfen, wie kommst dudarauf!? — Sage vielmehr: wiein zwei Töpfen. Er meint es wie folgt: man darf nicht zwei Pesaḥopfer zusammen braten, wegen der Vermischung, nämlich der Vermischung des Geschmackes, und sogar wie in zwei Töpfen, wo eine Vermischung des Geschmackes nicht zu berücksichtigen ist, ist es verboten, weil sie selbst mit einander vertauscht werden könnten, selbst ein Böckchen und ein Lämmchen.

7R. Mari sagte: Hierüber streiten Tannaím: Wenn jemand warmes Brot aus dem Ofen nimmt und es auf ein Faß mit Wein von Hebe legt, so ist es nach R. Meír verboten und nach R. Jehuda erlaubt; R. Jose erlaubt das Weizenbrot und verbietet das Gerstenbrot, weil die Gerste [den Duft] einsaugt. Ihr Streit besteht wahrscheinlich in folgendem: einer ist der Ansicht, der Duft sei unwesentlich, und einer ist der Ansicht, der Duft sei wesentlich.

8Nach Levi [streiten] hierüber die Tannaím entschieden, aber [streiten] die Tannaím hierüber auch nach Rabh? —

9Rabh kann dir erwidern: alle stimmen überein, der Duft sei wesentlich, denn hierzu wurde gelehrt: Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen des Reš Laqiš: Bei warmem Brote auf einem offenen Fasse stimmen alle überein, daß es verboten sei, bei kaltem Brote auf einem verspundeten Fasse stimmen alle über ein, daß es erlaubt sei, sie streiten nur über warmes Brot auf einem verspundeten Fasse und über kaltes Brot auf einem offenen Fasse. Unser Fall aber gleicht dem Falle vom warmen Brote auf einem offenen Fasse.

10R. Kahana, der Sohn R. Ḥenana des Greises, lehrte: Brot, das man mit einem Braten zusammen in einem Ofen gebacken hat, darf man nicht mit Quarkbrei essen. Einst wurde ein Fisch zusammen mit Fleischgebraten, und Raba aus Parziaqa verbot, ihn mit Quarkbrei zu essen. Mar b. R. Aši sagte: Einen solchen darf man sogar mit Salz nicht essen, weil dies wegen üblen Geruches und Aussatzesschädlich ist.

11FÜNF DINGE WERDEN IN UNREINHEIT DARGEBRACHT, JEDOCH NICHT IN UNREINHEIT GEGESSEN: DIE SCHWINGEGARBE, DIE ZWEI BROTE, DAS SCHAUBROT, DIE GEMEINDE-HEILSOPFER UND DIE ZIEGENBÖGKE DES NEUMONDS. DAS IN UNREINHEIT DARGEBRACHTE PESAḤOPFER WIRD AUCH IN UNREINHEIT GEGESSEN, DENN ES WIRD JA VON VORNHEREIN NUR ZUM ESSEN DARGEBRACHT.

12GEMARA. Was schließt [die Zahl] ‘fünf’ aus? — Dies schließt das Festopferdes fünfzehnten aus;

13man könnte nämlich glauben, daß dieses, da es ein Opfer der ganzen Gemeinde und eine Zeit dafür festgesetzt ist, die Unreinheit verdränge, so lehrt er uns, daß dieses, da es nachträglich während der sieben Tage [des Festes] dargebracht werden kann, den Šabbath nicht verdränge, und da es den Šabbath nicht verdrängt, so verdrängt es auch die Unreinheit nicht. —

14Sollte er auch die Ziegenböcke der Feste mitzählen!? — Er zählt ja die Gemeinde-Heilsopfer mit. — Demnach sollte er auch die Ziegenböcke des Neumonds nicht mitzählen, da er die Gemeinde-Heilsopfer mitzählt!? —

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.