Pessachim — Blatt 7b
1sie streiten nur über [die Formel] ‘die Fortschaffung’: einer ist der Ansicht, sie beziehe sich auf das vergangene, und einer ist der Ansicht, sie beziehe sich auf das folgende.
2Man wandte ein: ‘Gepriesen sei er, der uns durch seine Gebote geheiligt und uns die Beschneidung geboten hat’!? –
3Wie sollte man da [anders] sprechen: man kann ja nicht ‘zu beschneiden’ sagen, da nicht [dem Beschneidenden] die Beschneidung obliegt. – Wie ist es zu erklären, wenn der Vater des Kindes [selber beschneidet]!? – Dann spreche er auch so. –
4Man wandte ein: ‘Gepriesen sei er, der uns durch seine Gebote geheiligt und uns das Schächten befohlen hat’!? – Wie sollte man da anders sprechen: man kann ja nicht ‘zu schächten’ sagen, da nicht ihm selber das Schächten obliegt. –
5Wie ist es beim Pesaḥopfer und bei Geheiligtemzu erklären!? – Dann spreche man auch so. –
6Man wandte ein: Wer den Feststrauß für sich selber bereitet, spreche: ‘Der du uns leben, bestehen und diese Zeit erreichen lassen hast’. Nimmt er ihn, um seiner Pflicht zu genügen, so spreche er: ‘Der uns durch seine Gebote geheiligt und uns das Nehmen des Feststraußes geboten hat’!? – Anders ist es da, wo man schon mit dem Hochheben seiner Pflicht genügt. –
7Wieso heißt es demnach: um seiner Pflicht zu genügen, es sollte ja heißen: und seiner Pflicht genügt!? – Dem ist auch so, da er aber im Schlußsatze lehren will: um in der Festhütte zu sitzen, lehrt er im Anfangssatze: um seiner Pflicht zu genügen.
8Im Schlußsatze lehrt er nämlich: Wer eine Festhütte für sich macht, spreche: ‘Gepriesen seiest du, o Herr, der du uns leben, bestehen und diese Zeit erreichen lassen hast’. Tritt er in diese ein, um da zu sitzen, so spreche er. ‘Gepriesen seiest du, der du uns durch deine Gebote geheiligt und uns in der Festhütte zu sitzen geboten hast’. Die Halakha ist: [Man spreche:] ‘Die Fortschaffung des Gesäuerten’.
9Alle stimmen also überein, man müsse den Segen vorher sprechen; woher dies? – R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls, bei allen Geboten spreche man den Segen vor [o͑ber] der Ausübung. –
10Wieso ist es erwiesen, daß o͑ber die Bedeutung ‘vor’ hat? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Die Schrift sagt:da lief Aḥimaa͑ç durch die Aue und kam vor [vajae͑bor] dem Mohren. Abajje entnimmt es hieraus:er ging vor [a͑bar] ihnen. Wenn du willst, hieraus:vor ihnen schreitet [vajaa͑bor] ihr König, der Herr an ihrer Spitze.
11In der Schule Rabhs sagten sie: Ausgenommen ist das Tauchbad und das Posaunen [blasen]. – Allerdings das Tauchbad, weil die Person dann noch ungeeignetist, weshalb aber das Posaunen [blasen]: wolltest du sagen, weil das Blasen mißlingen könnte, so ist dies ja auch beim Schächten und bei der Beschneidung [zu befürchten]!?
12Vielmehr, sagte R. Ḥisda, ausgenommen ist nur das Tauchbad. Ebenso wird auch gelehrt: Wer untergetaucht ist und heraufsteigt, spreche beim Heraufsteigen: ‘Gepriesen sei er, daß er uns durch seine Gebote geheiligt und uns das Untertauchen geboten hat’.
13BEIM SCHEINE EINER LEUCHTE &C. Woher dies? R. Ḥisda erwiderte: Wir folgern finden von finden, finden von suchen, suchen von Leuchten und Leuchten von Leuchte.
14Finden von finden, denn hierbei heißt es:sieben Tage soll kein Sauerteig in eueren Wohnungen zu finden sein, und dortheißt es: er suchte, beim Ältesten hob er an, und beim Jüngsten hörte er auf, da fand es sich. Finden von suchen, wie hierbei.
15Suchen von Leuchten, denn es heißt:siehe, ich werde Jerušalem mit Leuchten durchsuchen. Leuchten von Leuchte, denn es heißt:eine Leuchte Gottes ist des Menschen Geist, die alle Kammern des Leibes durchsucht.
16In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: In der Nacht zum vierzehnten suchte man beim Scheine einer Leuchte das Gesäuerte zusammen, und obgleich es dafür keinen Beweis gibt, so gibt es immerhin eine Andeutung, denn es heißt: sieben Tage soll kein Sauerteig [in eueren Wohnungen] zu finden sein; ferner heißt es: er suchte, beim Ältesten hob er an, und beim Jüngsten hörte er auf, [da fand es sich]; ferner heißt es: in dieser Zeit werde ich Jerušalem mit Leuchten durchsuchen; und ferner heißt es: eine Leuchte Gottes ist des Menschen Geist, die &c. durchsucht. –
17Wozu das ‘ferner’? –
18Man könnte einwenden, [der Vers:] in dieser Zeit, sei eine Erleichterung, der Allbarmherzige sage nämlich, er werde Jerušalem nicht beim Lichte einer Fackel durchsuchen, deren Licht sehr stark ist, sondern beim Lichte einer Leuchte, deren Licht sehr schwach ist, damit nur die großen Sünden und nicht die kleinen zu finden seien, so komm und höre: eine Leuchte Gottes ist des Menschen Geist.
19Die Rabbanan lehrten: Man darf nicht vor dem Lichte der Sonne noch vor dem Lichte des Mondes noch vor dem Lichte einer Fackel durchsuchen, sondern vor dem Lichte einer Leuchte,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.