Pessachim — Blatt 8a
1weil das Licht einer Leuchte zur Durchsuchung am geeignetsten ist. Und obgleich es dafür keinen Beweis gibt, so gibt es immerhin eine Andeutung, denn es heißt: sieben Tage soll kein Sauerteig in eueren Wohnungen zu finden sein; ferner heißt es: er suchte, beim Ältesten hob er an; ferner heißt es: in dieser Zeit werde ich Jerušalem mit Leuchten durchsuchen; und ferner heißt es: eine Leuchte Gottes ist des Menschen Geist, die alle Kammern des Leibes durchsucht. –
2In welchem Sonnenlichte: wollte man sagen, in einem Hofe, so sagte ja Raba, ein Hof brauche überhaupt nicht durchsucht zu werden, weil da Raben sind, und wollte man sagen in einer Halle, so sagte ja Raba, eine Halle sei bei ihrem eigenen Lichtezu durchsuchen!? –
3Dies bezieht sich auf eine Luke im Zimmer. – An welcher Stelle, wenn gegenüber der Luke, so ist es ja ebenso wie bei einer Halle!? — Vielmehr, seitlich. —
4Etwa nicht mit einer Fackel, Raba sagte ja: Es heißt:ein Glanz wie Licht entsteht, Strahlen gehen ihm zur Seite, und dort ist die Hülle für seine Macht; die Frommen erscheinen vor der Göttlichkeit wie eine Leuchte vor einer Fackel. Ferner sagte Raba, beim Unterscheidungssegen sei die Fackel am allervorzüglichsten!?
5R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Mit der einen kann man in Löcher und Spalten hinein [leuchten], mit der anderen kann man nicht in Löcher und Spalten hinein [leuchten]. R. Zebid erwiderte: Die eine wirft das Licht nach vorn, die andere wirft das Licht nach hinten. R. Papa erwiderte: Mit jener ist man ängstlich, mit dieser ist man nicht ängstlich. Rabina erwiderte: Die eine hat ein ruhiges Licht, die andere ein flackerndes.
6JEDER RAUM, IN DEN MAN KEIN [GESÄUERTES] BRINGT &C. Was schließt als ‘jeder’ ein? – Dies schließt folgende Lehre der Rabbanan ein: Die oberen und die unteren Löcher eines Hauses, das Dach eines Anbaues, das Dach eines Schrankes, der Rinderstall, Strohräume, Hühnersteigen, Weinlager und Öllager benötigen nicht der Durchsuchung. R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, wenn ein Bett in der Mitte der Stube sich befindet und [vom Boden] absteht, müsse es durchsucht werden. –
7Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Befindet sich [in der Wand] zwischen dem einen Bewohner und dem anderen ein Loch, so durchsuche es der eine, soweit seine Hand reicht, ebenso der andere, soweit seine Hand reicht, und das übrige gebe jeder in seinem Herzen auf. R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, wenn ein Bett in der Mitte der Stube sich befindet und [von Boden] absteht und Holz und Steine unter diesem sich befinden, benötige es nicht der Durchsuchung.
8Hier besteht also ein Widerspruch sowohl hinsichtlich des Bettes als auch hinsichtlich der Löcher!? –
9Hinsichtlich der Löcher besteht kein Widerspruch, denn eines gilt von solchen, die sich oben und unten befinden, und eines von solchen, die sich in der Mitte befinden; hinsichtlich des Bettes besteht ebenfalls kein Widerspruch, denn eines gilt von einem hohen und eines von einem niedrigen. —
10Benötigen etwa Weinlager nicht der Durchsuchung, es wird a gelehrt, Weinlager benötigen der Durchsuchung, Öllager benötigen nicht der Durchsuchung!? – In dem Falle, wenn man davon gebraucht. Demnach sollte dies auch vom Öllager gelten!? –
11Für das Öllager ist das Quantum der Mahlzeit zu übersehen, für den Wein ist das Quantum zum Trinken nicht zu übersehen.
12R. Ḥija lehrte: Die Metlager in Babylonien gleichen den Weinlagern im Jisraélland, wenn davon gebraucht wird.
13R. Ḥisda sagte: Der Fischraum benötigt nicht der Durchsuchung. – Es wird ja aber gelehrt, daß er wohl der Durchsuchung benötige!? – Das ist kein Widerspruch; eines gilt von großen, und eines gilt von kleinen.
14Rabba b.R. Hona sagte: Der Salzraum und der Wachsraumbenötigen der Durchsuchung. R. Papa sagte: Der Holzraum und der Dattelraum benötigen der Durchsuchung.
15Es wird gelehrt: Man verpflichtet einen nicht, die Hand in Löcher und Spalten zu stecken, um sie zu durchsuchen, wegen der Gefahr. – Wegen welcher Gefahr: wollte man sagen, wegen der Gefahr eines Skorpions, wieso benutzt er es denn!? – In dem Falle, wenn [eine Wand] eingestürzt ist. –
16Wozu ist, wenn [eine Wand] eingestürzt ist, die Durchsuchung nötig, wir haben ja gelernt, daß, wenn auf Gesäuertes ein Trümmerhaufen gefallen ist, es als fortgeschafft gelte!? – Da handelt es sich um den Fall, wenn ein Hund es nicht aufspüren kann, hier aber, wenn ein Hund es aufspüren kann. –
17R. Elea͑zar sagte ja aber, Boten einer gottgefälligen Handlung kommen nicht zu Schaden!? R. Aši erwiderte: Er könnte da eine Nadel verloren haben und [gleichzeitig] nach dieser suchen. –
18Ist es denn auf diese Weise keine gottgefällige Handlung, es wird ja gelehrt, daß, wenn jemand spricht, er gebe diesen Sela͑ als Almosenspende, damit seine Kinder leben bleiben, oder damit er der zukünftigen Welt teilhaftig werde,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.