Pessachim — Blatt 86a
1Wahrscheinlich aßen sie ja auf dem Dacheund lasen es auf dem Dache!? — Nein, sie aßen im Erdgeschosse und lasen es auf dem Dache. —
2Dem ist aber nicht so, wir haben ja gelernt, man dürfe sich nach dem Pesaḥopfer nicht zu einem Nachtisch begeben, und dies erklärte Rabh, man dürfe nicht von einer Tischgesellschaft zu einer anderen aufbrechen!? — Das ist kein Einwand; das eine während des Essens, das andere nach dem Essen. —
3Komm und höre: Abba Šaúl sagte: [Die Heiligkeit] des Söllers des Allerheiligsten ist strenger als die des Allerheiligsten selbst, denn das Allerheiligste pflegte der Hochpriester einmal im Jahre zu betreten, der Söller des Allerheiligsten aber wurde nur einmal im Septennium, manche sagen, zweimal im Septennium, und manche sagen, einmal im Jobel betreten, um nachzusehen, was da nötig sei!?
4R. Joseph erwiderte: Sollte jemand etwas vom Tempel beweisen!? Anders der Tempel, denn es heißt:David übergab seinem Sohne Šelomo den Plan der Vorhalle, seiner Räume, seiner Schatzkammern, seiner Söller, seiner inneren Kammern und der Gnadenkammer, und es heißt:das alles geschrieben, von der Hand des Herrn ist es mir unterwiesen. —
5Komm und höre: Von den Zellen, die auf heiligem Gebiete gebaut sind und die Türen nach profanemhaben, ist der Innenraum profan und das Dach heilig!? R. Ḥisda erwiderte: Deren Dächer gleich hochmit dem Boden des Tempelhofes sind. —
6Wie erklärst du demnach den Schlußsatz: von denen, die auf profanem gebaut sind und die Türen nach heiligem haben, ist der Innenraum heilig und das Dach profan. Wenn du sagst, deren Dächer gleich hoch mit dem Boden des Tempelhofes sind, sind es ja Höhlen, und R. Joḥanan sagte, die Höhlen seien nicht geheiligt worden!? — R. Joḥanan sagte es von solchen, die Türen nach dem Tempelberge haben, während die angezogene Lehre von solchen spricht, die Türen nach dem Tempelhofe haben. —
7Es wird ja aber gelehrt, R. Jehuda sagte, die Höhlen unter dem Tempelberge seien profan!? — Dies wird von solchen gelehrt, die Türen nach profanem Gebiete haben. —
8Komm und höre: Sein Dach ist heilig!? —
9Glaubst du: er lehrt ja, daß man auf diesen Dächern weder Hochheiliges essen noch Minderheiliges schlachten dürfe!? — Dies widerspricht ja [der Lehre], das Dach sei heilig!? R. Ḥama b. Gorja erwiderte: Fürjene zwei Ellenmaße.
10Wir haben nämlich gelernt: Zwei Ellenmaße befanden sich in der Šušankammer, das eine im nordöstlichen und das andere im südöstlichen Winkel; das nordöstliche war um einen halben Finger größer als die [Elle] Mošes, und das südöstliche war um einen halben Finger größer als jenes, also um einen Finger größer als die [Elle] Mošes.
11Wozu brauchte man eine große und eine kleine? Damit die Handwerker mit der kleinen übernehmen und mit der großen abliefern, um nicht zu einer Veruntreuungzu kommen. — Wozu waren zwei nötig? — Eine für Silber und Goldund eine für Bauten. —
12Wir haben gelernt: Die Fenster und die Mauerdicke gehören zum Innenraume. Allerdings kann dies bei den Fenstern vorkommen, wenn sie nämlich mit dem Boden des Tempelhofes gleich hoch sind, wieso aber bei der Mauerdicke!? —
13Dies kann bei einem Wall vorkommen. Es heißt:er versetzte Ḥel und Ḥoma in Trauer, und R. Aḥa, nach anderen R. Ḥanina, erklärte: Mauer und Wall.
14WENN ZWEI GESELLSCHAFTENIN EINEM RAUME ESSEN, SO WENDEDIE EINE DAS GESICHT AB UND ESSE, UND DIE ANDERE DAS GESICHT AB UND ESSE, WÄHREND DER KESSEL IN DER MITTE STEHE; WENN DER DIENER EINZUSCHENKENAUFSTEHT, SCHLIESSE ER DEN MUND UND WENDE DAS GESICHTAB, BIS ER WIEDER BEI SEINER GESELLSCHAFT IST UND [MIT DIESER] ISST. EINE BRAUTDARF DAS GESICHT WEGWENDEN UND ESSEN.
15GEMARA. Unsere Mišna vertritt die Ansicht R. Jehudas, denn es wird gelehrt:An den Häusern, in denen sie es essen, dieslehrt, daß das Pesaḥopfer in zwei Gesellschaften gegessen werden dürfe. Man könnte glauben, der Essende dürfe es auch an zwei Stellen essen, so heißt es:in einem Hause soll es gegessen werden.
16Hieraus folgerten sie, daß, wenn der Tischdiener ein olivengroßes Stück [vom Pesaḥopfer] am Ofen gegessenhat, er, wenn er klug ist, damit seinen Bauch fülle; wenn aber die Mitglieder der Gesellschaft ihm einen Gefallen erweisen wollen, so gehen und setzen sie sich neben ihn — so R. Jehuda.
17R. Šimo͑n sagte: An den Häusern, in denen sie es essen, dies lehrt, daß der Essende es an zwei Stellen essen dürfe.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.