Pessachim — Blatt 87a
1WENN FÜR EINE IM HAUSE IHRES MANNES WEILENDE FRAU SOWOHL IHR MANN ALS AUCH IHR VATER [DAS PESAḤOPFER] GESCHLACHTET HABEN, SO ESSE SIE VON DEM IHRES MANNES. GLNG SIE DAS ERSTE FEST im HAUSE IHRES VATERS VERBRINGEN, SO ESSE SIE, WENN SOWOHL IHR VATER ALS AUCH IHR MANN FÜR SIE DAS PESAḤOPFER GESCHLACHTET HABEN, WO SIE WILL.
2EINE WAISE ESSE, WENN [MEHRERE] VORMÜNDER FÜR SIE [DAS PESAḤOPFER] GESCHLACHTET HABEN, WO SIE WILL. EIN SKLAVE ZWEIER TEILHABER, DARF [DAS PESAḤOPFER] VON BEIDEN NICHT ESSEN. WER ZUR HÄLFTE SKLAVE UND ZUR HÄLFTE FREIER ist, darf von dem seines HERRN NICHT ESSEN.
3GEMARA. Hieraus wäre also zu entnehmen, daß es eine fiktive Feststellung gebe? — Unter ‘will’ ist zu verstehen, beim Schlachten. —
4Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Eine Frau esse am ersten Feste vom [Pesaḥopfer] ihres Vaters, von dann ab esse sie, wenn sie will, von dem ihres Vaters, und wenn sie will, von dem ihres Mannes!? —
5Das ist kein Widerspruch; dies in dem Falle, wenn es sie [ins Haus ihres Vaters] treibt, jenes in dem Falle, wenn es sie nicht treibt.
6So heißt es:ich war dann in seinen Augen wie eine, die Frieden findet, und R. Joḥanan erklärte: Wie es eine junge Frau, die im Hause ihres Schwiegervaters tadelsfrei befunden worden ist, in das Haus ihres Vaters treibt, ihr Lob zu erzählen. Es heißt:An jenem Tage, Spruch des Herrn, wirst du mich ‘mein Gatte’ nennen und nicht mehr ‘mein Mann’. R. Joḥanan erklärte: Wie eine junge Frau im Hause ihres Schwiegervaters, und nicht wie eine junge Frau im Hause ihres Vaters.
7Wir haben eine kleine Schwester, noch ohne Brüste. R. Joḥanan erklärte: Das ist E͑lam, dem es beschieden war zu lernen, nicht aber zu lehren.
8Ich bin eine Mauer und meine Brüste Türmen gleich. R. Joḥanan erklärte: Ich bin eine Mauer, das ist die Tora; meine Brüste Türmen gleich, das sind die Schriftgelehrten. Raba erklärte: Ich bin eine Mauer, das ist die Gemeinde Jisraél; meine Brüste Türmen gleich, das sind die Bet und Lehrhäuser.
9R. Zuṭra b. Ṭobija sagte im Namen Rabhs: Es heißt:unsere Söhne in ihrer Jugend wie großgezogene Pflanzen, unsere Töchter wie Ecksäulen, die nach Tempel-Bauart ausgehauen sind.
10Unsere Söhne wie Pflanzen, das sind die Jünglinge Jisraéls, die den Geschmack der Sünde nicht gekostet haben; unsere Töchter wie Ecksäulen, das sind die Töchter Jisraéls, die ihre Pforten für ihre Männer geschlossenhalten. Ebenso heißt es:sie werden voll werden wie die Opferschalen, wie die Eckendes Altars. Wenn du willst, entnehme man es aus folgendem:Unsere Speichersind voll, Spende gewährend von jeglicher Art.
11Die nach Tempel-Bauart ausgehauen sind; diesen und jenen rechnet es die Schrift an, als wäre der Tempel in ihren Tagen erbaut worden.
12Das Wort des Herrn, das an Hošea͑ &c. erging, in den Tagen U͑zijahus, Jothams, Aḥaz’ und Jeḥizqijahus, der Könige von Jehuda. Vier Propheten weissagten in einer Zeit, der bedeutendste unter ihnen war Hošea͑, denn es heißt:der Herr fing an, mit Hošea͑ zu reden, und da er nicht mit Hošea͑ zu reden anfing, denn von Moše bis Hošea͑ hatte es viele andere Propheten gegeben, so erklärte R. Joḥanan: als erster unter den vier Propheten, die in jener Zeit weissagten, das sind Hošea͑, Ješa͑ja, A͑mos und Mikha.
13Der Heilige, gepriesen sei er, sprach zu Hošea͑: Deine Kinder haben gesündigt! Er sollte erwidern: Es sind deine Kinder, die Kinder deiner Lieblinge, die Kinder Abrahams, Jiçḥaqs und Ja͑qobs; wälze dein Erbarmen über sie. Aber nicht genug, daß er dies nicht sagte, er sprach noch vor ihm wie folgt: Herr der Welt, die ganze Welt ist dein, tausche sie auf eine andere Nation ein!
14Da sprach der Heilige, gepriesen sei er: Was mache ich mit diesem Alten? Ich heiße ihn ein Hurenweib heiraten und mit ihr Hurenkinder zeugen, und darauf will ich ihn sie fortschicken heißen; wenn er es fertig bringt, sie fortzuschicken, so schicke ich auch Jisraél fort. Daher heißt es:da sprach der Herr zu Hošea͑: Geh, heirate ein Hurenweib und [zeuge] Hurenkinder, und darauf folgt:da ging er hin und heiratete Gomer, die Tochter Diblajims. Gomer, Rabh erklärte: Jeder pflegte mit ihr [seine Leidenschaft] zu befriedigen.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.