Pessachim — Blatt 89a
1da Brust und Schenkelvon den Priestern gegessen werden müssen. —
2Jeder von ihnen kann ja einen Priester [zur Beteiligung] nehmen!? —
3In welchem Falle einen Priester beteiligen: hat er ein Pesaḥopfer hergerichtet, so würde ja das Pesaḥopfer, falls es ein solches ist, von einem Unbeteiligtengegessen werden, und hat er kein Pesaḥopfer hergerichtet, so würde er ja, falls es ein Heilsopfer ist, kein Pesaḥopfer hergerichtet haben!? —
4Sollten alle fünf zusammen einen Priester, der kein Pesaḥopfer hergerichtet hat, nehmen und ihn an ihren fünf Pesaḥopfern beteiligen, denn auf jeden Fall ist ja einer unter ihnen, der das Pesaḥopfer nicht hergerichtet hat, und er würde seiner Pflicht genügen!? —
5Man würde dadurch [die Essenszeit] des Heilsopfers mindern: das Pesaḥopfer darf nur einen Tag und eine Nacht, das Heilsopfer aber zwei Tage und eine Nacht [gegessen werden]. —
6Man kann es ja als Überschuß des Pesaḥopfersdarbringen
7und sprechen: ist das fehlerhafte meines, so sei dieses ein Pesaḥopfer, und ist meines fehlerfrei, so sei dieses ein [vom Überschusse des Pesaḥopfers] dargebrachtes Heilsopfer. Der Überschuß des Heilsopfers darf nämlich nur während eines Tages und einer Nacht gegessen werden!? —
8Kann man denn von vornherein [ein Vieh] zum Überschusse [des Pesaḥopfers] bestimmen!? —
9Sollen sie sich doch ein solches auf zutreiben bemühen!? — Vielmehr, wegen des Stutzens: beim Pesaḥopfer ist das Stützen nicht erforderlich, wohl aber beim Überschusse desselben. —
10Allerdings beim Opfer eines Mannes, wie ist es aber bezüglich des Opfers einer Frauzu erklären!? —
11Vielmehr, wegen des Besprengens: beim Pesaḥopfer ist ein einmaliges Besprengen erforderlich, beim Heilsopfer aber ein zwei- gleich viermaliges. —
12Welchen Unterschied gibt es denn hierbei, wir haben ja gelernt, bei allen Sprengungen des äußeren Altars habe man Sühne erlangt, auch wenn man nur eine Sprengung auf getragen hat!? —
13Vielmehr, beim Pesaḥopfer wird [das Blut langsam] ausgegossen, beim Heilsopfer aber [werfend] ausgeschüttet. —
14Welchen Unterschied gibt es denn hierbei, es wird ja gelehrt, man habe seiner Pflicht genügt, auch wenn man das [werfend] auszuschüttende [Blut langsam] ausgegossen hat!? — Allerdings dann, wenn es bereits geschehen ist, etwa auch von vornherein!?
15WENN JEMAND ZU SEINEN KINDERN GESAGT HAT, ER SCHLACHTE DAS PESAḤOPFER FÜR DEN, DER ZUERST IN JERUŠALEM ANLANGT, SO HAT DERJENIGE, DER MIT DEM KOPFE UND MIT DEM GRÖSSEREN TEIL DES KÖRPERS ZUERST DARIN IST, SEINEN ANTEIL ERWORBEN, UND ER EIGNE AUCH SEINEN BRÜDERN ZU.
16GEMARA. Hieraus wäre also zu entnehmen, daß es eine fiktive Feststellunggebe?
17R. Joḥanan erwiderte: Wenn er dies nur deswegen sagte, um sie zu einer gottgefälligen Handlung anzuspornen.
18Dies ist auch zu beweisen. Es heißt, er eigne auch seinen Brüdern zu; einleuchtend ist dies, wenn du sagst, er habe sie vorher mitbeteiligt, wieso aber kann er, wenn er sie vorher nicht mitbeteiligt hat, ihnen nach dem Schlachten zueignen, wir haben ja gelernt, man könne sich nur vor dem Schlachten [am Pesaḥopfer] mitbeteiligen oder sich davon zurückziehen!? Schließe hieraus.
19Ebenso wird auch gelehrt: Einst ereignete es sich, daß die Töchter früher hinkamen als die Söhne; die Töchter waren hurtig, die Söhne aber lässig.
20ES KÖNNEN SICH IMMERZU SO VIELE DARAN BETEILIGEN, DASS JEDER DAVON EIN OLIVENGROSSES STÜCK HAT. MAN KANN, BIS ES GESCHLACHTET IST, SICH DARAN BETEILIGEN ODER SICH DAVON ZURÜCKZIEHEN; R. ŠIMO͑N SAGT, BIS MAN DAS BLUT SPRENGT.
21GEMARA. Was lehrt er uns da!? — Folgendes lehrt er uns: selbst wenn sich eine Gesellschaft dafür zusammengetan hat, darf diese zurücktreten und eine andere sich daran beteiligen.
22MAN DARF, BIS ES GESCHLACHTET IST, SICH DARAN BETEILIGEN UND SICH DAVON ZURÜCKZIEHEN &C. Abajje sagte: Der Streit besteht nur über das Zurückziehen,
23denn die Rabbanan erklären:vom Lamme, wenn es noch lebt, und R. Šimo͑n erklärt: wenn es noch vorhanden ist; mitbeteiligen aber kann man sich, wie alle übereinstimmen, bis es geschlachtet ist, denn es heißt:nach der Zahl der Seelen, und nachher erst: sollt ihr zählen.
24Ebenso wird gelehrt: Man kann, bis es geschlachtet ist, sich daran beteiligen und sich davon zurückziehen; R. Šimo͑n sagt, beteiligen könne man sich, bis es geschlachtet ist, sich zurückziehen, bis man das Blut sprengt.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.