Pessachim — Blatt 8b

1er ein wahrhaft Frommer sei!? — Er könnte nach der Durchsuchung nach dieser sehen.

2R. Naḥman b.Jiçḥaq erklärte: Wegen der Gefahr vor Nichtjuden, nach Pelemo. Es wird nämlich gelehrt: Befindet sich ein Loch [in der Wand] zwischen einem Juden und einem Aramäer, so durchsuche er es, soweit seine Hand reicht, und gebe das übrige in seinem Herzen auf; Pelemo sagt, er durchsuche es überhaupt nicht, wegen der Gefahr. –

3Wegen welcher Gefahr, wollte man sagen, wegen der Gefahr der Zauberei, wieso benutzt er es denn!? – Sonst benutzt er es am Tage, wo es hell ist, und [der Nichtjude] denkt sich nichts dabei, dann aber nachts, bei einer Leuchte, und er denkt sich etwas dabei. –

4R. Elea͑zar sagte ja aber, Boten einer gottgefälligen Handlung kommen nicht zu Schaden!? – Anders ist es, wo ein Schaden zu gewärtigen ist. So heißt es auch:da sprach Šemuêl: Wie kann ich hingehen, wenn Šaúl davon hört, bringt er mich um!? Da erwiderte der Herr: Nimm ein junges Rind mit &c.

5Man fragte Rabh: Dürfen die Jünger, die auf dem Feldewohnen, früh und spät nach dem Lehrhause kommen? Dieser erwiderte: Sie mögen auf meine Verantwortung kommen. – Und fortgehen? Dieser erwiderte: Das weiß ich nicht.

6Es wurde gelehrt: R. Elea͑zar sagte: Boten einer gottgefälligen Handlung kommen nicht zu Schaden, weder beim Hingehen noch bei der Rückkehr.

7Wohl nach der Ansicht des folgenden Tanna, denn es wird gelehrt: Isi b.Jehuda sagte: Wenn die Tora sagt:niemand wird sich nach deinem Lande gelüsten lassen, so lehrt dies, daß deine Kuh auf dem Anger weiden wird, ohne daß ein Tier sie beschädigen wird, daß deine Henne auf dem Misthaufen stöbern wird, ohne daß ein Wiesel sie beschädigen wird.

8Nun ist [ein Schluß] vom Schwereren auf das Leichtere zu folgern: wenn diese, die zu Schaden zu kommen pflegen, nicht zu Schaden kommen werden, um wieviel weniger Menschen, die nicht zu Schaden zu kommen pflegen. Ich weiß dies vom Hingehen, woher dies von der Rückkehr? Es heißt:am Morgen sollst du dich auf den Weg machen und heimkehren; dies lehrt, daß du gehen und dein Heim in Frieden finden wirst. –

9Wozu braucht dies, wenn es schon von der Rückkehr gilt, auch vom Hingehen gesagt zu werden!? – Wegen einer Lehre R. Amis, denn R. Ami sagte: Wer Land besitzt, ziehe zur Wallfahrt, und wer kein Land besitzt, ziehe nicht zur Wallfahrt.

10R. Abin b. R. Ada sagte im Namen R. Jiçḥaqs: In Jerušalem gibt es deshalb keine genezaretischenFrüchte, damit die Wallfahrer nicht sagen: Wären wir gekommen, nur um genezaretische Früchte zu essen, so würde uns dies genügt haben. Es würde sich also ergeben, daß die Wallfahrt nicht um ihrer selbst willen erfolgt.

11Desgleichen sagte R. Dostaj b. Jannaj: In Jerušalem gibt es deshalb keine ṭiberianischen Warmbäder, damit die Wallfahrer nicht sagen: Würden wir gekommen sein, nur um in den ṭiberianischen Warmbädern zu baden, so würde uns dies genügt haben. Es würde sich also ergeben, daß die Wallfahrt nicht um ihrer selbst willen erfolgt.

12DAS, WAS SIE GESAGT HABEN, ZWEI REIHEN &C. Wer spricht hier von einem Keller!? –

13Er meint es wie folgt: jeder Raum, in den kein Gesäuertes gebracht wird, benötigt nicht der Durchsuchung, und ebenso brauchen Weinlager und Öllager nicht durchsucht zu werden; das, was sie aber gesagt haben, zwei Reihen im Weinkeller [benötigen der Durchsuchung], bezieht sich auf einen Raum, in den man Gesäuertes zu bringen pflegt, wenn man nämlich von diesem braucht.

14DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, ZWEI REIHEN &C. R. Jehuda erklärte: Die zwei Reihen, von denen sie sprechen, sind die von der Erde bis zur Decke. R. Joḥanan erklärte: Eine Reihe in der Form eines Gamma.

15Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit R. Jehuda, und es gibt eine Lehre übereinstimmend mit R. Joḥanan. Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit R. Jehuda: Die Schule Šammajs sagt, zwei Reihen über den ganzen Keller; und die zwei Reihen, von denen sie sprechen, sind die vom Boden is zur Decke. Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit R. Joḥanan: Zwei Reihen über den ganzen Keller; die vordere gegenüber der Tür und die obere gegenüber der Decke. [Die Reihen] hinter jener und unter dieser benötigen nicht der Durchsuchung.

16DIE SCHULE HILLELS SAGT, DIE ZWEI ÄUSSEREN REIHEN, DAS SIND DIE OBEREN. Rabh erklärte: Die oberste [Reihe]und eine unter dieser.

17Šemuél erklärte: die oberste [Reihe] und eine hinter dieser – Was ist der Grund Rabhs? – Er betont [das Wort] ‘äußeren’. – Es heißt ja aber auch ‘oberen’!? – Dies schließt die [Reihen] unter der unteren aus. – Weshalb erklärt Semuél, die oberste [Reihe] und eine hinter dieser? – Er betont [das Wort] ‘oberen’. – Es heißt ja aber auch ‘äußeren’!? – Dies schließt die [Reihen] hinter der hinteren aus. R. Ḥija lehrte wie Rabh; alle übrigen Schüler lehrten wie Šemuél. Die Halakha ist wie Šemuél.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.