Pessachim — Blatt 93b
1Er ist der Ansicht, unter Lästernsei die Beschimpfung des [göttlichen] Namens zu verstehen, von der es heißt:er soll seine Sünde tragen
2und durch das hier wie dort [gebrauchte Wort] Sünde folgert er: wie dort die Ausrottungsstrafe, ebenso auch hier die Ausrottungsstrafe.
3R. Nathan erklärt: Wenn er das Pesaḥopfer herzurichten unterläßt, so soll er ausgerottet werden, und ‘ki’bedeutet hier ‘denn’; der Allbarmherzige meint es also wie folgt: denn er hat das Opfer für den Herrn nicht dargebracht zur festgesetzten Zeit, nämlich am ersten. —
4Wofür verwendet er [die Worte] seine Sünde soll er tragen? — Er ist der Ansicht, unter Lästern sei nicht die Beschimpfung des [göttlichen] Namenszu verstehen, und durch das dort wie hier [gebrauchte Wort] Sünde folgert er: wie hier die Ausrottungsstrafe, ebenso dort die Ausrottungsstrafe.
5R. Ḥanina b. A͑qiba erklärt: Wenn er das Pesaḥopfer herzurichten unterläßt, so soll er ausgerottet werden, falls: er hat das Opfer für den Herrn nicht dargebracht zur festgesetzten Zeit, am zweiten. —
6Wofür verwendet er [die Worte] seine Sünde soll er tragen? — Wie wir bereits erklärt haben.
7Das Ergebnis ist: hat man es an beiden vorsätzlich [unterlassen], so ist man nach aller Ansicht schuldig; hat man es an beiden versehentlich [unterlassen], so ist man nach aller Ansicht frei;
8hat man es am ersten vorsätzlich und am zweiten versehentlich [unterlassen], so ist man nach Rabbi und R. Nathan schuldig und nach R. Ḥanina b. A͑qiba frei;
9hat man es am ersten versehentlich und am zweiten vorsätzlich [unterlassen], so ist man nach Rabbi schuldig und nach R. Ḥanina b. A͑qiba frei.
10WELCHE REISE IST EINE WEITE? VON MODA&I;M AUSWÄRTS, UND IN DIESER ENTFERNUNG NACH JEDER RICHTUNG [UM Jerušalem] — SO R. A͑QIBA; R. ELIE͑ZER SAGT, AUSSERHALB DER SCHWELLEDES TEMPELHOFES. R. JOSE SAGTE: ÜBER DEM HEBEFINDET SICH DESHALB EIN PUNKT, UM ANZUDEUTEN: NICHT EINE WIRKLICHE WEITE [REISE], SONDERN AUSSERHALB DER SCHWELLE DES TEMPELHOFES.
11GEMARA. U͑la sagte: Von Modai͑m bis Jerušalem sind fünfzehn Mil. Er ist also der Ansicht des Rabba b. Bar Ḥana, der im Namen R. Joḥanans sagte, ein [durchschnittlicher] Mensch gehe zehn Parasangen am Tage; fünf Milvon Anbruch der Morgenröte bis Sonnenaufgang und fünf Mil von Sonnenuntergang bis zum Hervortreten der Sterne; von den übrigen dreißig [gehe man] fünfzehn von morgens bis mittags und fünfzehn von mittags bis abends.
12U͑la vertritt hierbei seine Ansicht, denn U͑la sagte, eine Reise heiße weit, wenn man beim Schlachten nicht zur Stelle sein kann.
13Der Meister sagte: Fünf Mil von Anbruch der Morgenröte bis Sonnenaufgang. Woher dies? — Es heißt:als aber die Morgenröte anbrach, drängten die Engel &c., und es heißt:die Sonne schien bereits über die Erde, als Loṭ in Çoa͑r anlangte, und R. Ḥanina sagte, er habe diesen Ort gesehen, er hat fünf Mil.
14Der Text: U͑la sagte, eine Reise heiße weit, wenn man beim Schlachten nicht zur Stelle sein kann; R. Jehuda sagte, wenn man beim Essen nicht zur Stelle sein kann.
15Rabba sprach zu U͑la: Gegen dich ist ein Einwand zu erheben, und gegen R. Jehuda ist ein Einwand zu erheben. Gegen dich ist ein Einwand zu erheben: du sagst, wenn man beim Schlachten nicht zur Stelle sein kann; auch der Kriechtierunreine kann beim Schlachten nicht zur Stelle sein, dennoch sagst du, man dürfe für den Kriechtierunreinen [das Pesaḥopfer] schlachten und [das Blut] sprengen!?
16Gegen R. Jehuda ist ein Einwand zu erheben: er sagt, wenn man beim Essen nicht zur Stelle sein kann; der Kriechtierunreine kann ja beim Essen zur Stellesein, dennoch sagt er, man dürfe für den Kriechtierunreinen nicht schlachten und sprengen!?
17Dieser erwiderte: Weder ist gegen mich ein Einwand zu erheben, noch ist gegen R. Jehuda ein Einwand zu erheben. Gegen mich ist kein Einwand zu erheben, denn [das Gesetz von] der weiten Reise eilt nur für den Reinen und nicht für den Unreinen;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.