Pessachim — Blatt 98a

1WENN JEMAND SEIN PESAḤOPFER ABGESONDERT HAT UND GESTORBEN IST, SO DARF SEIN SOHN ES NICHT NACH IHM ALS PESAḤOPFER DARBRINGEN, SONDERN ALS HEILSOPFER.

2GEMARA. R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, sagte: Hieraus ist dreierlei zu entnehmen: es ist zu entnehmen, daß Lebendiges zurückgesetztwerde,

3es ist zu entnehmen, daß auch das, was von vornherein untauglichwar, zurückgesetzt werde, und es ist zu entnehmen, daß auch der Geldwert zurückgesetzt werde.

4WENN JEMAND SEIN PESAḤOPFER ABGESONDERT HAT &C. Die Rabbanan lehrten: Wenn jemand sein Pesaḥopfer abgesondert hat und gestorben ist, so bringe sein Sohn, falls er daran mitbeteiligt war, es als Pesaḥopfer dar, wenn aber nicht, so bringe er es am sechzehnten als Heilsopfer dar. Nur am sechzehnten und nicht am fünfzehnten, somit ist er der Ansicht, Gelübde und freiwillige Spenden dürfen am Feste nicht dargebracht werden. –

5Wann soll der Vater gestorben sein: wollte man sagen, wenn er vor Mittag gestorben ist, wieso bringe sein Sohn, wenn er daran beteiligt ist, es als Pesaḥopfer dar, wo er ja bereits vorher von der Trauer betroffen worden ist,

6und wenn er nach Mittag gestorben ist, wieso bringe der Sohn, wenn er daran nicht beteiligt ist, es als Heilsopfer dar, es wurde ja durch die Mittagsstunde [zum Pesaḥopfer]bestimmt!?

7Raba erwiderte: Tatsächlich, wenn er vor Mittag gestorben ist, und unter ‘Pesaḥopfer’ ist zu verstehen, er bringe es als zweites Pesaḥopfer dar.

8Abajje erwiderte: Er lehrt es je nachdem: wenn er nach Mittag gestorben und sein Sohn daran beteiligt ist, so bringe er es als Pesaḥopfer dar, und wenn er vor Mittag gestorben und sein Sohn daran nicht beteiligt ist, so bringe er es als Heilsopfer dar.

9R. Šerebja erwiderte: Tatsächlich, wenn er nach Mittag gestorben ist aber schon zur Mittagsstunde in Agonie lag.

10R. Aši erwiderte: Tatsächlich, wenn er nach Mittag gestorben ist, nur ist hier die Ansicht R. Šimo͑ns vertreten, welcher sagt, Lebendiges werde nicht zurückgesetzt.

11Rabina erwiderte: Wenn der Eigentümer es nach Mittag abgesondert hat und nach Mittag gestorben ist; er ist der Ansicht, die Mittagsstunde mache es zu einem solchen.

12IST EIN PESAḤOPFER MIT ANDEREN OPFERN VERMISCHT WORDEN, SO MUSS MAN SIE ALLE WEIDEN LASSEN, BIS SIE EIN GEBRECHEN BEKOMMEN, SODANN VERKAUFE MAN SIE UND BRINGE FÜR DEN ERLÖS DES BESTEN UNTER IHNEN EIN OPFER DIESER ART UND FÜR DEN ERLÖS DES BESTEN UNTER IHNEN EIN OPFER JENER ART DAR, UND DEN MEHRBETRAG ERSETZE MAN AUS SEINER TASCHE.

13IST ES MIT ERSTGEBORENEN VERMISCHT WORDEN, SO DARF ES, WIE R. ŠIMO͑N SAGT, WENN DIE GESELLSCHAFT AUS PRIESTERN BESTEHT, VON DIESEN GEGESSEN WERDEN.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.