Pessachim — Blatt 98b

1GEMARA. Man bringt ja Geheiligtes in den Untauglichkeitsraum!? –

2R. Šimo͑n vertritt hierbei seine Ansicht, man dürfe Geheiligtes in den Untauglichkeitsraum bringen. Wir haben nämlich gelernt: Wenn ein Schuldopfer und ein Heilsopfer miteinander vermischt worden sind, so sind sie, wie R. Šimo͑n sagt, in der Nordseite zu schlachten und [nach Vorschrift] des strengeren unter ihnen zu essen.

3Man erwiderte ihm: Man bringe nicht Geheiligtes in den Untauglichkeitsraum. –

4Wie verfahre man hierbei nach den Rabbanan? Raba erwiderte: Man warte, bis sie Gebrechen bekommen, dann bringe man ein fettes Tier und spreche: [Die Heiligkeit] des Pesaḥopfers, welches es auch sei, werde auf dieses übertragen. Sodann darf man jenes [unter Beobachtung der Vorschriften] für ein gebrechenbehaftetes Erstgeborenes essen.

5WENN EINE GESELLSCHAFT, DER DAS PESAḤOPFER ABHANDEN GEKOMMEN IST, ZU EINEM SAGT, DASS ER GEHE UND ES FÜR SIE SUCHE UND SCHLACHTE, WORAUF ER GEGANGEN IST UND ES GEFUNDEN UND GESCHLACHTET HAT, ABER AUCH SIE EINES GEHOLT UND GESCHLACHTET HABEN, SO ESSE DIESER, WENN SEINES ZUERST GESCHLACHTET WORDEN IST, VON SEINEM, UND SIE ESSEN MIT IHM EBENFALLS VON SEINEM; WENN ABER IHRES ZUERST GESCHLACHTET WORDEN IST, SO ESSEN SIE VON IHREM, UND ER ESSE VON SEINEM.

6WEISS MAN NICHT, WELCHES ZUERST GESCHLACHTET WORDEN IST, ODER SIND BEIDE ZU GLEICHER ZEIT GESCHLACHTET WORDEN, SO ESSE ER VON SEINEM, UND SIE DÜRFEN VON SEINEM NICHT ESSEN; IHRES ABER KOMMT IN DEN VERBRENNUNGSRAUM, UND SIE SIND VON DER HERRICHTUNG DES ZWEITEN PESAḤOPFERS FREI.

7SAGTE ER ZU IHNEN, DASS, WENN ER SICH VERSPÄTEN SOLLTE, SIE FÜR IHN SCHLACHTEN SOLLEN, WORAUF ER GEGANGEN IST UND ES GEFUNDEN UND GESCHLACHTET HAT, ABER AUCH SIE EINES GEHOLT UND GESCHLACHTET HABEN, SO ESSEN SIE, FALLS IHRES ZUERST GESCHLACHTET WORDEN IST, VON IHREM, UND ER ESSE EBENFALLS VON IHREM; WENN ABER SEINES ZUERST GESCHLACHTET WORDEN IST, SO ESSE ER VON SEINEM UND SIE VON IHREM.

8WEISS MAN NICHT, WELCHES ZUERST GESCHLACHTET WORDEN IST, ODER SIND BEIDE ZU GLEICHER ZEIT GESCHLACHTET WORDEN, SO ESSEN SIE VON IHREM, UND ER DARF VON IHREM NIGHT ESSEN; SEINES ABER KOMMT IN DEN VERBRENNUNGSRAUM, UND ER IST VON DER HERRICHTUNG DES ZWEITEN PESAḤOPFERS FREI.

9SAGTE ER ZU IHNEN UND SIE ZUIHM, SO ESSEN SIE ALLE VOM ZUERST [GESCHLACHTETEN]; WEISS MAN NICHT, WELCHES ZUERST GESCHLACHTET WORDEN IST, ODER SIND BEIDE ZU GLEICHER ZEIT GESCHLACHTET WORDEN, SO KOMMEN BEIDE IN DEN VERBRENNUNGSRAUM.

10SAGTE ER NICHTS ZU IHNEN UND SIE NICHTS ZU IHM, SO SIND SIE NICHT VON EINANDER ABHÄNGIG.

11WENN DIE PESAḤOPFER ZWEIER GESELLSCHAFTEN MIT EINANDER VERMISCHT WORDEN SIND, SO WÄHLEN DIE EINEN DAS EINE UND DIE ANDEREN DAS ANDERE, UND EINER VON DIESEN VERFÜGT SICH ZU JENEN, UND EINER VON JENEN VERFÜGT SICH ZU DIESEN, UND SIE SPRECHEN [ZUM VERTRETER] WIE FOLGT: GEHÖRT DIESES PESAḤOPFER UNS, SO SEIEN DEINE HÄNDE VON DEINEM ZURÜCKGEZOGEN UND DU AN UNSEREM BETEILIGT, UND GEHÖRT DIESES PESAḤOPFER DIR, SO SEIEN UNSERE HÄNDE VON UNSEREM ZURÜCKGEZOGEN UND WIR AN DEINEM BETEILIGT.

12SO AUCH FÜNF GESELLSCHAFTEN VON JE FÜNF ODER ZEHN PERSONEN; SIE WÄHLEN EINEN AUS JEDER GESELLSCHAFT UND SPRECHEN EBENSO ZU EINANDER.

13WENN DIE PESAḤOPFER ZWEIER EIGENTÜMER VERMISCHT WORDEN SIND, SO WÄHLE EINER DAS EINE UND DER ANDERE DAS ANDERE, UND DER EINE NEHME JEMAND VON DER STRASSEALS TEILNEHMER, UND DER ANDERE NEHME JEMAND VON DER STRASSE ALS TEILNEHMER,

14SODANN VERFÜGE SICH DIESER ZU JENEM UND JENER ZU DIESEM UND SIE SPRECHEN ZU EINANDER WIE FOLGT: GEHÖRT DIESES PESAḤOPFER MIR, SO SEIEN DEINE HÄNDE VON DEINEM ZURÜCKGEZOGEN UND DU AN MEINEM BETEILIGT, UND GEHÖRT DIESES PESAḤOPFER DIR, SO SEIEN MEINE HÄNDE VON MEINEM ZURÜCKGEZOGEN UND ICH AN DEINEM BETEILIGT.

15GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Sagte er zu ihnen,und sie zu ihm, so essen sie vom zuerst [Geschlachteten] ; sagte er nichts zu ihnen und sie nichts zu ihm, so sind sie nicht von einander abhängig.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.