Pessachim — Blatt 9b
1und ein Priester kam und schaute hinein, um zu sehen, ob sie eine männliche oder weibliche sei. Als die Sache vor die Weisen kam, erklärten sie ihn als rein, weil da Wiesel und Iltissevorhanden waren.
2Da hatte sie ja [die Fehlgeburt] entschieden hineingeworfen, dagegen war es zweifelhaft, ob sie sie in jener Stunde verschleppt hatten oder nicht verschleppt hatten, und der Zweifel brachte es aus der Entschiedenheit!? – Sage nicht: eine Fehlgeburt in eine Grube warf, sondern: eine Art Fehlgeburt in eine Grube warf, sodaß es auch da Zweifelhaftes gegenüber Zweifelhaftem war. –
3Es heißt ja aber: um zu sehen, ob sie eine männliche oder weibliche sei!? – Er meint es wie folgt: um zu sehen, ob es nur eine aufgeblasene [Eihaut] oder eine Fehlgeburt, und wenn es eine Fehlgeburt, ob sie eine männliche oder weibliche sei.
4Wenn du willst, sage ich: Da war es Entschiedenes gegenüber Entschiedenem, denn wenn Wiesel und Iltisse vorhanden waren, so hatten sie sie dann entschieden verschleppt; sie konnten sie wohl unverzehrt gelassen haben, fortgeschleppt hatten sie sie dann entschieden. Eine andere Lesart: Wir nehmen allerdings nicht an, daß sie sie entschieden aufgefressen hatten, wohl aber nehmen wir an, daß sie sie entschieden in ihre Löcher fortgeschleppt hatten. –
5Befürchten wir denn nicht, ein Wiesel könnte [Gesäuertes] verschleppt haben, im Schlußsatze wird ja gelehrt, daß man das Übrigbleibendeverstecke, damit nicht eine Durchsuchung hinterher erforderlich sei!?
6Abajje erwiderte: Das ist kein Einwand; eines gilt vom vierzehnten, und eines gilt vom dreizehnten. Am dreizehnten, wo in jedem Hause Brot noch vorhanden ist, verwahren [die Wiesel] nichts, am vierzehnten aber, wo kein Brot in den Häusern mehr ist, verwahren sie wohl.
7Raba entgegnete: Ist denn das Wiesel ein Prophet, um zu wissen, daß heute der vierzehnte sei und man bis zum Abend nichts backe, daß es deshalb verwahren sollte!? Vielmehr, erklärte Raba, verstecke man das Übrigbleibende, weil ein Wiesel es in seiner Gegenwart fortschleppen könnte, sodaß hinterher eine Durchsuchung erforderlich seinwürde.
8Übereinstimmend mit Raba wird auch gelehrt: Wie mache man es, wenn man nach der Durchsuchung Gesäuertes essen will? Man verstecke das Übrigbleibende, weil ein Wiesel es in seiner Gegenwart fortschleppen könnte, sodaß hinterher eine Durchsuchung erforderlich sein würde.
9R. Mari erklärte: Mit Rücksicht darauf, man könnte zehn [Brote] zurücklassen und neun finden.
10Wenn es neun Haufen Ungesäuertes und ein Haufen Gesäuertes sind und eine Maus etwas von einem Haufen verschleppt hat, und man nicht weiß ob Ungesäuertes oder Gesäuertes, so ist es hierbei ebenso wie bei den neun Läden; wenn man selber etwas beiseite gelegt und eine Maus es verschleppt hat, so ist es hierbei ebenso wie beim Schlußsatze [jener Lehre].
11Wir haben nämlich gelernt: Wenn neun Läden Fleisch von Geschächtetem verkaufen und einer von Aas verkauft, und man in einem von diesen gekauft und nicht weiß, in welchem von ihnen man gekauft hat, so ist [das Fleisch] verboten;
12wenn man aber Fleisch findet, so richte man sich nach der Mehrheit.
13Wenn zwei Haufen, einer Ungesäuertes und einer Gesäuertes, vor zwei Häusern, eines durchsucht und eines nicht durchsucht, sich befinden und zwei Mäuse etwas verschleppt haben, eine vom Ungesäuerten und eine vom Gesäuerten, und man nicht weiß, welche in das eine Haus und welche in das andere Haus hineingelaufen ist, so ist es ebenso wie bei den zwei Körben.
14Wir haben nämlich gelernt: Wenn vor zwei Körben, einer Profanes und einer Hebe enthaltend, zwei Seá sich befinden, eine Profanes und eine Hebe enthaltend, und Früchte aus diesen in jene gekommen sind, so sind sie erlaubt, denn man nehme an, das Profane sei in das Profane und die Hebe in die Hebe gekommen. –
15Diese Annahme wird ja nur
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.