Rosch haSchana — Blatt 10b
1wobei am Ende ein Tag [als volles Jahr] angerechnet wird, am Anfang ein Tag [als volles Jahr] angerechnet werden!? –
2Wenn etwa nach R. Elea͑zar, so sind ja zweimal dreißig [Tage] erforderlich!? Es wird nämlich gelehrt: Weniger als dreißig Tage vor dem Neujahrsfeste darf man im Vorsiebentjahre nicht mehr pflanzen, nicht senken und nicht pfropfen; hat man gepflanzt, gesenkt oder gepfropft, so reiße man es aus – so R. Elea͑zar. R. Jehuda sagt, was drei Tage nach dem Pfropfen nicht mehr keimt, keime nicht mehr; R. Jose und R. Šimo͑n sagen, zwei Wochen.
3Hierzu sagte R. Naḥman im Namen des Rabba b. Abuha: Nach dem, der dreißig [Tage] sagt, sind dreißig und dreißig erforderlich; nach dem, der drei [Tage] sagt, sind drei und dreißig erforderlich, und nach dem, der zwei Wochen sagt, sind zwei Wochen und dreißig [Tage] erforderlich. Und wenn sie die Ansicht R. Jehudas vertritt, sind ja dreiunddreißig [Tage] erforderlich!? –
4Tatsächlich nach R. Meír, jedoch sind unter ‘dreißig Tage’, von denen er spricht, die des Keimens zu verstehen. –
5Demnach sollten ja einunddreißig erforderlich sein!? – Er ist der Ansicht, der dreißigste Tag werde nach unten und nach oben gerechnet.
6R. Johanan sprach: Beide folgerten es aus einem Schriftverse: Und im ersten und sechshundertsten Jahre, am ersten Tage des ersten Monats. R. Meír sagt, da es der erste Tag im Jahre war, und er ihn ‘Jahr’ nennt, so ist zu entnehmen, daß ein Tag des Jahres als Jahr gelte. –
7Und der Andere!? – Würde es geheißen haben: ‘im sechshundertsten Jahre’, so würdest du recht haben, da es aber heißt: ‘im ersten und sechshundertsten Jahre’, so bezieht sich das ‘Jahr’ auf ‘sechshundert’, und unter ‘ersten’ ist der Anfang des ersten Jahres zu verstehen. –
8Was ist der Grund R. Elea͑zars? – Es heißt: am ersten Tage des ersten Monats; da es der erste Tag im Monate war, und er ihn ‘Monat’ nennt, so ist zu entnehmen, daß ein Tag des Monats als Monat gelte, und wenn ein Tag des Monats als Monat gilt, so gelten auch dreißig Tage des Jahres als Jahr. Der Monat, wonach er gezählt wird, und das Jahr, wonach es gezählt wird.
9Beide stimmen somit überein, daß die Welt im Nisan erschaffen worden sei.
10Es wird gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Im Tišri ist die Welt erschaffen worden, im Tišri wurden die Erzväter geboren und im Tišri starben sie. Am Pesaḥ wurde Jiçḥaq geboren, am Neujahrsfeste wurden Sara, Rahel und Ḥanna bedacht, am Neujahrsfeste verließ Joseph das Gefängnis,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.