Rosch haSchana — Blatt 11a
1am Neujahrsfeste hörte der Frondienst unserer Väter in Miçrajim auf, im Nisan wurden sie erlöst und im Tišri werden sie dereinst erlöst werden.
2R. Jehošua͑ sagte: Im Nisan ist die Welt erschaffen worden, im Nisan wurden die Erzväter geboren und im Nisan starben sie. Am Pesaḥ wurde Jiçḥaq geboren, am Neujahrsfeste wurden Sara, Raḥel und Ḥana bedacht, am Neujahrsfeste verließ Joseph das Gefängnis, am Neujahrsfeste hörte der Frondienst unserer Väter in Miçrajim auf, im Nisan wurden sie erlöst und im Nisan werden sie dereinst erlöst werden.
3Es wird gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Woher, daß die Welt im Tišri erschaffen worden ist? Es heißt: und Gott sprach: Die Erde lasse junges Grün sprossen, samentragende Pflanzen und Fruchtbäume, und der Tišri ist der Monat, in dem die Erde voll Grün und die Bäume voll Früchte sind. Auch war es um die Zeit des Regenfalles, und der Regen fiel nieder und die Gewächse sprossen hervor, denn es heißt: ein Nebel stieg von der Erde auf.
4R. Jehošua͑ sagte: Woher, daß die Welt im Nisan erschaffen worden ist? Es heißt: da ließ die Erde junges Grün aufgehen, samentragende Pflanzen je nach ihrer Art und fruchttragende Bäume, und der Nisan ist der Monat, in dem die Erde junges Grün hervorbringt und die Bäume Früchte hervorbringen. Auch war es die Brunstzeit von Tier, Wild und Geflügel, denn es heißt:die Anger sind mit Schafen bekleidet &c. –
5Und jener, es heißt ja: fruchttragende Bäume!? – Das war nur ein Segen für die Zukunft. –
6Und dieser, es heißt ja: Fruchtbäume!? – Dies deutet auf eine Lehre des R. Jehošua͑ b. Levi, denn R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Alle Werke der Urschöpfung sind in ihrer richtigen Höhe, mit ihrem Wissen und mit ihrem Einvernehmen erschaffen worden, denn es heißt: es wurden vollendet der Himmel und die Erde und all ihr Heer, und man lese nicht çebaa͑m [Heer], sondern Çibjonam [Einvernehmen].
7R. Elie͑zer sagte: Woher, daß die Erzväter im Tišri geboren wurden? Es heißt: da versammelten sich alle Männer Jisraéls zum König Šelomo im Monate Ethanim, am Feste; im Monate, in dem die Mächtigen der Welt geboren wurden. –
8Wieso ist es erwiesen, das ‘ethan’ die Bedeutung ‘mächtig’ hat!? – Es heißt: mächtig [ethan] ist dein Sitz, ferner heißt es: höret, ihr Berge, den Rechtsstreit des Herrn, und ihr Mächtigen [ethanim], Grundfesten der Erde. Und ferner heißt es: die Stimme meines Geliebten, sieh, da kommt er, er springt über die Berge, hüpft über die Hügel. Er springt über die Berge, durch das Verdienst der Erzväter; er hüpft über die Hügel, durch das Verdienst der Erzmütter.
9R. Jehošua͑ sagte: Woher, daß die Erzväter im Nisan geboren wurden? Es heißt: im vierhundertachtzigsten Jahre nach dem Auszuge der Kinder Jisraél aus dem Lande Miçrajim, im vierten Jahre, im Monate Ziv; im Monate, in welchem die Prächtigen [zivtane] der Welt geboren wurden.–
10Es heißt ja aber: im Monate Ethanim!? – Weil dieser stark ist an Geboten. –
11Und jener, es heißt ja: im Monate Ziv!? – Weil in diesem die Baume Pracht [ziva] haben. R. Jehuda sagte nämlich: Wer in den Tagen des Nisan hinausgeht und die Bäume blühen sieht, spreche: ‘Gepriesen sei er, der es in seiner Welt an nichts fehlen ließ, und in dieser schöne Geschöpfe und schöne Bäume erschaffen hat, die Menschen sich an ihnen ergötzen zu lassen.’
12Nach dem sie im Nisan geboren wurden, sind sie auch im Nisan gestorben, und nach dem sie im Tišri geboren wurden, sind sie auch im Tišri gestorben. Es heißt nämlich: und er sprach zu ihnen: Hundertundzwanzig Jahre bin ich heute; es brauchte ja nicht heute zu heißen, und wenn es dennoch heute heißt, so besagt dies: heute wurden meine Tage und Jahre vollzählig. Dies lehrt dich, daß der Heilige, gepriesen sei er, dasitzt und die Jahre der Frommen auf den Tag und auf den Monat vollzählig werden läßt, wie es heißt: die Zahl deiner Tage mache ich voll.
13«Am Pesaḥ wurde Jiçḥaq geboren.» Woher dies? – Es heißt: am nächsten Feste komme ich wieder; wann war dies: wenn am Pesaḥ, und er es ihr zum Wochenfeste verhieß, wie konnte sie nach fünfzig Tagen gebären, und wenn es am Wochenfeste war, und er es ihr zum Tišri verhieß, wie konnte sie nach fünf Monaten gebären!? Vielmehr war es am Hüttenfeste, und er verhieß es ihr zum Nisan. –
14Wenn auch, wie konnte sie nach sechs Monaten gebären!? – Es wird gelehrt, jenes Jahr war ein Schaltjahr. – Wenn aber der Meister die Unreinheitstage abzieht, sind es ja weniger!?
15Mar Zuṭra erwiderte: Auch nach demjenigen, der sagt, die mit neun Monaten Gebärende gebärt nicht bei unvollständigen, gebärt die mit sieben Monaten Gebärende auch bei unvollständigen, denn es heißt:und es geschah nach den Kreisungen von Tagen; Kreisungen sind mindestens zwei und Tagen sind mindestens zwei.
16«Am Neujahrsfeste wurden Sara, Raḥel und Ḥanna bedacht.» Woher dies? R. Elea͑zar erwiderte: Dies ist durch [das Wort] denken und durch [das Wort] erinnern zu folgern. [Durch das Wort erinnern], denn bei Raḥel heißt es: und Gott erinnerte sich der Raḥel, und bei Ḥanna heißt es ebenfalls: und der Herr erinnerte sich ihrer, und man folgere es durch [das Wort] erinnern, das auch beim Neujahrsfeste gebraucht wird, denn es heißt: ein Ruhetag, mit erinnerndem Lärmblasen.
17Durch [das Wort] denken, denn bei Hanna heißt es: denn der Herr gedachte der Ḥanna, und bei Sara heißt es ebenfalls: und der Herr gedachte der Sara.
18«Am Neujahrsfeste verließ Joseph das Gefängnis.» Es heißt: stoßt am Neumond in die Posaune, am Verborgenen auf den Tag unseres Festes, denn es ist eine Festsetzung für Jisraél &c.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.