Rosch haSchana — Blatt 25a

1UND ABENDS [DEN NEUEN] IM WESTEN GESEHEN, UND R. JOḤANAN B.NURI ERKLÄRTE SIE ALS FALSCHZEUGEN; ALS SIE ABER NACH JABNE KAMEN, NAHM SIE R. GAMLIÉL AN.

2FERNER KAMEN EINST ZWEI [ZEUGEN] UND BEZEUGTEN, SIE HÄTTEN IHN ZUR ZEIT GESEHEN, WÄHREND ER ABER IN DER SCHALTNACHT NICHT SICHTBAR WAR, UND R. GAMLIÉL NAHM SIE AN.

3R. DOSA B.ARCHINOS ABER SPRACH ZU IHM: ES SIND FALSCIIZEUGEN; WIE KANN MAN VON EINER FRAU BEKUNDEN, SIE HABE GEBOREN, WENN IHR DER BAUCH BIS AN DIE ZÄHNE REICHT!? DA SPRACH R. JEHOŠUA͑ ZU IHM: DEINE WORTE LEUCHTEN MIR EIN. HIERAUF LIESS R. GAMLIÉL IHM SAGEN: ICH BEFEHLE DIR, DASS DU AN DEM TAGE, AUF DEN NACH DEINER BERECHNUNG DER VERSÖHNUNGSTAG FÄLLT, MIT STOCK UND GELD ZU MIR KOMMST.

4ALS R. A͑QIBA ZU IHM KAM UND IHN TRAURIG FAND, SPRACH ER ZU IHM: ICH KANN BEWEISEN, DASS ALLES, WAS R. GAMLIÉL ANGEORDNET HAT, RICHTIG IST. ES HEISST: das sind die Feste des Herrn, heilige Verkündungen, die ihr zu verkünden habt; NUR DIESE SIND FESTE, OB ZUR BESTIMMTEN ZEIT ODER NICHT ZUR BESTIMMTEN ZEIT.

5HIERAUF KAM ER ZU R. DOSA B.ARCHINOS, UND DIESER SPRACH ZU IHM: WOLLTE MAN DEN GERICHTSHOF R. GAMLIÉLS NACHPRÜFEN, SO KÖNNTE MAN JEDEN SEIT DEN TAGEN MOŠES BIS HEUTE EINGESETZTEN GERICHTSHOF NACHPRÜFEN. ES HEISST: da stiegen Moše und Ahron, Nadab und Abihu, sowie siebzig der Ältesten Jisraels; WESHALB WERDEN DIE NAMEN DER ÄLTESTEN NICHT GENANNT? DIES LEHRT, DASS JEDER DREIMÄNNER [GERICHTSHOF], DER IN JISRAÉL EINGESETZT WURDE, DEM GERICHTSHOFE MOŠES GLEICHT.

6DARAUF NAHM ER STOCK UND GELD IN DIE HAND UND GING AN DEM TAGE, AUF DEN NACH SEINER BERECHNUNG DER VERSÖHNUNGSTAG FIEL, ZU R. GAMLIÉL NACH JABNE. DA STAND R. GAMLIÉL AUF, KÜSSTE IHN AUFS HAUPT UND SPRACH ZU IHM: KOMM IN FRIEDEN, MEIN LEHRER UND SCHÜLER! MEIN LEHRER AN WEISHEIT, UND MEIN SCHÜLER, INDEM DU MEINE WORTE BEFOLGT HAST.

7GEMARA. Es wird gelehrt: R. Gamliél sprach zu den Weisen: Es ist mir aus dem Hause meines Großvaters überliefert: zuweilen erscheint er nach längerer und zuweilen nach kürzerer [Zwischenzeit].

8R. Joḥanan sagte: Was ist der Grund R. [Gamliéls]? Es heißt: er hat den Mond zur [Bestimmung] von Zeiten gemacht, die Sonne kennt ihren Untergang; nur die Sonne kennt ihren Untergang, der Mond aber kennt seinen Untergang nicht.

9Einst sah R. Ḥija den Mond am Morgen des neunundzwanzigsten stehen; da nahm er eine Erdscholle und warf nach ihm, indem er sprach: Diesen Abend wollen wir weihen und du stehst noch da; gehe und bedecke dich! Rabbi hatte nämlich zu R. Ḥija gesagt: Geh nach E͑n Ṭab und weihe da den Neumond. Als Zeichen teile mir mit: David, der König Jisraéls, lebt und besteht.

10Die Rabbanan lehrten: Einst hatte sich der Himmel mit Wolken überzogen, und die Gestalt des Mondes wurde am neunundzwanzigsten gesehen. Das Volk glaubte, es sei der Neumond, und das Gericht wollte ihn weihen; da sprach R. Gamliél zu ihnen: Es ist mir aus dem Hause meines Großvaters überliefert, daß die Erneuerung des Mondes nicht vor neunundzwanzigeinhalb Tagen zwei Drittel Stunden und dreiundsiebzig Teilen erfolgt.

11An diesem Tage starb die Mutter des Ben Zaza, und R. Gamliél hielt eine große Trauer über sie, nicht etwa, weil sie deren würdig war, sondern damit das Volk wisse, daß das Gericht den Neumond nicht geweiht hat.

12ALS R.A͑QIBA ZU IHM KAM UND IHN TRAURIG FAND &C. Sie fragten: Wer war traurig, R. A͑qiba oder R. Jehošua͑!? – Komm und höre: Es wird gelehrt: R. A͑qiba ging zu ihm hin, und als er R. Jehošua͑ traurig fand, sprach er zu ihm: Weshalb bist du traurig? Dieser erwiderte: Meister A͑qiba, lieber zwölf Monate bettlägerig, als diesen Befehl über mich ergehen zu lassen.

13Jener sprach: Meister, erlaube mir doch, vor dir. Etwas zu sagen, was du selbst mich gelehrt hast. Dieser erwiderte: Sprich. Da sprach jener: Es heißt [bei den Feiertagen] dreimal die: diese [sind Feiertage],

14auch bei einem Versehen, diese, auch bei Vorsatz, und diese, auch bei einem Irrtum. Darauf rief dieser wie folgt; A͑qiba, du hast mich getröstet, du hast mich getröstet.

15ALSDANN KAM ER ZU R. DOSA B. ARCHINOS &C. Die Rabbanan lehrten: Weshalb werden die Namen der Ältesten nicht genannt? Damit man nicht sage: Ist jener etwa mit Mose und Ahron zu vergleichen? Jener etwa mit Nadab und Abihu? Jener etwa mit Eldad und Medad?

16Ferner heißt es: Da sprach Šemuél zum Volke: Der Herr, der Moše und Ahron erschaffen hat, und darauf heißt es: da sandte der Herr den Jerubaa͑l, den Bedan, den Jiphtaḥ und den Šemuél. Jerubaa͑l ist Gideon, und er wird deshalb Jerubaa͑l genannt, weil er mit dem Baa͑l Streit führte. Bedan ist Šimšon, und er wird deshalb Bedan genannt, weil er von Dan stammt. Jiphtaḥ, wie der Name besagt.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.