Rosch haSchana — Blatt 26a

1so fungiere ein Teil als Zeugen und ein Teil als Richter – so R. Tryphon; R. A͑qiba sagt, sie sind alle Zeugen und der Zeuge könne nicht Richter sein. –

2Du kannst auch sagen, nach R. A͑qiba, denn R. A͑qiba sagt dies nur bei Todesstrafsachen, denn der Allbarmherzige sagt: die Gemeinde soll ihn richten, die Gemeinde soll ihn retten, und da sie selbst gesehen haben, wie er getötet hat, so finden sie für ihn keine Verteidigung, hierbei aber pflichtet auch R. A͑qiba bei.

3JEDES BLASHORN IST BRAUCHBAR, AUSGENOMMEN DAS EINER KUH, WEIL DIESES ‘HORN’ HEISST. R. JOSE SPRACH: JEDES BLASHORN HEISST JA ‘HORN’, WIE ES HEISST: wenn das Widderhorn anhaltend ertönt.

4GEMARA. R. Jose wandte ja treffend ein, [was erwiderten] die Rabbanan!? – Alle anderen heißen ‘Blashorn’ als auch ‘Horn’, das einer Kuh aber heißt nur ‘Horn’ und nicht ‘Blashorn’, denn es heißt: seinem erstgeborenen Stiere, Pracht ihm, und wie eines Wildochsen sind seine Hörner. –

5Und R. Jose!? – Er kann dir erwidern: auch das einer Kuh heißt: ‘Blashorn’. Es heißt: das wird dem Herrn besser gefallen als ein Stier, ein Farre; wozu Farre, wenn es Stier heißt, und wozu Stier, wenn es Farre heißt!? Vielmehr ist unter šor-par [Stier, Farre] das Šophar [Blashorn] zu verstehen. –

6Und die Rabbanan!? – Dies nach R. Mathna, denn R. Mathna sagte: Ein Stier, ein Farre, dies bedeutet ein Stier groß wie ein Farre.

7U͑la sagte: Der Grund der Rabbanan ist nach R. Ḥisda [zu erklären], denn R. Ḥisda sagte: Weshalb tritt der Hochpriester nicht mit den goldenen Gewändern in das Allerinnerste ein, um den Dienst zu verrichten? Weil ein Ankläger nicht Verteidiger sein kann. –

8Etwa nicht, das Blut des Farren ist es ja!? – Dieses ist vollständig verändert. –

9Die Bundeslade mit dem Sühnedeckel und dem Kerub sind es ja!? – Der Sünder darf nicht darreichen. –

10Der Löffel und die Rauchpfanne sind es ja!? – Gemeint ist, der Sünder dürfe sich damit nicht schmücken. –

11Die goldenen Gewänder außerhalb sind es ja!? – Wir sprechen von innerhalb. – Das Blashorn wird ja ebenfalls außerhalb [verwendet]!? – Da dieses zur Erinnerung dient, so ist es wie innerhalb.

12Der Tanna begründet ja aber: weil dieses ‘Horn’ heißt!? – Zu diesem Grunde nennt er noch einen zweiten: erstens kann ein Ankläger nicht Verteidiger sein, und zweitens heißt dieses ‘Horn’. –

13Und R. Jose!? – Er kann dir erwidern: die Begründung, ein Ankläger könne nicht Verteidiger sein, gilt nur für innerhalb, während das Blashorn außerhalb [verwendet] wird, und die Begründung, dieses heiße ‘Horn’ [ist nicht stichhaltig], da jedes Blashorn ‘Horn’ heißt.

14Abajje sagte: Folgendes ist der Grund der Rabbanan: der Allbarmherzige spricht von einem Blashorn und nicht von zwei oder drei Blashörnern, und da das Kuhhorn aus Schichten besteht, so sieht es wie zwei oder drei Blashömer aus. –

15Der Tanna begründet ja aber: weil dieses ‘Horn’ heißt!? – Zu diesem Grunde nennt er noch einen zweiten: erstens spricht der Allbarmherzige von einem Blashorn und nicht von zwei oder drei Blashörnern, und zweitens heißt dieses ‘Horn’. –

16Und R. Jose!? – Er kann dir erwidern: die Begründung, der Allbarmherzige spreche von einem Blashorn und nicht zwei oder drei Blashörnern [ist nicht stichhaltig], denn die Schichten sind zusammengewachsen und es ist eines, und die Begründung, dieses heiße ‘Horn’, [ist ebenfalls nicht stichhaltig.] da jedes Blashorn ‘Horn’ heißt.

17Woher ist es erwiesen, daß Jubla ein Widder ist? – Es wird gelehrt: R. A͑qiba erzählte: Als ich in Arabien war, nannte man da den Widder Jubla.

18Ferner erzählte R. A͑qiba: Als ich in Gallia war, nannte man da die Menstruierende Verlassene. – Was heißt Verlassene? – [Diese ist von ihrem Manne verlassen]. Ferner erzählte R. A͑qiba: Als ich in Afrika war, nannte man da die Maa͑ Qesiṭa. In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? – Zur Erklärung [der Worte] hundert Qesiṭa in der Tora, nämlich hundert Danka.

19Rabbi erzählte: Als ich in den Küstenstädten war, nannte man da den Kauf Kira. – In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? – Zur Erklärung [der Worte:] das ich mir gekauft [kaniti] habe.

20R. Šimo͑n b. Laqiš erzählte: Als ich in der Provinz Kannišraja war, nannte man da die Braut Nymphe und den Hahn Sekhvi. ‘Die Braut Nymphe’, hierauf deutet folgender Schriftvers: Lieblich erhebt sie sich, die Freude der ganzen Erde. ‘Den Hahn Sekhvi’, hierauf deutet, wie R. Jehuda im Namen Rabhs, und wenn du willst, R. Jehošua͑ b. Levi sagte, folgender Schriftvers: wer hat in die Verhüllten Weisheit gelegt, oder wer verlieh dem Schauenden [Sekhvi] Verstand? Wer hat in die Verhüllten Weisheit gelegt, das sind die Nieren: oder wer verlieh den Schauenden Verstand, das ist der Hahn.

21Levi traf einst in einer Ortschaft ein, und jemand trat auf ihn zu und sprach:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.